„Die sich bietenden Marktchancen erfordern entsprechende Investitionen“ – Interview mit NZWL-Chef Dr. Hubertus Bartsch

Mittwoch, 20. Oktober 2021


Die Neue ZWL Zahnradwerk Leipzig GmbH (NZWL) begibt eine neue fünfjährige Unternehmensanleihe 2021/26 (ISIN: DE000A3MP5K7) mit einem Zinskupon von 6,00 % p.a. und einem Volumen von bis zu 15 Mio. EuroDas Anleihe-Angebot des Automobilzulieferers besteht aus einem öffentlichen Umtauschangebot (an Inhaber der NZWL-Anleihe 2020/22), das bereits am 13. Oktober begonnen hat sowie einem öffentlichen Angebot ab dem 28. Oktober und einer Privatplatzierung bei institutionellen Investoren. Wir haben mit Unternehmenschef Dr. Hubertus Bartsch über die nunmehr siebte Anleihe-Emission der Leipziger, die derzeitige Auftragslage und den Wandel in der Automobilindustrie gesprochen.

Anleihen Finder: Sehr geehrter Herr Dr. Bartsch, die Neue ZWL Zahnradwerk Leipzig GmbH begibt abermals eine Unternehmensanleihe – erneut mit Tauschangebot an Altanleger. Wofür sollen die neuen Mittel explizit verwendet werden?

Neue ZWL Zahnradwerk Leipzig GmbH: Erste Mittelstandsanleihe in 2014 ab Montag in der Zeichnungsfrist – Herr Dr. Bartsch, wieso gerade jetzt eine Mittelstandsanleihe? - Und wie wird die NZWL es schaffen, in China nicht unterzugehen und gesund zu wachsen? – Interview mit dem CEO

Dr. Hubertus Bartsch: Im Fokus steht die Stärkung unserer Finanzkraft zur Wachstumsfinanzierung. Konkret geht es dabei um Investitionen in neue Produkte bei Hybrid- und alternativen Antrieben sowie in Produkte der E-Mobilität. Wir sind in diesem Segment bereits hervorragend aufgestellt und haben seit 2012 mehrere Aufträge der großen OEMs (Hersteller) gewonnen. Die sich bietenden Marktchancen erfordern aber auch entsprechende Investitionen.

Anleihen Finder: Wie sieht die Auftragslage „nach“ Corona aus? Hat sich Ihr Geschäft und der Automobilmarkt wieder normalisiert?

„Die Umsätze liegen wieder über dem Vor-Pandemie-Niveau“

Dr. Hubertus Bartsch: Ja, die Erholung des Automobilmarkts spiegelt sich auch in unserem Geschäft wider, denn die Umsätze lagen im 1. Halbjahr 2021 sowohl über dem Vor-Pandemie-Niveau 2019 (Europa: +2 %, China: +10 %) als auch über dem Niveau 2020 (Europa: +49 %, China: +29 %). Der Auftragseingang in Europa und China summierte sich in den ersten sechs Monaten 2021 auf 120,8 Mio. Euro und der Auftragsbestand lag zum 30. Juni 2021 bei 145,7 Mio. Euro.

Anleihen Finder: NZWL ist zum Halbjahr wieder deutlich in der Gewinnzone – was sind die ausschlaggebenden Faktoren dafür?

Dr. Hubertus Bartsch: Neben der Entwicklung des Automobilmarkts sind hier sicherlich vor allem unsere frühzeitigen Kostensenkungs- und Liquiditätsmaßnahmen zu nennen. Sie trugen bereits ab Juni 2020 zu einer nachhaltigen Erholung bei, die sich auch in unseren Ertragszahlen des 1. Halbjahres 2021 zeigt.

Anleihen Finder: Erstmals wurde jetzt ein Gesamt-Konzernergebnis mit allen Standorten in Deutschland, Slowakei und China ausgewiesen. Welcher Vorteil ergibt sich daraus? Wie unterschiedlich gestalten sich die Märkte Europa und Asien?

„Durch die Erweiterung des Konsolidierungskreises wird die wahre Stärke der NZWL optimal abgebildet“

Dr. Hubertus Bartsch: Durch die Erweiterung des Konsolidierungskreises wird die wahre Stärke der NZWL optimal abgebildet. Gleichzeitig bieten wir unseren Geschäfts- und Bankpartnern sowie unseren Anleiheinvestoren eine deutlich erhöhte Transparenz und Aussagekraft im Reporting.

Die Märkte in Europa und China entwickeln sich nahezu identisch. Im 1. Halbjahr 2021 lag das Wachstum bei den Pkw-Neuzulassungen in Europa bei 27,1 % und in China bei 27,3 %.

Anleihen Finder: Hat sich die NZWL mittlerweile zu einem Global Player entwickelt?

Dr. Hubertus Bartsch: Ja, absolut. Schließlich verfügen wir über hochmoderne Produktionsstandorte in Deutschland, Slowakei und China, wodurch wir eine hohe Kundennähe und somit kurze, flexible Reaktionszeiten dank internationaler Ansprechpartner vor Ort sicherstellen. Zudem wurden wir bereits 2017 in China von Great Wall Motors als Serienlieferant für Synchronisierungsbaugruppen beauftragt und 2018/2019 folgten weitere Neuaufträge chinesischer OEMs für Synchronisierungen, Räder und Wellen.

