Ekosem-Agrar AG plant Verlängerung und Zinsreduzierung der Anleihen 2012/22 und 2019/24 – Investoren-Telko am 07.04.22

Dienstag, 5. April 2022


Finanzielle Krise aufgrund der Auswirkungen des Russland-Ukraine-Konflikts – die Ekosem-Agrar AG befindet sich nach eigenen Angaben gegenwärtig in einer finanziellen Krise und bittet ihre Anleihegläubiger daher um eine fünfjährige Prolongation der beiden Ekosem-Agrar-Anleihen in Verbindung mit einer jeweiligen Zinsreduzierung im Verlängerungszeitraum auf 2,50% p.a.

Wesentliche Gründe für die Krise seien laut Ekosem-Agrar zum einen, dass sich in Euro und USD zu bezahlende Inputstoffe wie Saatgut, Dünger und Ersatzteile für Landmaschinen erheblich verteuert und sich bei der Beschaffung von Inputstoffen teilweise massive Auswirkungen hinsichtlich Lieferfähigkeit und Logistik ergeben haben. Zum anderen sei die Kapitalmarktrefinanzierung von Unternehmen mit Russlandbezug und die Versorgung mit Liquidität massiv erschwert worden und der Zahlungsverkehr zwischen der Russischen Föderation und Deutschland aufgrund der gegenseitigen Sanktionen und Restriktionen erheblich eingeschränkt.

Prolongation um 5 Jahre und Zinsreduktion auf 2,5% p.a.

Daher plant die Ekosem-Agrar AG ihren Anleihegläubigern eine Prolongation um fünf Jahre sowie eine Zinskupon-Reduzierung auf 2,5% für beide „laufenden“ Ekosem-Agrar-Anleihen vorzuschlagen. Die Ekosem-Agrar-Anleihe 2012/22 (ISIN: DE000A1R0RZ5) mit einem Volumen von 78 Mio. Euro soll dann am 7. Dezember 2027 und die Ekosem-Agrar-Anleihe 2019/24 (ISIN: DE000A2YNR08) mit einem Volumen von bis zu 100 Mio. Euro am 1. August 2029 zur Rückzahlung fällig werden. Darüber hinaus werden die Anleihegläubiger um einen qualifizierten Rangrücktritt für die Zinszahlungen gebeten, um Risiken aus der sich dynamisch verändernden regulatorischen Situation, aber auch der schwer planbaren wirtschaftlichen Entwicklung zu vermeiden. Beide Ekosem-Agrar-Anleihe notieren aktuell unter 20% (Stand: 05.04.2022).

Außerdem bittet die Gesellschaft die Anleihegläubiger um den Verzicht auf die Rückzahlungsoption im Falle eines Verkaufs der Anteile an den russischen operativen Gesellschaften (Kontrollwechsel). Dies ist deshalb wichtig, weil das Unternehmen im Falle einer drohenden Enteignung, eines Finanzierungsverbots oder weiterer möglicher Restriktionen für ausländische Gesellschaften nur durch einen Verkauf der Anteile an eine in Russland ansässige Gesellschaft einen Totalverlust der Vermögenswerte vermeiden könnte. Solche Maßnahmen wurden in Russland bereits diskutiert und für einige bestimmte Fälle in Kraft gesetzt. Ekosem-Agrar hält es nach eigenen Angaben im Interesse der Anleihegläubiger für erforderlich, auf diesen Fall vorbereitet zu sein.

Die Anleihegläubiger müssen den Vorschlägen des Unternehmens auf zwei Anleihegläubigerversammlungen am 9. Mai 2022 für die Anleihe 2012/22 (ISIN: DE000A1R0RZ5) und am 10. Mai 2022 für die Anleihe 2019/24 (ISIN: DE000A2YNR08) in Sinsheim allerdings erst noch zustimmen. Die entsprechenden Einberufungen der Anleihegläubigerversammlungen werden heute im Bundesanzeiger veröffentlicht und sind auf der Internetseite der Ekosem-Agrar AG mit den erforderlichen Formularen für die Anmeldung unter https://www.ekosem-agrar.de/investor-relations/ abrufbar.

