„In Krisenzeiten beobachten wir, dass die Nutzung unserer Produkte ansteigt“

Mittwoch, 24. Oktober 2012

Im Interview mit der Anleihen Finder Redaktion erklärt Günter Schamel, CEO und Gründer der Mox Telecom AG, das Geschäftsmodell des Telefonieanbieters. Außerdem verrät er, in welche Geschäftsbereiche die Anleihen-Millionen vornehmlich investiert werden sollen:

Anleihen Finder: Sehr geehrter Herr Dr. Schamel, die Mox Telecom AG bezeichnet sich selbst als führenden Anbieter internationaler Telefonie, hat sich aber auch in die Geschäftsfelder Prepaid Kreditkarten und E-Commerce diversifiziert. Könnten Sie uns Ihr Geschäftsmodell bitte etwas tiefgehender darlegen – Wie generieren Sie die Umsätze und Renditen in den einzelnen Geschäftsfeldern, wer sind Ihre Kunden und Wettbewerber?

Dr. Günter Schamel: Wir sind ein global tätiges Telekommunikationsunternehmen und haben unseren Fokus auf die Entwicklung von innovativen Prepaid Produkten wie Calling Cards, VOIP für Mobilfunk und Festnetz gelegt. Seit unserer Gründung im Jahr 1998 sind wir international ausgerichtet.

Als Kernzielgruppe haben wir Menschen mit einem hohen Bedarf an Auslandstelefonie, wie beispielsweise Aus- und Zuwanderer, identifiziert. Unser Geschäftsmodell ist auf die Bedürfnisse dieser Zielgruppe ausgerichtet und unsere Produktentwicklung in den drei Geschäftsbereichen Telekommunikation, Prepaid Debitkarten und E-Commerce erfolgt auf Basis bereits gesammelter Erfahrungen mit unserer Zielgruppe und den Märkten.

Weltweit haben im letzten Jahr über 20 Mio. Menschen Produkte von Mox gekauft und verwendet. Um dieses enorme Potenzial unserer weltweiten Zielgruppe weiter zu nutzen, haben wir unterschiedliche Produkte entwickelt: Neben dem Kernprodukt (Prepaid) Calling Card konnten wir die Mox Prepaid MasterCard als Debitkarte erfolgreich in Deutschland einführen. Über unsere Tochter, die Mox Deals AG, sind wir 2011 in das E-Commerce-Geschäft eingestiegen – zunächst in den Vereinigten Arabischen Emiraten, Singapur und Vietnam. In weiteren Ländern steht der Markteintritt kurz bevor, darunter in der Türkei, Saudi Arabien, Ägypten, Indonesien, Neuseeland und Australien.

Wir produzieren schlank und halten Geschäftsabläufe effizient. Dank unseres diversifizierten Produktportfolios gibt es im globalen Wettbewerb keinen vergleichbar aufgestellten Wettbewerber. Zu den meist lokalen Wettbewerbern gehören Unternehmen wie Lycatel oder IDT Europe (gehört zur IDT Corp.), von denen wir uns allerdings durch eine gute Sprachqualität, durchgehende Verfügbarkeit der Dienste sowie durch einen sehr guten Kundenservice abheben.

„E-Commerce ist Wachstumsfeld“

Anleihen Finder: Auf den ersten Blick passen Ihre sehr unterschiedlich erscheinenden Geschäftsfelder nur bedingt zusammen. Wo liegen Ihre Kernfelder – wo die Wachstumsfelder? Ergeben sich Synergien zwischen den Sparten oder geht es um Risikodiversifikation?

