Ekosem-Agrar GmbH schreibt offenen Brief an die Anleihegläubiger – Investorin Manuela Tränkel: „Verlängerung der Anleihen sinnvoll“

Mittwoch, 9. März 2016


Mit einem offenen Brief wendet sich die Geschäftsführung der Ekosem-Agrar GmbH kurz vor den anstehenden Gläubigerversammlungen an die Anleihegläubiger des Unternehmens und bittet diese noch einmal eindringlich, von Ihrem Stimmrecht Gebrauch zu machen, um ein beschlussfähiges Quorum (jeweils 25 Prozent des ausstehenden Anleihevolumens) für die Versammlungen zu erreichen. Anleihe-Investorin Manuela Tränkel hat darauf mit einem Statement reagiert und den Plänen der Agrar-Gesellschaft zugestimmt.

Offener Brief der Geschäftsführung

Sehr geehrte Anleihegläubiger,

in Kürze stehen die zweiten Gläubigerabstimmungen an und wir möchten alle Anleihegläubiger aufrufen, von Ihrem Stimmrecht Gebrauch zu machen und an den Präsenzveranstaltungen der ESA-Anleihe 2012/2017 am 16. März 2016 bzw. der ESA-Anleihe 2012/2018 am 17. März 2016 jeweils in Wiesloch persönlich oder mittels einer Bevollmächtigung teilzunehmen.

Wie Ihnen bekannt sein dürfte, haben wir in der ersten Abstimmung im Februar das erforderliche Quorum von 50 % des Anleihekapitals nicht erreicht. Das ist nicht überraschend. Erfahrungsgemäß nehmen nur vergleichsweise wenige Investoren ihre Rechte in einer Gläubigerversammlung wahr, so dass bereits zahlreiche Versammlungen anderer Emittenten daran gescheitert sind, dass das notwendige Quorum nicht vertreten war. Aus diesem Grund möchten wir Sie nachdrücklich bitten, von Ihrem Abstimmungsrecht Gebrauch zu machen und den Stimmrechtsvertreter der Gesellschaft oder einen Dritten zu bevollmächtigen, wenn Sie selbst nicht planen, an der Veranstaltung teilzunehmen.

Sehr erfreulich war jedoch die hohe Zustimmungsquote der ersten Abstimmungsrunde von deutlich über 90 % des teilnehmenden Anleihekapitals, die sich mit dem bisherigen Feedback aus unseren Investorengesprächen deckt. Wir haben in den letzten Wochen über die Presse und in persönlichen Gesprächen mit über 200 Anleihegläubigern die Hintergründe für unser Konzept erläutert. Natürlich sind nicht alle Anleger von unseren Plänen begeistert; das ist völlig verständlich und sichtbar an den zwischenzeitlichen Kursverlusten der Anleihen. Doch in nahezu allen Fällen, in denen wir persönlich unsere Motive darlegen und unsere Planungen erläutern konnten, haben wir die Investoren von unserem Vorhaben überzeugt.

Hier noch mal zusammengefasst die Motive für unseren Vorschlag zur Prolongation der Anleihen:

Mit der Verlängerung der ESA-Anleihen möchte Ekosem das laufende Investitionsprogramm zum Ausbau der Marktführerschaft im russischen Milchmarkt abschließen. Außerdem sollen die aufgebauten Kapazitäten der Milchviehanlagen durch die Aufzucht weiterer Milchkühe und die Ausrüstung mit moderner Melktechnik schrittweise voll ausgelastet werden. Die dafür vorgesehenen Investitionen konnten nicht vollständig im ursprünglich geplanten Zeitrahmen umgesetzt werden, da sich die Finanzierungsbedingungen durch die Wirtschaftskrise in Russland in den letzten zwei Jahren deutlich verschlechtert haben. Mit den bei Vollauslastung unserer Betriebe generierten Cashflows sollen ab 2018 die Finanzverbindlichkeiten reduziert und die liquiden Mittel zur Rückzahlung der Anleihen aufgebaut werden. Die Erreichung dieser Zielsetzung wird durch das Gutachten von PwC (Independent Business Review) plausibilisiert und bestätigt.

Sehr geehrte Anleihegläubiger, die Ekosem-Agrar hat in den letzten Jahren unter anderem mit den Mitteln aus den ESA-Anleihen eine führende Rolle unter den europäischen Milchproduzenten erlangt. Jetzt wollen wir vollenden, was wir erfolgreich aufgebaut haben. Wir bieten weiterhin eine sehr attraktive Rendite, leisten unsere Zinszahlungen und reduzieren in den nächsten Jahren sukzessive die Risiken für die Anleihegläubiger. Aus diesem Grund halten wir unseren Vorschlag zur Prolongation für fair und angemessen.