Restrukturierungskonzept für Ekosem-Agrar-Anleihen

Das Restrukturierungskonzept für die Ekosem-Agrar-Anleihen (ESA-Anleihen) enthält im Wesentlichen folgende Eckpunkte:

– Beschlussfassungen über die Restrukturierung der ESA-Anleihen, insbesondere über die Verlängerung der Fälligkeiten der Hauptforderungen der ESA-Anleihen um jeweils weitere fünf Jahre und die Reduzierung der Zinsen auf jährlich 2,5%, verbunden mit einem qualifizierten Rangrücktritt auf die Zinsen,

– Beschlussfassungen über die Ausschlüsse der Rückzahlungsoptionen Put bei einem Kontrollwechsel im Fall der Veräußerung der von der Ekosem-Agrar AG direkt und indirekt gehaltenen Anteile an den russischen Zwischenholdinggesellschaften, wenn eine entsprechende Veräußerung aus politischen Gründen in Russland erforderlich werden sollte, um den Fortbestand des Unternehmens zu sichern und

– Beschlussfassung über die Bestellung der e.Anleihe GmbH mit Sitz in Stuttgart, vertreten durch deren Geschäftsführer Herrn Christoph Chardon, als gemeinsamer Vertreter der ESA-Anleihe 2012/22.

„Derzeit keine andere Wahl“

Wolfgang Bläsi, CFO der Ekosem-Agrar AG: „Die politische und wirtschaftliche Entwicklung der letzten Wochen einschließlich der Sanktionen gegen Russland sowie die russischen Gegensanktionen haben massive Auswirkungen auf die weiteren Finanzierungsmöglichkeiten und -kosten der Gruppe. Die Reichweite und Zuverlässigkeit von Prognosen sind extrem erschwert und wir erwarten, dass sich daran auf absehbare Zeit wenig ändern wird. Deswegen bleibt uns derzeit keine andere Wahl, als die beiden Anleihen zu veränderten Konditionen zu verlängern, um den unternehmerischen Handlungsspielraum zu erhalten und die Anleihegläubiger bestmöglich zu schützen.“

Stefan Dürr, Vorstandsvorsitzender und Hauptaktionär der Ekosem-Agrar AG: „Die aktuelle Situation war für uns nicht vorhersehbar. Unser Unternehmen steht seit über 20 Jahren symbolisch für eine erfolgreiche deutsch-russische Zusammenarbeit und für einen fruchtbaren Dialog und Wissenstransfer zwischen unseren Ländern. Umso betroffener macht uns die jüngste Eskalation im Russland-Ukraine-Konflikt und das damit verbundene Leid von Millionen Menschen. Wir hoffen auf eine baldige friedliche Lösung und eine schnelle Rückkehr zum Dialog.“

Die Ekosem-Gruppe ist in den letzten Jahren profitabel gewachsen. Sie ist marktführender Produzent im russischen Rohmilchmarkt, bedeutender Hersteller von Milchprodukten und zählt zu den Top-3-Rohmilchproduzenten weltweit. Die Finanzierung über insgesamt drei Unternehmensanleihen am deutschen Kapitalmarkt nach Angaben von Ekosem-Agrar „einen wertvollen Beitrag“ zu dieser Entwicklung geleistet. Die erste Anleihe 2012/21 wurde im März 2021 zur Endfälligkeit wie geplant zurückgezahlt. Für die im Dezember 2022 fällige Anleihe 2012/22 war eine Refinanzierung nach Fertigstellung der Jahresabschlüsse 2020 im Laufe des Jahres geplant. Hierfür sind die Erfolgsaussichten nach Einschätzung des Managements und ihrer Finanzberater nun nicht mehr gegeben. Die Prüfung des nach der grundlegenden Einigung mit der wichtigsten finanzierenden Bank in Russland fertiggestellten Jahresabschlusses 2020 kann aufgrund der aktuellen politischen und wirtschaftlichen Unsicherheit zunächst nicht abgeschlossen werden. Die Gesellschaft steht im engen Dialog mit dem Abschlussprüfer, um den Prozess zu vollenden, sobald es die Marktsituation wieder erlaubt.

Investorentelefonkonferenz am 07. April um 11 Uhr

Um die aktuelle Situation und die Beschlussvorschläge näher zu erläutern, lädt Ekosem-Agrar alle Anleihegläubiger zu einer Investorentelefonkonferenz am Donnerstag, den 7. April 2022, um 11:00 Uhr (MESZ) ein. Der Gemeinsame Vertreter der Anleihe 2019/24, die e.Anleihe GmbH mit dem Geschäftsführer Christoph Chardon, der von der Gesellschaft ebenfalls als Gemeinsamer Vertreter für die Anleihe 2012/22 vorgeschlagen wurde, wird die Telefonkonferenz ebenfalls zum Anlass nehmen, um sich den Anleihegläubigern vorzustellen.

Interessierte Anleihegläubiger können sich via E-Mail an ir@ekosem-agrar.de für die Telefonkonferenz anmelden und werden gebeten ihren Status als Anleihegläubiger mit einem Depotnachweis zu belegen.

Anleihen Finder Redaktion.

Foto: Ekosem-Agrar AG

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Unternehmensanleihe der Ekosem-Agrar GmbH 2012/2021 (getilgt)

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