Herr Friedrich, wie wählen Sie Unternehmensanleihen für den Deutschen Mittelstandsanleihen Fonds aus? Interview mit Hans-Jürgen Friedrich, Vorstand der KFM Deutsche Mittelstand AG, der Einblicke in die Geheimnisse des KFM-Scoring-Verfahrens gibt

Mittwoch, 28. Mai 2014
Hans-Jürgen Friedrich Vorstand KFM Deutsche Mittelstand AG Kolumne Anleihen Finder Redaktion anleihen-finder.de

Die Anleihen Finder Redaktion hat zur aktuellen Entwicklung des Mittelstandsanleihenmarktes und zum neuen KFM-Scoring-Modell das Vorstandsmitglied der KFM Deutsche Mittelstand AG, Hans-Jürgen Friedrich, befragt.

Anleihen Finder Redaktion: Sehr geehrter Herr Friedrich, die KFM Deutsche Mittelstand AG ist der Initiator des Deutschen Mittelstandsanleihen Fonds. Wie bewerten Sie die gegenwärtige Entwicklung des Fonds?

Hans-Jürgen Friedrich: Der Deutsche Mittelstandsanleihen Fonds ist im derzeitigen niedrigen Zinsumfeld eine attraktive Anlagealternative für Anleger, die von besseren Renditen der Unternehmensanleihen des deutschen Mittelstands profitieren möchten, ohne das Risiko eines Einzelinvestments einzugehen. Wir konnten in den vergangenen Monaten ein großes Interesse von Anlegern an diesem Angebot feststellen. Das belegen auch die erreichten Ergebnisse des Fonds in puncto Volumen und Performance.

Anleihen Finder Redaktion: Die Mittelstandsanleihen werden in der öffentlichen Wahrnehmung weiterhin kritisch betrachtet. Dennoch ist in den letzten Wochen eine positive Entwicklung zu sehen. Teilen Sie die Meinung vieler Experten, wonach sich das Marktsegment derzeit auf einem guten Weg befindet und aus der ersten großen Krise gestärkt hervortreten wird?

Emittenten und Investoren begrüßen Professionalisierung des Mittelstandsanleihen-Marktes

Hans-Jürgen Friedrich: Die kritischen Diskussionen tragen dazu bei, dass sich dieses Marktsegment weiter professionalisiert. Der Best Practice Guide der Börse Frankfurt als auch die von uns beobachteten Qualitätsoffensiven der begleitenden Banken unterstützen diese Entwicklung. Aus den Gesprächen bei der German Credit Conference der IKB konnte ich in Erfahrung bringen, dass sowohl Emittenten als auch Investoren diese Entwicklung ausdrücklich begrüßen. Die von professionellen Marktteilnehmern geforderte Qualität beginnt sich mehr und mehr durchzusetzen.

Anleihen Finder Redaktion: Im Deutschen Mittelstandsanleihen Fonds wählen Sie für Ihre Investoren die passenden Wertpapiere aus. Dabei haben Sie Ihr eigenes KFM-Scoring-Modell entwickelt. Nach welchen Kriterien suchen Sie die Anleihen für das Kernportfolio aus? Wie funktioniert Ihr umfassendes KFM-Scoring-Modell?

KFM-Scoring aus der Perspektive eines klassischen Kreditbankers

Hans-Jürgen Friedrich: Dem Deutschen Mittelstandsanleihen Fonds stehen alle festverzinsliche Wertpapiere von familien- bzw. inhabergeführten Unternehmen und von Unternehmen, die dem DAXplusFamily 30 oder den TOP-500 Familienunternehmen zuzurechnen sind und an einem Börsenplatz in Deutschland gehandelt werden können, als Anlageuniversum zur Verfügung.

Das KFM-Scoring orientiert sich bei seinen Analysen speziell an den Anforderungen des Anleihenmarktes und wird in diesem Zusammenhang aus der Perspektive eines klassischen Kreditbankers durchgeführt. So werden neben den üblichen Zahlen, Daten und Fakten zum Beispiel auch die möglichen stillen Reserven mittelständischer Unternehmen berücksichtigt, die nach HGB nicht ausgewiesen werden dürfen. Ferner berücksichtigen wir Planzahlen und Investitionsmodelle der Unternehmen. Aber auch die Eigenarten des Anleihemarktes für mittelständische Unternehmen, wie Bekanntheitsgrad des Emittenten oder Einbeziehung der Kunden des Emittenten bei der Platzierung der Anleihe, werden betrachtet.

