„Fußnote“: Und immer wieder geht die Sonne auf

Dienstag, 10. Februar 2026 Lesezeit: 4 Minuten Allgemein, Kolumne

Ein Blick auf den KMU-Anleihemarkt von Markus Knoss, BankM AG:

Dass es trotz aller Schwierigkeiten und Herausforderungen immer weitergeht. Davon singt Udo Jürgens in seinem Evergreen aus dem Jahr 1967. Knapp 60 Jahre später trifft das auch auf den Markt für KMU-Anleihen zu. Zu Jahresbeginn dominieren noch Restrukturierungen, aber das Umfeld für Neuemissionen stabilisiert sich zunehmend.

Verheißungsvoll. Das ist für mich der Ausblick auf das Anleihejahr 2026. Lautete das Motto in den turbulenten vergangenen zwölf Monaten vielfach „auf Besserung hoffen und durchhalten“ könnte in diesem Jahr – frei nach dem Titelsong von Udo Jürgens – endlich die Sonne wieder aufgehen.

Was mich so zuversichtlich stimmt?  Die Konjunkturaussichten in Deutschland und damit einhergehend Stimmung und Investitionsbereitschaft der Wirtschaft zeigen zum Jahresbeginn nach oben. Zart zwar, aber immerhin. Das verdeutlicht ein Blick auf die jüngste Entwicklung des Einkaufsmanagerindex für Deutschland.

Manager so optimistisch wie seit 2022 nicht mehr

Der wichtige Frühindikator verbesserte sich im Januar auf ein Dreimonatshoch. Mit 49,1 Punkten ist die magische 50-Punkte-Schwelle nicht mehr fern. Der Index für die Privatwirtschaft hat den Sprung schon geschafft und mit 52,5 Punkten die durchschnittliche Erwartung der vorab befragten Ökonomen übertroffen. Einzelne Beobachtungen untermauern die Indexwerte:

  • – Die Produktion ist nach dem Dezember-Rückgang wieder recht robust gestiegen.
  • – Die Anzahl der Neuaufträge hat leicht zugenommen.
  • – Die Bauwirtschaft wird vom Krisenkind wieder zum Konjunkturtreiber.
  • – Die fiskalischen Impulse für Verteidigung und Infrastruktur sind zunehmend spürbar.

Unter dem Strich wächst der Optimismus für einen Konjunkturaufschwung. Die Beurteilung der zukünftigen Geschäftstätigkeit hat sich von ‌einem bereits ordentlichen Niveau weiter verbessert und den höchsten Stand der vergangenen sieben Monate erreicht. Getrieben wird die Zuversicht von Innovationen und Investitionen, resultierend in der Einführung neuer Produkte.

Restrukturierungen am Bond-Markt derzeit noch dominant

Vorerst bleibt die Lage aber fragil. Der Auftragsbestand schrumpfte auch im Januar und die Unternehmen sind weiter bestrebt Lagerbestände und Personal abzubauen. So wundert es nicht, dass am KMU-Anleihemarkt derzeit noch einige Sanierung- und Restrukturierungsmaßnahmen das Geschehen dominieren.

So hat die ABO Energy nach erneuter Anpassung der 2025er-Prognose eine Stillhaltevereinbarung mit Banken geschlossen. Ziel: Ausreichend Zeit für ein Sanierungskonzept zu sichern, in das auch die Anleihegläubiger eingebunden werden sollen. Die LR Health & Beauty SE prüft ebenfalls eine umfassende finanzielle Restrukturierung ihres Nordic Bonds, inklusive deutlichem Schuldenschnitt und Laufzeitverlängerung. Und die leidgeprüfte hep global GmbH sondiert Optionen zur Refinanzierung des 2026 fälligen Green Bonds.

Beim Thema (Neu-)Emissionstätigkeit zeigt sich der Markt indes noch verhalten.  Das ist zum Jahresanfang allerdings nicht ungewöhnlich. Etwas unter dem Radar haben die Hallesche Vermögen GmbH & Co. KG sowie die Arbitrage Investment AG bereits Ende 2025 neue Anleihen aufgelegt. Das Segment ist also aufnahmebereit. Unterstrichen wird das High-Yield-Investoreninteresse an kontrollierten besicherten Mittelstandsanleihen durch den spürbaren Anstieg der Umsatzaktivitäten im Sekundärbereich. Eine Entwicklung, die schon 2025 sichtbar war und sich im Januar weiter fortgesetzt hat.

Stabiles Marktumfeld gute Basis für Neuemissionen

Dazu trägt auch bei, dass das Zinsumfeld im Euroraum sich stabilisiert hat. Die Kalkulationsgrundlage für Investoren und Emittenten wird dadurch einfacher. Eine gewisse Normalität zeichnet sich zudem auf wirtschaftspolitischer Ebene ab. Endlich einmal zeigte Europa Geschlossenheit gegenüber den Trumpschen (Zoll-)Drohungen. Hoffentlich wird das zur Regel, die Wirkung war jedenfalls überzeugend.

Dass die EU verstärkt neue Partnerschaften und Wirtschaftsräume im arabischen Raum, in Südamerika oder mit Indien (er)schließt, ist ein weiteres Zeichen wirtschaftlicher Diversifizierung und politischer Unabhängigkeit. Diese neue Ausrichtung kommt auch den deutschen Mittelständlern zugute und kann dazu beitragen, den Rückwärtstrend bei Exportaufträgen zu stoppen.

Insgesamt lässt sich festhalten: Das Umfeld für Debütanleihen könnte schlechter sein. Geht die (konjunkturelle) Sonne jetzt tatsächlich auf, spricht vieles für einen heißen Anleihen-Frühling.

Markus Knoss, BankM AG

Markus Knoss ist zugelassener Börsenhändler und Certified Investor Relations Officer und verfügt über jahrelange Erfahrung in verschiedenen leitenden Positionen im Aktienhandel, Salestrading und Portfoliomanagement. Der ausgewiesene Experte für Nebenwerte im deutschsprachigen Raum ist seit 2013 für die BankM AG tätig und verantwortlich für den Bereich Business Development DACH.

Portraitfoto: Markus Knoss, BankM AG

Titelfoto: pixabay.com (Symbolbild)

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