Dr. Günter Schamel: Synergie und Diversifikation, das sind genau die Punkte, um die es geht. Derzeit ist das Geschäft Calling Cards stärkster Umsatztreiber. Hier handelt es sich vor allem in den USA um einen Milliarden-Markt. Neben unserem Kernprodukt (Prepaid) Calling Card konnten wir die Mox Prepaid MasterCardÒ als Debitkarte erfolgreich am Markt etablieren. Die Mox MastercardÒ zum Beispiel adressiert dieselbe Zielgruppe wie unsere Calling Cards, d.h. wir können hier zwischen Produktbereichen, die auf den ersten Blick wenig miteinander zu tun haben, deutliche Synergien schöpfen, indem wir unsere Reichweite von 20 Mio. Kunden weltweit einbringen. Zudem ist unser Geschäftsbereich E-Commerce ein Wachstumsfeld, hier liegen die Rohmargen mit 20 bis 30 % deutlich höher als im Telekommunikationsmarkt. Sie sehen, unsere Geschäftsbereiche sind diversifiziert und es bestehen Synergien untereinander. Beim internationalen Roll-out unseres neuen Geschäftsbereichs Mox Deals nutzen wir unsere Erfahrungen aus 15 Jahren internationalem Geschäft. Wir können mit unserem internationalen Expertise auch Wege in exotischere Märkte gehen, wie erfolgreiche Markteintritte in den Vereinigten Arabischen Emiraten, Singapur und Vietnam zeigen.

Anleihen Finder: Ihre Absatzmärkte befinden sich – das liegt in der Natur des Zielkundenmodells – in den Emerging Markets. Warum also eine EUR-denominierte deutsche Mittelstandsanleihe und wie gehen Sie mit Wechselkursrisiken um?

Dr. Günter Schamel: Unsere Absatzmärkte befinden sich keinesfalls nur in den Emerging Markets, sondern beispielsweise auch in Europa und Nordamerika. Da wir bereits sehr früh einen internationalen Expansionskurs einschlugen, ist der Umgang mit Wechselkursrisiken für uns normales Geschäft. Fremdwährungspositionen werden bei der Mox Telecom AG durch Kurssicherungsgeschäfte abgesichert.

Anleihen Finder: Nun begeben Sie eine 5-jährige Unternehmensanleihe über insgesamt EUR 35 Mio. mit einem jährlichen Kupon von 7,25%, die im Bondm-Segment der Börse Stuttgart handelbar sein wird. Wie fügt sich diese Anleihe-Emission in Ihre Finanzierungsstrategie ein und wofür werden Sie das eingeworbene Kapital verwenden?

„Anleihe ist mit unserer Finanzierungsstrategie vereinbar“

Dr. Günter Schamel: Die Mox Telecom AG setzt auch in den kommenden Jahren auf Wachstum. Bei einer aktuellen Eigenkapitalquote von mehr als 40 Prozent setzen wir ganz bewusst auf die Fremdkapitalfinanzierung, um so unsere Bilanzstruktur zu optimieren. Wir erwarten, dass wir das 2011er Cashflow-Niveau von 20,3 Mio. Euro auch in den kommenden Jahren erreichen werden. Von daher ist die Aufnahme einer Anleihe in Höhe von 35 Mio. Euro zu 7,25 Prozent p. a. sehr gut mit unserer Finanzierungstrategie vereinbar.

– Der Erlös aus der Anleiheemission soll unter anderem für die Expansion des Telefoniegeschäfts in Südostasien und Afrika sowie für die weitere Expansion des E-Commerce- Geschäfts der Mox Deals AG verwendet werden.

– Auch sollen weitere Geschäftsmöglichkeiten für die Entwicklung der Mox Gruppe genutzt werden. Dies kann jeweils durch direkte Investitionen in die einzelnen Geschäftsfelder, aber auch durch Akquisitionen erfolgen.

– Zusätzlich kann die Bilanzstruktur durch die Ablösung bestehender Finanzierungen optimiert werden.