Bei der Unternehmensanalyse werden die Bilanzen von mindestens drei Jahren herangezogen und die daraus ermittelten Kennzahlen einem Zeitvergleich unterzogen. Als Datengrundlage werden eigene Datenbanken, die veröffentlichten Geschäftsberichte des Unternehmens, Research- und Branchenberichte, Ratingreporte und externe Datenbanken, Internetrecherchen und eigene Interviews mit der Geschäftsführung des Emittenten und/oder der begleitenden Emissionsbank genutzt. Der derzeitige Schwerpunkt der Analyse eines Unternehmens liegt auf der Beurteilung von Bilanzkennziffern, der Plausibilitätsprüfung zentraler Aussagen zum Lagebericht und Anhang sowie den direkten Gesprächen mit Management und beteiligten Emissionsbegleitern.

Anleihen Finder Redaktion: Sie analysieren sowohl das Unternehmen als auch die Anleihe, bevor Sie eine Investment-Entscheidung treffen. Welche Mindestanforderungen müssen für eine Kaufempfehlung vorhanden sein?

Scoring über 50 Punkte: Kaufempfehlung

Hans-Jürgen Friedrich: Zunächst ist die Vollständigkeit der Unterlagen eine entscheidende Grundvoraussetzung. Nur auf dieser Grundlage kann eine sorgfältige Analyse erfolgen.

Die Analyse vergibt zu jedem Kriterium eine Punktzahl zwischen einem und zehn Punkten, die sich in unterschiedlicher Gewichtung zur Gesamtpunktzahl der Analyse der Anleihe und des Unternehmens aufaddiert. Insgesamt können so bis zu 100 Scoring-Punkte bei der Beurteilung der Anleihe und bei der Beurteilung des Unternehmens erzielt werden. Bei einer gewichteten Punktzahl von mehr als 50 Punkten liegt eine Kaufempfehlung der jeweiligen Analyse vor.

Erreichen die Scoring-Punkte sowohl bei der Anleihe als auch beim Unternehmen über 50 Punkte, liegt eine eindeutige Kaufempfehlung vor. Liefert das Scoring dagegen bei der Beurteilung der Anleihe oder des Unternehmens mehr als 30 Punkte und weniger als 50 Punkte kann eine Kaufempfehlung nur noch nach Beurteilung individueller Kriterien erfolgen. Das bedeutet, dass sich bei neun möglichen Empfehlungen nur in einem Fall eine klare Kaufempfehlung und sechs eindeutige „Nicht-Kaufempfehlungen“ ergeben. In zwei Fällen ist auf der Grundlage des KFM-Scoring eine Kaufempfehlung anhand individueller Kriterien möglich.

Wurde die Anleihe als ein Investment für den Deutschen Mittelstandsanleihen Fonds ausgewählt, wird mit dem KFM-Scoring fortlaufend die Punkteverteilung für die Anleihen- und die Unternehmensanalyse angepasst. Eine Handlungsempfehlung wird entsprechend der vergebenen Punktzahl ausgesprochen.

Anleihen Finder Redaktion: Sie versprechen Ihren Anlegern „eine weitgehende Reduzierung der Risiken bei gleichzeitig attraktiver Rendite.“ Wie gewährleisten Sie dieses Vorhaben und welche Rendite halten Sie derzeit für realistisch?

KFM-Scoring trennt Spreu vom Weizen

Hans-Jürgen Friedrich: Mit dem bereits erläuterten KFM-Scoring nutzt der Fonds ein Auswahlverfahren und ein Überwachungssystem, mit dem die Spreu vom Weizen getrennt wird. Darüber hinaus legt der Fonds die Mittel breit gestreut in verschiedene Anleihen von mittelständischen Unternehmen an. Dabei wird neben Zins und Laufzeit auch die schnelle Veräußerbarkeit der Anleihen berücksichtigt. Dies unterstreicht auch die einzigartige Struktur des Fonds, der sich in ein Kern- und in ein Liquiditätsportfolio unterteilt.

Wert um 3,94 Prozent gesteigert

Diese intelligente Strategie des Fonds hat dazu geführt, dass seit Auflage des Fonds am 26.11.2013 der Wert um 3,94 Prozent  gesteigert werden konnte. Auf ein Jahr hochgerechnet entspricht dies einem Wertzuwachs in Höhe von 7,96 Prozent.  Die Einstufung des Deutschen Mittelstandsanleihen Fonds in die Risikoklasse 3 in der Skala von 1 bis 7 hebt das besondere Anlagekonzept vor, das die Bedürfnisse nach Sicherheit, Rendite und Verfügbarkeit der Anleger berücksichtigt.