Wir freuen uns sehr, Sie in der kommenden Woche in Wiesloch persönlich begrüßen zu dürfen und Ihnen unser Vorhaben auf den Gläubigerversammlungen zu erläutern. Falls Sie nicht nach Wiesloch kommen, wären wir Ihnen dankbar, wenn Sie die Möglichkeit nutzen, sich vor Ort mittels Vollmacht von unseren Stimmrechtsvertretern oder einem Dritten vertreten zu lassen. Für Ihre Fragen steht unser Team Ihnen jederzeit gerne zur Verfügung.

Herzliche Grüße

Stefan Dürr und Wolfgang Bläsi

Geschäftsführer der Ekosem-Agrar GmbH

Zur Erinnerung: Ziel des Agrar-Unternehmens ist es, die Anleihe 2012/2017 (Gesamtvolumen 50 Millionen Euro, Zinskupon von 8,75 Prozent) bis zum 23. März 2021 und die Anleihe 2012/2018 (Gesamtvolumen 78 Millionen Euro, Zinskupon von 8,50 Prozent) bis zum 7. Dezember 2022 bei gleichbleibenden Zinskupons zu verlängern.

Statement von Manuela Tränkel

tränkel_IMG_3333„Das Management von Ekosem-Agrar hat, anders als viele Emittenten im Markt für KMU-Anleihen, die Mittel aus den beiden Anleihen in den Ausbau des operativen Geschäfts gesteckt und ist in den letzten Jahren als Nahrungsmittelproduzent profitabel gewachsen. Die gegenwärtige Russland-Krise mit starken Währungsverwerfungen und Auswirkungen auf das Zinsniveau in Russland war zum Zeitpunkt der Emission nicht absehbar und auch die Entwicklung der Commodity-Preise hat das Unternehmen vor Herausforderungen gestellt. Dennoch hat die Gesellschaft bewiesen, dass sie selbst bei widrigsten Marktbedingungen ordentliche Gewinne erwirtschaften kann (wie die jüngsten Zahlen zeigen). Das Management der Gesellschaft arbeitet fokussiert an einer weiteren Steigerung der Ertragskraft des Unternehmens und einer nachhaltigen Verbesserung der Free Cashflows.

Insofern halten wir das Vorhaben der Ekosem-Agrar zur Prolongation der Anleihen für sinnvoll und erachten die Beibehaltung der Kupons von 8,75 % p.a. und 8,5 % p.a. als angemessen und für die Anleihegläubiger attraktiv“, so Manuela Tränkel von Mandura Asset Management.

Vorläufige Finanzkennzahlen in 2015

Rechtzeitig vor den entscheidenden Gläubigerversammlungen hatte das Unternehmen Anfang der Woche vorläufige Finanzkennzahlen für das abgelaufene Geschäftsjahr 2015 präsentiert. Demnach erwirtschaftete Ekosem-Agrar im Geschäftsjahr 2015 einen Umsatz auf Vorjahresniveau von rund 100 Millionen Euro. Die Betriebsleistung (Umsatz zuzüglich des Bestands an fertigen und unfertigen Erzeugnissen, biologischen Vermögenswerten sowie sonstigen betrieblichen Erträgen) lag demnach bei 140 Millionen Euro. Auch im operativen Bereich lief es im vergangenen Jahr trotz der widriger Rahmenbedingungen in Russland weiterhin gut. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) soll zwischen 50 und 55 Millionen Euro (EBITDA-Marge von 35-40 Prozent) und das operative Ergebnis (EBIT) zwischen 35 und 40 Millionen Euro (EBIT-Marge von 25-30 Prozent) liegen.

Die Milchkuhherde konnte in 2015 um 14 Prozent auf 25.000 Tiere und die jährliche Milchleistung um 17 Prozent auf 180.000 Tonnen ausgebaut werden. Dadurch habe Ekosem-Agrar nach eigenen Angaben auch seine Marktführerschaft weiter stärken können.

Was müssen Anleihegläubiger nun beachten?

Alle Anleihegläubiger sollten zu den Gläubigerversammlungen eine Information ihrer Depotbank erhalten haben. Für die Abstimmung ist im Vorfeld ein Besonderer Nachweis mit Sperrvermerk bei der Depotbank anzufordern. Wer nicht persönlich an der Versammlung teilnehmen möchte, kann sein Stimmrecht durch Bevollmächtigung und die Erteilung von Weisungen an die Stimmrechtsvertreter der Gesellschaft ausüben. Mehr dazu erfahren Sie auch auf der Webseite des Unternehmens. Eine vorherige Anmeldung ist zwar nicht zwingend notwendig, um an der Gläubigerversammlung teilzunehmen, erleichtert jedoch die Erfassung und verhindert somit Wartezeiten am Tag der Veranstaltung.

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Anleihen Finder Redaktion. Timm Henecker.

Foto: Marcel Grieder / flickr.com

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