Digitalisierung: Im Mittelstand fehlt es an Geldgebern

Montag, 23. April 2018


Gastbeitrag von Steffi Schmidt.
Ein Ende der starken Konjunktur, eine schwache Entwicklung der hiesigen Wirtschaft und ein enormes Aufholpotenzial bei der Digitalisierung – das sind interessante Aussagen aus dem Finanzierungsmonitor 2018. Für die jährliche Erfassung der Stimmung im deutschen Mittelstand hat die TU Darmstadt über 200 geschäftsführende Personen aus allen Branchen des Mittelstands befragt.

Jeder Vierte geht davon aus, dass die Konjunktur 2019 endgültig abflauen wird. Größer ist die Einigkeit der Befragten beim Thema Digitalisierung. Hier sehen 80 Prozent eine gigantische Investitionslücke – große Finanzierungsprobleme und Gefahren für die wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland.

Es fehlt an finanziellen Mitteln

Längst ist im Mittelstand die Bedeutung einer digitalen Geschäftswelt vorhanden. Häufiger als im letzten Jahr wurde der Wunsch geäußert, eigene Firmenprozesse zu digitalisieren. Noch häufiger wurde aber auch das Problem der Finanzierung genannt. Sieben von zehn Finanzentscheidern bemängeln vor allem die Rolle der Banken als größte Kreditgeber. Mehr noch als im letzten Jahr handeln die Kreditinstitute bei der Geldvergabe sehr restriktiv.

Bemängelt wird vor allem die lange Wartezeit von der Abgabe aller Dokumente bis zu Entscheidung. Trotz voller Auftragsbücher verharren viele Unternehmen teils über Monate in einem Schwebezustand ohne Gewissheit.

Papiertiger-Kredit

Die Banken fordern immer mehr Unterlagen, die Vergabe von Krediten entwickelt sich für viele Befragte zu einem gigantischen Papiertiger. Die Vorgaben sind so umfangreich, eine erfolgreiche Kreditvergabe scheitert häufig daran. Investitionen in die eigene Digitalisierung unterstützen viele Banken zudem nur sehr selten, obwohl die Wettbewerbsfähigkeit damit gestärkt wird.

In der Bundesrepublik ist die Vergabe von Krediten und Investitionen auch ohne die wachsende Skepsis der Banken stark reguliert. Hinzu kommt die veraltete Vorgehensweise vieler Bankhäuser. Sie fordern noch immer eine Abgabe der meisten Unterlagen auf dem Papier mit Unterschrift. Die Befragten wünschen sich laut Finanzierungsmonitor 2018 auch hier mehr Digitalisierung und die Abgabe von Dokumenten via Internet.

Keine Kredite, kein Wachstum

Experten bewerten die zögerliche Vergabe von notwendigen Krediten an Unternehmen aus dem Mittelstand seit längerer Zeit sehr kritisch. Sie sehen darin sogar die Wettbewerbsfähigkeit des deutschen Wirtschaftsstandorts in Gefahr. Jeder dritte Mittelständler in Deutschland ist beim Wachstum auf verlässliche Kreditgeber angewiesen.

Die Gefahren ausbleibender Kredite sind enorm. Verzögert sich die Vergabe oder werden Kredite nicht gewährt, steht die Zukunft vieler Unternehmen auf dem Spiel. Sie sind nicht in die Lage, notwendige Investitionen zu tätigen, neue Geschäftsfelder zu erschließen oder neue Aufträge anzunehmen. Darunter leidet schlussendlich auch der Arbeitsmarkt. Es fehlt an finanziellen Mitteln, neue Mitarbeiter einzustellen oder bestehende Arbeitsverträge nicht zu kündigen.

Gastbeitrag von Steffi Schmidt

Foto: pixabay.com

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