„Erwarten eine weiter steigende Nachfrage nach Öl und Gas“ – Interview mit Dr. Thomas Gutschlag, Deutsche Rohstoff AG

Mittwoch, 26. Januar 2022


Während der Corona-Krise war der Ölpreis regelrecht eingebrochen und lag lange Zeit deutlich unter 50 USD – erst im Laufe des vergangenen Jahres entwickelte sich der Preis für den Rohstoff wieder deutlich nach oben. Jetzt im Januar 2022 liegt der Preis je Barrel Öl sogar wieder über 80 USD. Davon profitiert auch die Deutsche Rohstoff AG, die über ihre Beteiligungen, Öl- und Gasfelder in den USA erschließt. Aufgrund der gegenwärtigen Entwicklung hat das Unternehmen in der vergangenen Woche seine Prognose für das Geschäftsjahr 2022 erneut angehoben. Darüber und über die weiteren Unternehmensziele haben wir mit dem CEO der Deutsche Rohstoff AG, Dr. Thomas Gutschlag, gesprochen.

Anleihen Finder: Hallo Herr Gutschlag, der Ölmarkt präsentierte sich in den letzten beiden Jahren im Zuge der Corona-Krise äußerst volatil – wie war es vor allem in 2020 um Ihr Nervenkostüm bestellt?

Thomas Gutschlag: 2020 war ein absolutes Ausnahmejahr. Nicht nur für die Deutsche Rohstoff, sondern für weite Teile der globalen Wirtschaft. Zunächst gab es ja den Streit in der OPEC und dann kam Corona hinzu. Die Nachfrage nach Öl und Gas stürzte nahezu ins Bodenlose. Das war schon ein herber Schlag für viele Unternehmen. Der Preis für WTI drehte sogar ins Negative. Wir haben damals unsere Produktion radikal gedrosselt, um Reserven zu schonen, und das Marktumfeld genutzt, um zu günstigen Preisen neue Bohrfelder zu kaufen. Wir wussten, dass es ja nicht ewig so weiter gehen kann und die Nachfrage nach Öl und Gas früher oder später wieder ansteigen wird. Und so kam es dann ja auch. Zum Glück hatten wir auch eine große Hedging-Position, die uns 12 Mio. EUR Ertrag in 2020 gebracht hat. Zudem haben wir uns ein Portfolio aus Anleihen und Aktien von Unternehmen aus der Öl-, Gas- und Bergbaubranche aufgebaut, das sich sehr positiv entwickelt hat. So ist die Deutsche Rohstoff vergleichsweise solide durch das Krisenjahr 2020 gekommen.

Anleihen Finder: Inwiefern hat sich die Markt-Situation im Laufe des Jahres 2021 normalisiert/verbessert?  Was erwarten Sie für eine Entwicklung in den kommenden Jahren?

„Einen Ölpreis von 100 USD oder mehr je Barrel halte ich durchaus für möglich“

Thomas Gutschlag: Mit dem Durchbruch in der Entwicklung eines Impfstoffs kehrte zunehmend wieder das Vertrauen in die Märkte zurück. Die Konjunktur gewann weltweit wieder an Fahrt und Corona-Beschränkungen wurden schrittweise aufgehoben. Die Nachfrage nach Öl und Gas stieg spürbar. Entsprechend ging es auch wieder für den Ölpreis aufwärts. Wir haben unsere Produktion deutlich hochgefahren und weitere Ölfelder hinzugekauft. Wir haben in der Industrie und Wirtschaft einen erheblichen Nachholbedarf nach der Pandemie, entsprechend erwarten wir eine weiter stark steigende Nachfrage nach Öl und Gas bei einem vergleichsweise geringen Angebot am Markt. Die OPEC schafft es im Augenblick nicht, ihre selbstgesteckten Produktionsziele zu erreichen. Die aktuelle Situation in Kasachstan und der Ukraine sorgt für zusätzliche Unsicherheit. Verbraucher können sich also auf tendenziell eher steigende als fallende Ölpreise einstellen. Einen Ölpreis von 100 USD (WTI) oder mehr je Barrel halte ich durchaus in den kommenden Monaten für möglich.

