Gezielte Finanzspritzen: Projektanleihen erobern den Markt – erster Teil –

Donnerstag, 26. September 2013

Auf dem Markt für mittelständische Anleihen ist derzeit ein Wort in aller Munde: Projektanleihen. Seit die geschlossenen Fonds durch neue Regulierungen deutlich an Attraktivität verloren haben, nutzen immer mehr Unternehmen Schuldverschreibungen, um gezielt bestimmte Projekte umzusetzen. Anleihen Finder befragte Branchen-Experten, welche Vor- und Nachteile Projektfinanzierungen gegenüber den klassischen Unternehmensanleihen haben.

Die Cloud № 7 GmbH, die Stern Immobilien AG sowie zahlreiche andere Emittenten haben es vorgemacht:  Unter dem klassischen Punkt im Wertpapierprospekt „Verwendung des Emissionserlöses“ sucht man die geläufige Formulierung „für die allgemeine Geschäftstätigkeit“ vergeblich. Stattdessen sind hier konkrete Immobilienprojekte genannt, für die die Gläubigergelder verwendet werden sollen.

Begebung über eine Holding oder direkt über die Projektgesellschaft
„Projektanleihen sind ein neuer Trend, der sich in diesem Jahr an den Mittelstandsmärkten etablieren konnte. Dabei werden Anleihen durch Immobilien-, Solar- und Windkraftprojektentwickler begeben“, erläutert Peter Thilo Hasler, Vorstand der Corporate Finance-Agentur Blättchen & Partner AG. „Häufig erfolgt eine Emission der Anleihe auf Holdingebene, ein Modell, das z. B. von der Euroboden GmbH oder der Timeless Homes GmbH angewendet wurde. In diesen Fällen werden die Erlöse dazu verwendet, Gesellschafterdarlehen an einzelne Projektgesellschaften auszureichen, die anschließend – auch unter Einsatz weiteren Fremdkapitals – einzelne Immobilienprojekte oder auch ein Portfolio an Immobilienprojekten entwickeln sollen. Eine alternative Spielart ist, die Anleihe durch eine Projektgesellschaft begeben zu lassen. Dieses Modell wurde u. a. von der Cloud No 7 GmbH und der MBB CLEAN ENERGY AG gewählt.“
Auch eine Projektanleihe ist eine Unternehmensanleihe, auch wenn dabei nicht in eine breit aufgestellte Gesellschaft mit einer Firmenhistorie investiert wird, sondern in ein extra für ein bestimmtes Projekt gegründete Unternehmen ohne Historie.

Klassischer Anleihegläubiger trägt Risiko des „Gesamtpakets“
Florian Weber, CEO der SCHNIGGE Wertpapierhandelsbank AG, macht die Vor- und Nachteile dieses Konzeptes deutlich: „Der Vorteil einer klassischen Unternehmensanleihe ist, dass man in Bezug auf das Management, das Geschäftsmodell oder die Firmenhistorie belastbare Erfahrungen hat. Man kann beurteilen, ob das Unternehmen in der Lage sein wird, die Mittel der Anleihe mit dem voraussichtlichen Geschäft zurückzuzahlen.“  Der Nachteil der Unternehmensanleihe sei jedoch, dass man sich rechtliche oder finanzielle Risiken des Gesamtpaketes einkauft.
Weber erläutert: „Will ein Unternehmen beispielsweise die Expansion im Bereich Retail mit der Anleihe finanzieren, so trägt der Anleiheinvestor aber zusätzlich das Risiko, dass im Bereich Großhandel des Unternehmens Schwierigkeiten auftreten, unter denen das gesamte Unternehmen und damit auch die Rückzahlfähigkeit der Anleihe leidet.“ Eine Projektanleihe hat dieses historische Risiko nicht, da sie sich nur auf ein spezielles „Thema“ konzentriert.

Anleger sollten sich mit Projekt-Hintergründen gut auskennen
Genau diese Spezialisierung kann laut SCHNIGGE-Vorstand Weber jedoch für den Gläubiger zum Problem werden: „Der Nachteil ist, dass man ein Fachmann sein sollte, was das Investitionsziel angeht. Denn der Anleger muss nun nicht mehr das Unternehmen und seine Bonität beurteilen, sondern das zur Finanzierung anstehende Projekt sowie die Projektmanager und deren Erfahrung bzw. deren Ergebnisse.“

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Zum Thema:

SCHNIGGE-Vorstand Florian Weber über Projektanleihen: “Man kauft nicht das Gesamtpaket”

Projektanleihen: “Der Anleger hat wieder Mut, auf die Zukunft eines Unternehmens zu setzen” – Interview mit Günter Jucho von Jucho & Coll. Deutsche Industrieanleihen

Anleihen Finder Redaktion

Foto: Sascha Bartz_pixelio

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