Insolvenzen von Anleihe-Emittenten: Und zurück gibt es nur Kleingeld? – Was Anleger über Insolvenzen von Anleihe-Emittenten wissen müssen – Teil 1

Montag, 22. Juli 2013


Solar Millennium AG, Siag Schaaf AG, BKN biostrom AG, WGF AG… Bei der inzwischen sehr groß gewordenen Anzahl von Emittenten mittelständischer Anleihen bleiben auch Insolvenzen nicht aus. Doch was bedeutet die Zahlungsunfähigkeit eines Unternehmens für die Gläubiger seiner Anleihe? Ist das gesamte angelegte Kapital verloren? Anleihen Finder nimmt aktuelle Verfahren unter die Lupe.

Am Anfang jedes Insolvenzverfahrens steht zunächst einmal der Insolvenzantrag. Dieser kann übrigens nicht nur von dem zahlungsunfähigen Unternehmen selbst gestellt werden, sondern auch von einem seiner Gläubiger.

Bevor das Verfahren dann wirklich eröffnet wird, muss ein Gutachter bestätigen, dass tatsächlich ein Insolvenzgrund bei der Gesellschaft vorliegt und prüfen, ob genug Insolvenzmasse vorhanden ist, um die Kosten eines Insolvenzverfahrens zu decken.

Von großer Wichtigkeit ist hier das richtige Timing: „Wie es im Insolvenzfall für die Anleihegläubiger aussieht, hängt davon ab, ob die wirtschaftlichen Probleme rechtzeitig erkannt worden sind und die Insolvenz frühzeitig beantragt worden ist. Meist werden Insolvenzanträge zu spät gestellt“, bemängelt Daniel Bauer, Mitglied des Vorstands der SdK Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger e.V., der beispielsweise die Anleiheinhaber der insolventen Solen AG vertritt.

Gewählter Vertreter nimmt Rechte der Anleiheinhaber wahr

Anleger-Schützer Daniel Bauer erläutert das weitere Procedere nach Eröffnung des Verfahrens: „Es kommt zunächst zu einer Gläubigerversammlung der Anleiheinhaber. Auf dieser kann für jede Anleihe ein so genannter gemeinsamer Vertreter gewählt werden. Dieser kann dann die Rechte der Anleiheinhaber im Verlauf des Insolvenzverfahrens wahrnehmen, d.h. er kann die Forderung der Anleiheinhaber zur Insolvenztabelle im Kollektiv anmelden und die Arbeit des Insolvenzverwalters überwachen.“

 Insolvenzquoten sind oft einstellig

Das Insolvenzverfahren selbst könne dann unterschiedlich gestaltet werden. Bauer: „Typischerweise werden alle Vermögenswerte veräußert und der Veräußerungserlös nach Abzug der Kosten an die Gläubiger ausgeschüttet. Vorrangige und besicherte Gläubiger werden dabei vorrangig behandelt. Es gibt jedoch auch die Möglichkeit der Fortführung der Gesellschaft.“ In diesem Fall wird ein Sanierungskonzept beschlossen. Doch auch bei Erfolg dieses Konzeptes muss sich der Anleihegläubiger meist mit einer bestimmten Insolvenzquote zufrieden geben.

Die Insolvenzquote ist der Prozentsatz der Forderungen eines Anleihegläubigers, den er am Ende aus der Insolvenzmasse erhält. Viel ist das meistens nicht. „In deutschen Unternehmensinsolvenzverfahren liegt die Insolvenzquote häufig im einstelligen oder niedrigen zweistelligen Prozentbereich des Nominalwerts der geltend gemachten Forderung“, erläutern die Rechtsanwälte Dr. Wolfram Desch und Dr. Oliver Zander von der GÖRG Partnerschaft von Rechtsanwälten aus München.

Lesen Sie im zweiten Teil: Von was die Werthaltigkeit der Ansprüche von Anleihe-Gläubigern im Falle einer Insolvenz abhängt – und warum Maximilian Pisacane, Direktor Kommunikation und Investor Relations der insolventen WGF AG , sagt:  „Wenn wir keine 60 Prozent erreichen, ist unser Insolvenzplan gescheitert.“

Anleihen Finder Redaktion

Foto: Klaus-Uwe Gerhardt/pixelio.de

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