Anleihen Finder: Kommen wir konkret zur Deutschen Rohstoff AG. Sie blicken auf ein erfreuliches Geschäftsjahr zurück und werden Ihre Eingangsprognose übertreffen. Was sind die Gründe dafür? Mit welchem Jahresüberschuss rechnen Sie final?

Thomas Gutschlag: Natürlich hat auch die Deutsche Rohstoff von wieder steigenden Ölpreisen profitiert. Wir waren aber auch operativ hervorragend aufgestellt und haben das ganze Jahr 2021 an der Kapazitätsgrenze produziert. Vor allem der Olander-Bohrplatz in Colorado produzierte mehr als erwartet. In Wyoming haben wir ja auch ein zweites großes Flächenpaket zu einem wirklich niedrigen Preis erworben. Zudem haben wir Erträge aus unserem Anleihen- und Aktienportfolio realisiert. Wir gehen davon aus, für 2021 unsere erhöhte Prognose von 68 bis 73 Mio. Euro beim Umsatz zu erreichen. Beim EBITDA werden wir mit rund 64 bis 67 Mio. Euro 10 % über unserer Prognose liegen. 

Anleihen Finder: Um einen besseren Überblick zu bekommen: An welchen Explorations-Unternehmen ist die Dt. Rohstoff beteiligt und wie „laufen“ deren Projekte aktuell? Worauf fokussieren Sie sich derzeit besonders?

Thomas Gutschlag: Der Schwerpunkt unserer Geschäftstätigkeit liegt auf der Erschließung von Öl und Gas in den USA. Dort sind wir mit unseren Tochtergesellschaften Cub Creek Energy, Bright Rock Energy, Elster Oil & Gas und Salt Creek Oil & Gas aktiv. Abgerundet wird unser Portfolio durch Metalle, wie unsere Beteiligung am Wolfram-Unternehmen Almonty Industries. Wir sind mit der Entwicklung unserer Töchter sehr zufrieden. Cub Creek beispielsweise war bislang hauptsächlich in Colorado aktiv und ist nun verstärkt auch in Wyoming tätig, wo im vergangenen Jahr große Flächen erworben wurden. Bright Rock in Utah wird im Laufe des Jahres die Produktion vervierfachen. Auch Almonty entwickelt sich positiv. Mit der Sangdong-Mine in Südkorea hat Almonty das Potenzial, zukünftig rund 30 Prozent des Wolframs außerhalb Chinas und 7 bis 10 Prozent des weltweiten Angebots zu produzieren. Der Produktionsstart ist ab Ende dieses Jahres bzw. Anfang 2023 vorgesehen.

Anleihen Finder: Hedging ist ein großes Thema im Öl-Geschäft. Inwiefern sichern Sie Ihre Produktion ab?

„Wir haben aktuell rund 50% unserer Produktion für 2022 zu einem Preis von 63,20 USD pro Barrel abgesichert“

Thomas Gutschlag: Wir haben aktuell rund 50 Prozent unserer Produktion für 2022 zu einem Preis von 63,20 USD pro Barrel abgesichert. Ein deutlich höherer Preis als letztes Jahr, als dieser bei rund 50 USD lag.

Anleihen Finder: Welche konkreten Ziele haben Sie für 2022 – sowohl im Produktionsbereich als auch bei den operativen Kennzahlen?

Thomas Gutschlag: Wir sind für 2022 sehr zuversichtlich, unsere gute Entwicklung aus 2021 fortzuführen. In Wyoming haben wir im Herbst 2021 neue Flächen akquiriert, bei denen wir jetzt die Voraussetzungen schaffen, um noch in diesem Jahr mit Bohrungen beginnen zu können. Zudem werden einige weitere unserer Bohrungen im ersten Quartal ihren Peak bei der Produktion erreichen. Am Knight-Bohrplatz läuft derzeit eines unserer größten Programme. Im Jahresdurchschnitt 2022 sollten die Bohrungen dort täglich rund 4.500 Barrel Öläquivalent fördern. Für 2022 rechnen wir mit Umsatzerlösen von 126 bis 134 Mio. Euro und einem EBITDA von 97 bis 102 Mio. Euro. Auch bei der Produktion erwarten wir einen deutlichen Anstieg von rund 7.500 BOEPD auf rund 10.000 BOEPD.

