Große High Yields boomen – kaum Chancen für Mini-Bonds?

Montag, 20. Oktober 2014

High Yield-Anleihen sind bei Kapitalverwaltern zurzeit gefragt – aber die riskanten Anleihen von kleinen und mittleren Unternehmen, die manchmal noch mit dem in die Irre führenden Etikett „Mittelstandsanleihen“ verkauft werden, sind es nicht. Oft spielen sie überhaupt keine Rolle bei den großen Kapitalverwaltungsgesellschaften. Warum sind die klassischen High Yields – in Deutschland werden als Beispiele oft Jenoptik, ProSiebenSAT1 oder auch Escada genannt – viel gefragter als Mini-Bonds formerly known as „Mittelstandsanleihen“?

Goldman Sachs-Manager schauen für ihren recht neuen Europe High Yield Bond nur Emittenten an, die groß genug sind, um in der Benchmark des Fonds, dem Bank of America Merrill Lynch European Currency High Yield Constrained Index, berücksichtigt zu werden. Goldman Sachs bewegt sich erst ab einem Volumen von 100 Millionen Euro. Viele Mini-Bonds passen da nicht rein.

Auch J.P. Morgan beachtet kleinere deutsche Unternehmensanleihen nicht. Sogar Euro-High Yields werden mit spitzen Fingern angefasst: „Das Marktsegment der `Mittelstandsanleihen` ist in unseren globalen Unternehmensanleihenfonds nicht vertreten und auch das Thema High Yield ist zu einem sehr hohen Maße auf US-Hochzinsanleihen ausgerichtet, so dass der deutsche Markt hier nur eine untergeordnete Rolle spielt“, so die deutliche Ansage von J.P. Morgan.

Größe zählt

Auch bei Meriten Investment zählt die Größe – und damit die Liquidität: „Es kommt darauf an, wie man Mittelstand bei Unternehmensanleihen definiert. Wir schauen uns Unternehmensanleihen ab einem Volumen von 150 Millionen bis 200 Millionen Euro an“, so Alexis Renault, Leiter High Yield bei der Meriten Investment Management GmbH, im Gespräch mit der Anleihen Finder Redaktion.

Auf die Frage, inwiefern Anleihen von kleinen und mittleren Unternehmen eine Rolle bei der Investmentstrategie spielen, antwortet die Bayerische Vermögen AG: „Eine eher geringe Rolle, da beim Kauf von solchen Anleihen davon auszugehen ist, dass ein Verkauf vor Fälligkeit aufgrund der Marktenge von Nachteil ist. Eine genaue Überprüfung des Unternehmens ist notwendig. Über einen Zeitraum von meist vier Jahren und länger ist das schwierig. Also nur in Anleihen, bei denen man sich eine Beurteilung zutraut. Und am besten abwarten. Wenn es dann Kursschwächen bei Unternehmensanleihen gibt, die man gut kennt, dann kann man billig einsammeln“, so Gottfried Urban, Vorstandsvorsitzender der Bayerischen Vermögen, die rund 1,2 Milliarden Euro betreut.

Tobias Spies, Leiter Fixed Income, bei Huber, Reuss & Kollegen aus München, ist ebenfalls kein Fan von Mini-Bonds: „Aktuell spielen diese Anleihen keine Rolle bei unseren Investitionsentscheidungen. Zwar bieten einige Anleihen in der Tat attraktive Chancen, leider lassen sich die Risiken aber nicht richtig bewerten.“

So konnte man bei dieser Stichproben-Umfrage den Eindruck gewinnen, dass sich die Fondsmanager sehr wohl für Papiere mit höherem Risiko interessieren, um Renditechancen zu nutzen. Aber kleinere Unternehmensanleihen kommen dabei nicht auf den Tisch. High Yields dagegen sind längst etabliert, werden aber nur nach strenger Analyse angefasst:

„Bei High Yields ist das Risiko naturgemäß größer. Deshalb analysieren wir entsprechend intensiv. Grundsätzlich sollten nur Unternehmen oder Anleihen mit Rating in die Auswahl kommen. Vor dem Investment sollte außerdem ein Gespräch mit dem Management stehen. Bei unseren High-Yield-Anlagen stützen wir uns wesentlich auf die Informationen aus dem Wertpapierprospekt. Dort sind alle relevanten Risiken benannt und detailliert aufgeschlüsselt.

„Nicht wie ein Tourist im Vorbeigehen“

Unsere Analyse fußt – grob erklärt – auf folgenden Einzeldisziplinen: auf den historischen Daten, auf Projektionen in die Zukunft für einen Zeitraum von mindestens fünf Jahren, auf die Analyse der einzelnen Risiken, auf die Analyse der Covenants und der Struktur (Rang des Anleihegläubigers) der High-Yield-Anleihe. Da steckt mehrtägige Arbeit von Profis dahinter. Das kann man nicht wie ein Tourist im Vorbeigehen machen“, erklärt Alexis Renault von Meriten Investment.

Auf den direkten Kontakt mit den Managern der Emittentin zählt auch Gottfried Urban, Chef der Bayerischen Vermögen: „Man muss sich bei High Yields mit dem Unternehmen intensiv beschäftigen. Nur der Name und die Story reichen nicht aus, Ratings sind nur bedingt aussagekräftig und die Anleihebedingungen muss man gut studieren. Idealerweise sollte ein Besuch des Unternehmens sogar im Zweifel helfen. Bei Hochzinsanleihen setzt Urban auch auf Fonds: „Gerne greife ich auf Rentenfonds für Hochzinspapiere zurück, die ein aktives Laufzeitenmanagement durchführen und die Analyse der Unternehmen gut beherrschen. Idealerweise ein sogenanntes Valuehaus, dass auch für die Aktienanalyse einen wertorientierten Ansatz verwendet und in der Vergangenheit geringe Ausfallraten auch bei schlechteren Ratings aufweisen konnte.“

„Ganz anderer Investorenkreis“

Schließlich bringt Tobias Spies von Hubert, Reuss & Kollegen den entscheidenden Unterschied von High Yield und Mini-Bonds auf den Punkt: „Etablierte High-Yield Emittenten müssen sich bei ihrer Anleihen-Platzierung einem ganz anderen Investorenkreis stellen. Hierbei handelt sich um absolute Experten, meist Fondsmanager und Analysten von entsprechenden Investmentfonds. Auch werden diese von den großen Rating-Agenturen durchleuchtet. Die Transparenz die hierbei geboten werden muss, ist extrem hoch. Hier kann man nur sehr schwer eine tolle Marketing-Story verkaufen – dies ist bei den `Mittelstandsanleihen´ leider anders. Hier ist die Story entscheidender als die Fakten.“

Bleibt die Frage, ob sich die Emittenten von Mini-Bonds an den Standards der High Yields orientieren sollten. Wäre das ein Weg hin zu mehr Akzeptanz bei wichtigen Investoren? Was ist Ihre Meinung? Schreiben Sie einfach an morisse@anleihen-finder.de

Christoph Morisse. Anleihen Finder Redaktion.

Foto: Moganic/flickr

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