Anleihen Finder: Lassen Sie uns kurz auf einige bonitätsrelevante Sachverhalte eingehen. Eine typische Maßzahl für die Kreditwürdigkeit eines Unternehmens ist das Verhältnis von operativem Ergebnis (EBIT) zu Zinsaufwand. Im Jahresabschluss 2011 weist die Gruppe ein solides Verhältnis von EBIT (EUR 6,1 Mio.) zu Zinsaufwand (EUR 1,3 Mio.) von 4,7 aus. Wie wird sich dieses Verhältnis zum Jahresende 2012 gestalten?

Dr. Günter Schamel: Haben Sie bitte Verständnis dafür, dass wir heute nicht genau sagen können, wo diese Kennzahl am Jahresende steht. So kann die Mox Telecom AG laut Prospekt beispielsweise einen Teil des Anleihekapitals für die Ablösung anderer Kreditverbindlichkeiten verwenden. Allerdings wird dies erst zu gegebener Zeit anhand der aktuell geltenden Marktkonditionen entschieden. Darüber hinaus wird sich das EBIT Ende 2012 auf einem anderen Niveau als in 2011 befinden. Sicher sind wir uns jedoch beispielsweise mit dem Anspruch, eine Eigenkapitalquote von 30 Prozent möglichst nicht zu unterschreiten.

Anleihen Finder: Durch die Anleihe werden zusätzliche Zinsaufwendungen in Höhe von rund EUR 2,5 Mio. auf die Mox Gruppe zukommen. Wie schnell werden Sie die eingeworben EUR 35 Mio. in Umsatz-generierendes Vermögen umwandeln können? Wie wird sich besagtes Verhältnis von EBIT zu Zinsaufwand Ende 2013 gestalten und wann planen Sie wieder die Eigenkapitalquoten über 40% auszuweisen?

„Wir streben eine Eigenkapitalquote von über 30 Prozent an“

Dr. Günter Schamel: Wir wachsen seit Jahren in einem sehr hohen Tempo auf internationaler Ebene und auch in Zukunft haben wir weitere Zielmärkte im Visier. Jeder neue Markteintritt erfordert Anfangsinvestitionen, die wir mit dem eingeworbenen Anleihekapital schneller durchführen können. Darüber hinaus haben wir mit der Mox Deals AG den Schritt in ein ganz neues Geschäftsfeld gewagt. Auch hier wollen wir in den kommenden Quartalen zügig weiter investieren und Umsatz-generierendes Vermögen schaffen. Wann wir wieder eine Eigenkapitalquote von mehr als 40 Prozent ausweisen werden, kann ich heute nicht genau sagen. Ich weise aber auch an dieser Stelle noch einmal daraufhin, dass wir eine solide Eigenkapitalquote über 30 Prozent anstreben.

Anleihen Finder: Ende 2011 wies die Gruppe Finanzverbindlichkeiten von rund EUR 30 Mio. aus. Wie ist die Struktur dieser Verbindlichkeiten: Wie sieht es beispielsweise mit den Fälligkeiten aus?

Dr. Günter Schamel: Etwa 6,5 Mio. Euro dieser Verbindlichkeiten haben eine Restlaufzeit von weniger als einem Jahr Bei 23,1 Mio. Euro liegt die Fälligkeit zwischen einem und fünf Jahren. Davon stammen 19 Mio. Euro aus der Ausgabe eines Schuldscheindarlehens in Höhe von 19 Mio. Euro im ersten Quartal 2011. Aufgrund der hohen Nachfrage der institutionellen Anleger wurde das Zeichnungsvolumen von 15 Mio. Euro auf 19 Mio. Euro erhöht. Die Landesbank Baden Württemberg (LBBW) in Stuttgart fungierte als Arrangeur und Sole-Bookrunner dieser erfolgreichen Fremdkapitalfinanzierung.

Anleihen Finder: Das bereits angerissene Thema Risiko- und Forderungsmanagement hat vor dem Hintergrund der von Ihnen bearbeiteten Märkte sicherlich ein besonderes Gewicht. Wie können Sie Retailinvestoren das möglicherweise komische Bauchgefühl in Sachen Ägypten oder Sub-Sahara Afrika nehmen? Sehen Sie derzeit für Ihr Geschäft besondere politische und länderspezifische Risiken, z.B. im Nahen Osten?