Anleihen Finder: Wie äußert sich der Wandel in der Automobilbranche hin zu E-Mobilität und Hybridantrieben derzeit bei der NZWL?

„Wir liefern bereits seit 2012 Elektroantriebsmodule“

Dr. Hubertus Bartsch: Im Bereich Elektro-/Hybridantrieb haben wir uns bereits seit 2012 mit der Belieferung eines namhaften OEMs im Segment Elektroantriebsmodule für Zweiräder erfolgreich etabliert. Für unseren Kunden Porsche liefern wir seit 2017 Räder und Wellen für den Elektroantriebsstrang im Sportwagenpremiumsegment. Nach dem Serienanlauf 2019 haben wir 2020/2021 eine Volumenverdoppelung erfolgreich umgesetzt. Auch die in den Vorjahren erteilten neuen Aufträge von Volkswagen für die Hybridantriebssysteme sind stark gewachsen. Diese Projekte entwickelten sich trotz der COVID-19-Pandemie ebenso im geplanten Zeitrahmen wie die erteilten Aufträge für die von Audi und Porsche entwickelte Plattform „Premium Platform Electric“ (PPE), auf der zukünftig sämtliche Elektrofahrzeuge der Mittel- bis Oberklasse beider OEMs basieren werden. Seit 2020/2021 beliefern wir Lamborghini mit den ersten Versuchsteilen für den Elektroantriebsstrang und Anfang 2021 erhielten wir von VW einen Neuauftrag zur Belieferung einer Adapterwelle für die MEB-Plattform. In beiden Fällen ist der Produktionsstart für 2023 geplant.

Anleihen Finder: Was heißt das konkret für die Produktion? Benötigen Sie neue Maschinen, Ingenieure, Zulieferer, usw.?

Dr. Hubertus Bartsch: Die Erweiterung der Produktionen in Deutschland und der Slowakei hat bereits begonnen. Dort geht es in erster Linie um Synchronisierungen, die Nfz-Getriebefertigung sowie Bauteile für alternative Antriebe und E-Anwendungen.

Hinweis: Dieses Interview erschien zunächst in der neuen Ausgabe des Anleihen Finder Newsletters (Oktober-2-2021). Registrieren sie sich kostenlos für unseren Newsletter und seien Sie vorab informiert.

Anleihen Finder: Wo sehen Sie die größten Chancen/Potenziale in diesem Bereich für die NZWL?

Dr. Hubertus Bartsch: Der gesamte Bereich Elektro-/Hybridantrieb birgt noch ausreichend Wachstumspotenzial. Wir befinden uns auf einem guten Weg, denn im 1. Halbjahr 2021 ist der Umsatzanteil in diesem Bereich aufgrund der überproportionalen Nachfrage erstmals auf einen zweistelligen Anteil von rund 12 % gestiegen. 2022 wollen wir diesen Wert weiter steigern.

Anleihen Finder: Wie abhängig sind Sie vom größten Kooperationspartner und Kunden VW?

Dr. Hubertus Bartsch: Die Bezeichnung „größter Kooperationspartner“ trifft es sehr gut, denn wir haben unsere langjährige strategische Kooperation mit VW kontinuierlich durch neue Produktionsstandorte ausgebaut – zunächst 2008 in der Slowakei und dann 2014 in China. Dass wir im engen Schulterschluss den weltweit größten Automobilmarkt und die dortigen nationalen Kundenpotenziale erschließen konnten und weiterhin können, spricht sicherlich für die vertrauensvolle Partnerschaft, die wir mit VW seit vielen Jahren pflegen.

Anleihen Finder: Aktuell haben Sie erneut eine Unternehmensanleihe aufgelegt, diesmal wieder mit einer fünfjährigen Laufzeit. Der Kupon der NZWL-Anleihen wurde über die Jahre zwar kontinuierlich reduziert, die „6“ steht aber dennoch vor dem Komma. Ärgert Sie das oder empfinden Sie es als marktgerecht?

„Stetige Reduzierung des Anleihe-Kupons spiegelt unser zunehmend verbessertes Kapitalmarkt-Standing wider“

Dr. Hubertus Bartsch: Aus unserer Sicht spiegelt die stetige Reduzierung des Anleihe-Kupons sehr schön unser zunehmend verbessertes Kapitalmarkt-Standing wider, das wir uns seit 2014 als zuverlässiger Emittent erarbeitet haben. Der Zinssatz ist das Ergebnis des Investoren-Feedbacks aus dem voran gegangenen Sounding und daher aus unserer Sicht marktgerecht. Gemessen am Kursverlauf unserer Anleihen hätte der Zins sicher etwas niedriger sein können – wir wollen unseren bestehenden Investoren aber auch eine attraktive Tauschmöglichkeit bieten.