Anleihen Finder: Sie haben ihr Geschäftsmodell im Zuge der Corona-Krise auch angepasst und mit Rohstoff-Aktien und Gold-Investments Gewinne realisiert. Werden Sie dieses „zweite Standbein“ auch zukünftig beibehalten oder gar ausbauen?

Thomas Gutschlag: Unser Aktien- und Anleiheportfolio hat sich sehr erfreulich entwickelt. Aus unserer Sicht waren viele Werte damals deutlich unterbewertet. Entsprechend haben wir diese Werte analysiert, Potenziale erkannt und dann investiert. Wir hatten bis Ende September einen Ertrag von rund 18,8 Mio. Euro realisiert. Die unrealisierten Erträge beliefen sich zu diesem Zeitpunkt auf 3,6 Mio. Euro.

Anleihen Finder: Ihre bis 2024 laufende 5,25%-Anleihe lag im vergangenen Jahr fast durchweg deutlich über pari. Das Platzierungsvolumen liegt bei fast 90 Mio. Euro. Wie soll die Anleihe in drei Jahren refinanziert werden? Ist evtl. sogar eine vorzeitige (Teil-)Rückzahlung geplant?

„Die Deutsche Rohstoff wird dem Kapitalmarkt langfristig erhalten bleiben“

Thomas Gutschlag: Anleihen sind ein Teil unseres Finanzierungsmixes. Wir haben bereits vier Anleihen mit einem Volumen von rund 200 Mio. Euro am Markt platziert und im vergangenen Jahr unsere 5,625%-Anleihe vollumfänglich und pünktlich aus liquiden Mitteln zurückgeführt. Ob wir unsere bis 2024 laufenden Anleihe ebenfalls aus liquiden Mitteln zurückführen oder eine vorzeitige Rückzahlung erfolgt, kann ich gegenwärtig noch nicht sagen. Sicher ist aber, dass die Deutsche Rohstoff auch langfristig dem Kapitalmarkt erhalten bleiben wird.

Anleihen Finder: Abschließend noch ein anderes Thema.Wie positioniert und präsentiert sich ein Öl- und Gas-Unternehmen in Zeiten von „Klimaschutz & Nachhaltigkeit“? Wie kann die Deutsche Rohstoff AG ihren Beitrag leisten?

„Wir erfüllen bei unseren Bohrungen höchste Umweltstandards“

Thomas Gutschlag: Wir erfüllen bei unseren Bohrungen heute schon höchste Umweltstandards. Da gibt es keine Kompromisse. Wir arbeiten nachhaltig, halten unseren Ressourcenverbrauch auf ein Minimum und tun alles dafür, unseren CO2-Footprint so gering wie möglich zu halten. Die Nachfrage nach Öl wird auch in den kommenden Jahrzehnten hoch bleiben. Aber natürlich schauen wir schon heute, welche Felder wir zukünftig mit unserem Wissen und unseren Finanzierungsmöglichkeiten besetzen können. Steigenden Bedarf sehen wir ja beispielsweise im Bereich Metalle für die Energiewende oder die Elektromobilität. Wir halten ja auch einen Anteil am Wolfram-Unternehmen Almonty Industries, haben also auch in diesem Bereich eine hohe Expertise. Wichtig ist bei allen unseren Aktivitäten, langfristig Werte für unsere Aktionäre zu schaffen.

Anleihen Finder: Herr Gutschlag, besten Dank für das Gespräch.

Hinweis: Dieses Interview erschien zunächst in der neuen Ausgabe des Anleihen Finder Newsletters (Januar-1-2022). Registrieren sie sich kostenlos für unseren Newsletter und seien Sie vorab informiert.

Anleihen Finder Redaktion.

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