Dr. Günter Schamel: Im Vergleich zu unseren jeweiligen nationalen Wettbewerbern haben wir Länderrisiken durch unsere langjährige Internationalisierungsstrategie sehr gut diversifiziert. Die Mox Telecom AG und ihre Töchter sind heute in über 40 Ländern der Welt und auf jedem der Kontinente sehr gut positioniert. Darüber hinaus erwirtschaften wir in den politisch stabilen Regionen Europa und Nordamerika einen großen Teil des Konzernumsatzes. Mit unserem Kernprodukt Calling Card adressieren wir zudem ein Grundbedürfnis, das der Tele-Kommunikation. Gerade in Krisenzeiten beobachten wir, dass die Nutzung unserer Produkte ansteigt: es entsteht ein enormes Kommunikationsbedürfnis und die Menschen telefonieren noch mehr.

Anleihen Finder: Sie haben sich mit der Wahl Ihrer Rating-Agentur – Creditreform Rating AG hat die Mox Telecom AG mit der Investmentgrade-Note BBB bewertet – und des Handelsplatzes Bondm für die beiden führenden Institutionen entschieden. Gab es besondere Gründe für Ihre Auswahl und welcher Bondm-Coach hat Sie bei der Emission begleitet?

„Creditreform Rating AG hat sich als Rating Agentur für den deutschen Mittelstand fest etabliert“

Dr. Günter Schamel: Die Creditreform Rating AG hat sich als Rating Agentur für den deutschen Mittelstand fest etabliert. Dies gilt auch für die Börse Stuttgart als Börsenplatz für Mittelstandsanleihen. Das hat uns die Recherche im Vorfeld der Emission deutlich gezeigt. Markterfahrung im Bereich der Mittelstandsanleihen war für uns bei der Auswahl sehr wichtig. So haben wir die FMS AG aus München, ein sehr erfahrenes Beratungshaus im Bereich Mittelstandsfinanzierung und Gründungscoach im Segment Bondm der Börse Stuttgart, als Bondcoach gewählt.

Anleihen Finder: Sehr geehrter Herr Dr. Schamel, geben Sie uns zum Abschluss noch einen Ausblick, wo die Mox Gruppe in fünf Jahren bei Fälligkeit der Anleihe stehen wird.

Dr. Günter Schamel: Die Mox Telecom AG hat sich international ein hohes Wachstumspotenzial erschlossen, von dem wir in den kommenden fünf Jahren stark profitieren werden. Investitionen in unsere drei Geschäftsbereiche und der internationale Ausbau der Mox Deals sowie die internationale Expansion in Asien, Afrika und Nord-Amerika werden den Umsatz der Mox Telecom AG weiter vorantreiben. Auch in Zukunft streben wir es an, eine starke Eigenkapitalquote auszuweisen und einen Cash-Flow mindestens auf dem 2011er Niveau zu generieren. Von daher sind wir von einer problemlosen Rückführung der Anleihe überzeugt.

Anleihen Finder: Vielen Dank für das sehr offene Gespräch.

Kurzvita von Günter Schamel

Dr. Günter Schamel, geboren 1958, ist Gründer der Mox Telecom AG und heute Sprecher des Vorstandes. Er verantwortet die Bereiche Strategie & Marketing und Vertrieb. Dr. Günter Schamel ist studierter Elektrotechniker und Nachrichtentechniker.

Ehe er die Mox AG im Jahr 1998 gründete, arbeitete er als Unternehmensberater für Telekommunikation sowie bei der RWE-Telliance als Leiter der o.tel.o-Produktforschung.

Anleihen Finder Redaktion

Foto: Mox Telecom AG

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