Anleihen Finder: Zur Finanzierungsstrategie – warum bleiben Anleihen mit kleinen Volumina weiterhin die wichtigsten Finanzierungsbausteine der NZWL?

Dr. Hubertus Bartsch: Wir haben seit unserem Kapitalmarktdebüt 2014 durchweg sehr gute Erfahrungen mit diesem Finanzierungsbaustein gemacht. Es war dabei von Anfang an klar, dass wir auf mehrere Anleihen mit kleineren Volumina setzen würden, um unsere Fälligkeitenstruktur im Fremdkapital möglichst so gestalten zu können, dass wir bei der Finanzierung unseres anhaltenden Wachstums den notwendigen Freiraum haben. Diese Strategie werden wir beibehalten. Parallel nutzen wir selbstverständlich auch weiterhin klassische Bankenfinanzierungen.

Anleihen Finder: Wie hoch ist gegenwärtig die Verschuldungsseite des Konzerns, was steht dem auf der Eigenkapitalseite gegenüber? Wie hoch sind die jährlichen Zinstilgungen zusammengefasst und woraus werden diese bedient? Können Sie uns die Finanzsituation kurz darlegen.

„Die jährliche Zinstilgung leisten wir bequem aus unserem operativen Cashflow“

Dr. Hubertus Bartsch: Die Konzern-Eigenkapitalquote erhöhte sich von 12,1 % zum 31. Dezember 2020 auf 15,4 % zum 30. Juni 2021. Zu diesem Zeitpunkt stand ein Gesamt-Anleihevolumen in Höhe von 55,5 Mio. Euro aus. Die daraus resultierende jährliche Zinstilgung von 3,72 Mio. Euro leisten wir bequem aus unserem operativen Cashflow, der im 1. Halbjahr 2021 bei 7,6 Mio. Euro lag.

Anleihen Finder: Ihr Schlussplädoyer: Warum ist auch die nunmehr siebte NZWL-Anleihe ein lohnendes Investment für Investoren? Was sind die großen Stärken der NZWL in einem umkämpften und herausfordernden Automobil-Markt?

Dr. Hubertus Bartsch: Die Konditionen der neuen Anleihe sind im Wesentlichen identisch geblieben und mit einem Kupon von 6 % p.a. bieten wir aus unserer Sicht im aktuellen Zinsumfeld eine attraktive Anlagemöglichkeit. Wer sich für ein Investment in unsere neue Anleihe entscheidet, setzt nicht nur auf einen der führenden Produzenten von Synchronisierungen für Direktschaltgetriebe und einen Alleinlieferanten bei ca. 90 % seiner Aufträge, sondern auch auf einen Emittenten, der sich seit 2014 als sehr zuverlässig und transparent erwiesen hat.

Anleihen Finder: Besten Dank für das Gespräch, Herr Dr. Bartsch.

Anleihen Finder Redaktion.

Bilder: Neue ZWL Zahnradwerk Leipzig GmbH

Anleihen Finder Datenbank

Anleihe der Neue ZWL Zahnradwerk Leipzig GmbH 2014/19 (getilgt)

Anleihe der Neue ZWL Zahnradwerk Leipzig GmbH 2015/21 (getilgt)

Anleihe der Neue ZWL Zahnradwerk Leipzig GmbH 2017/23

Anleihe der Neue ZWL Zahnradwerk Leipzig GmbH 2018/24

Anleihe der Neue ZWL Zahnradwerk Leipzig GmbH 2019/25

Anleihe der Neue ZWL Zahnradwerk Leipzig GmbH 2020/22

Zum Thema

+++ Neuemission +++ Neue ZWL Zahnradwerk Leipzig GmbH begibt 6,00%-Anleihe (A3MP5K) – Zielvolumen von 15 Mio. Euro

Neue ZWL Zahnradwerk Leipzig GmbH erzielt Halbjahresüberschuss von 3,0 Mio. Euro – Weitere NZWL-Anleihe in Q4?

Neue ZWL Zahnradwerk Leipzig GmbH sammelt weitere Anleihemittel ein – Umsatzwachstum in Q1 – 2021

Europäischer Mittelstandsanleihen FONDS zeichnet neue NZWL-Anleihe 2020/22 (A289EX)

Zeichnungsstart für NZWL-Kurzläufer-Anleihe 2020/22 (A289EX)

Neue ZWL Zahnradwerk Leipzig GmbH prüft weitere Anleihe-Emission – Rating auf „B-“ angepasst

Neue ZWL Zahnradwerk Leipzig GmbH: Verlust von 2,5 Mio. Euro im ersten Halbjahr 2020 – Prognose für Gesamtjahr bestätigt

NZWL: Corona-bedingter Verlust von rd. 2 Mio. Euro in 2020 erwartet

NZWL: Kurzarbeit in Europa, Neustart in China

Aufstockung: NZWL platziert Anleihen-Volumen in Höhe von 4,0 Mio. Euro bei institutionellen Investoren

Anleihen-Barometer: Drei NZWL-Unternehmensanleihen im Analysten-Check

Anleihen Finder News auf Twitter und Facebook abonnieren

Twitter

Experten-Chat

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen.

Menü