Anleihen Finder Redaktion: Ich möchte nun mein Geld besser anlegen und schaue mich nach geeigneten Möglichkeiten um. Warum sollte ich als Privatperson in den Deutschen Mittelstandanleihen Fonds investieren? Wie überzeugen Sie mich davon?

Hans-Jürgen Friedrich: Anstatt den Anlagebetrag in eine Unternehmensanleihe zu investieren, ist es grundsätzlich besser das Geld in ein Bündel verschiedener Unternehmensanleihen anzulegen. Bei mehreren Anleihen sind Mindestanlagesummen von 50.000,00 Euro oder 100.000,00 Euro nötig, um an den besseren Zinsen teilhaben zu können. Mit einem Investment über den Deutschen Mittelstandsanleihen Fonds kann der Anleger bereits mit kleineren Anlagesummen von diesem Marktsegment profitieren. Er kann die Fondsanteile bequem über eine Wertpapierorder an den Börsenplätzen in Frankfurt, Düsseldorf und Hamburg ohne Ausgabeaufschlag erwerben. Der Anteilspreis für einen Anteil liegt derzeit bei 51,95 Euro.

Über die Internetseite des Deutschen Mittelstandsanleihen Fonds können die Anleger nachvollziehen, in welche Unternehmensanleihen der Fonds investiert hat. Diese Transparenz wird nach Rückmeldung von Kunden und Beratern als vorbildlich eingestuft. Schließlich will der Anleger ja wissen, wie sein Geld für ihn angelegt wird.

Anleihen Finder Redaktion: Können Sie bitte auch Branchenfremden erläutern, wie ein normaler Arbeitstag aussieht, wenn es darum geht, die richtigen Wertpapiere auszuwählen? Wie kann man sich das vorstellen?

Große Fleißarbeit

Hans-Jürgen Friedrich: Es bedarf einer großen Fleißarbeit. Zunächst müssen alle relevanten Unterlagen beschafft werden, um eine Analyse möglich zu machen. Mit geeigneten IT-Systemen wird die Analyse von Anleihen und Unternehmen unterstützt. Die erhaltenen Ergebnisse müssen anschließend sorgfältig bewertet und interpretiert werden. Es kommt am Ende darauf an, aus der Vielzahl der Informationen und den ermittelten Ergebnissen die Unternehmensanleihe herauszufinden, die ein geeignetes Investment für den Deutschen Mittelstandsanleihen Fonds darstellt.

Anleihen Finder Redaktion: Kürzlich haben Sie bei der German Credit Conference an einer Podiumsdiskussion über die Kapitalmarktfinanzierung des Mittelstandes teilgenommen. Welchen Stellenwert haben die Kontaktpflege und der ständige Austausch mit Investoren, Anleihe-Emittenten und Wirtschaftsakteuren für Sie? Wann und wo kann man Sie wieder treffen?

Kontaktpflege hat zentrale Bedeutung

Hans-Jürgen Friedrich: Der Kontakt zur Geschäftsführung und/oder der Investor Relations Abteilung von Unternehmen, die eine Anleihe platziert haben, als auch zu den Banken, die die Unternehmen betreuen, ist von zentraler Bedeutung. Diese Bindeglieder sind für den Bezug von Unterlagen und Informationen zur Analyse der Anleihen und Unternehmen notwendig. Das gilt auch für den Informationsaustausch mit Investoren, die den Deutschen Mittelstandsanleihen Fonds als Anlage nutzen. Wir erhalten aus den Gesprächen wichtige und konstruktive Hinweise, die uns dabei helfen, die gewünschte Transparenz sicherzustellen. In unserem KFM-Telegramm unterrichten wir im 14-tägigen Abstand die Anleger über die Entwicklungen des Marktes und des Deutschen Mittelstandsanleihen Fonds und über unsere Aktivitäten. Wir planen derzeit die Teilnahme an den Börsentagen in Berlin und Hamburg. Selbstverständlich stehen wir auch für Termine bei Finanzinstituten zur Verfügung, um den Deutschen Mittelstandsanleihen Fonds und das KFM Scoring zu präsentieren.

Anleihen Finder Redaktion: Sehr geehrter Herr Friedrich, vielen Dank für das Gespräch.

Anleihen Finder Redaktion. Das Interview führte Timm Henecker.

Foto: KFM Deutsche Mittelstand AG

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