Die Stadt Essen geht an den Kapitalmarkt – Interview –

Samstag, 10. April 2010

Interview mit Herrn Klieve, Kämmerer der Stadt Essen.-

Innerhalb nur weniger Tage platziert im August 2009 die nördlich von Hamburg gelegene Kleinstadt Quickborn eine Kommunalanleihe über EUR 4 Mio. mit einer Laufzeit von einem Jahr und 3% Zinsen bei ihren Bürgern (Anleihen Finder berichtete). Seit Februar 2010 emittiert die Stadt Essen eine Anleihe im Volumen von 200 Mio. EUR und einer Laufzeit von 5 Jahren. Anleihen Finder hatte nun die Gelegenheit mit Lars Martin Klieve, Kämmerer der Stadt Essen, über diesen mutigen Schritt zu sprechen.

Anleihen Finder: Sehr geehrter Klieve, erst einmal gratulieren wir Ihnen, zu dem mutigen Schritt an den Kapitalmarkt. Wir schätzen diese innovative Refinanzierungsquelle sehr. Inwieweit standen die Städte Quickborn und Hannover, die bereits erfolgreiche eine Kommunalanleihe emittiert haben, für Ihre Idee Pate?

Lars Martin Klieve: Die Gedanken eine Städteanleihe als innovative Refinanzierungsquelle zu nutzen bestanden schon seit Längerem, insbesondere die Landeshauptstadt Hannover hat mich bei den Überlegungen bestätigt. Als Stadtkämmerer ist man stets bestrebt, eine möglichst breite Refinanzierungsbasis zu finden, dazu gehört es auch neue Wege zu gehen. Der gute Erfolg bestätigt mich in dieser Vorgehensweise.

Anleihen Finder: Wie werden Sie das eingesammelte Kapital einsetzen? Ergibt sich daraus vielleicht der Wunsch der Stadt Essen, eine Serie an Kommunalanleihen zu entwickeln – insbesondere vor dem Hintergrund der anschließenden Refinanzierungsfrage Ihrer Anleihe?

Lars Martin Klieve: Es wird durchaus daran gedacht, diesen Weg weiter zu beschreiten. Die bestehende Anleihe kann zu einem späteren Zeitpunkt durchaus aufgestockt werden, oder es könnte zukünftig auch eine weitere Stadtanleihe emittiert werden.

Anleihen Finder: Welche Partner haben Sie für die Strukturierung und Platzierung Ihrer Anleihe? Woran haben Sie sich bei der Festlegung des zu zahlenden Zinssatzes orientiert?

Lars Martin Klieve: Als Partner haben wir die WL BANK und die WGZ BANK mit der Arrangierung und Platzierung der Stadtanleihe beauftragt. Bei der Festlegung des Zinssatzes haben wir uns an den Niveaus für Kommunaldarlehen mit gleicher Laufzeit und Sekundärmarktspreads ausstehender Länderemissionen orientiert.

Anleihen Finder: Welche Lösung haben Sie für sich im Bezug auf die hohen laufenden Verwaltungskosten einer solchen Anleihe gefunden?

Lars Martin Klieve: Die WL BANK und die WGZ BANK haben uns ein sehr attraktives und transparentes Angebot unterbreitet, worin alle Kosten enthalten sind. Weitere Kosten fallen für die Stadt Essen nicht an. Die Verbreiterung der Investorenbasis hat natürlich einen Wert für die Stadt Essen, allerdings stand die Wirtschaftlichkeit im Fokus unseres Handelns.

Anleihen Finder: Wie ist Ihre Einschätzung zur zukünftigen Finanzierung der Städte in Deutschland? Wird das Model „Kommunalanleihe“, wie Sie sie begeben, Schule machen?

Lars Martin Klieve: Eine Kommunalanleihe kann sicherlich die klassischen Finanzierungsformen wie den Liquiditätskredit und das Kommunaldarlehen nicht ablösen, allerdings stellt das Instrument eine sinnvolle Ergänzung zu den o.g. Instrumenten dar.

Anleihen Finder: Wir danken Ihnen für Ihre interessanten Einblicke und wünschen Ihnen weiterhin viel Erfolg bei Ihren Finanzierungsaufgaben.

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