„Die Auftragslage ist sehr gut“ – Interview mit Carlos Leite, Co-CEO der Metalcorp Group S.A.

Mittwoch, 9. Juni 2021


Die Zeichnungsphase für die neue Unternehmensanleihe der Metalcorp Group S.A. hat begonnen. Bis zum 23. Juni 2021 haben Investoren die Möglichkeit, die fünfjährige Unternehmensanleihe (ISIN: DE000A3KRAP3) mit einem Gesamtvolumen von bis zu 250 Mio. Euro zu zeichnen. Die Anleihe ist besichert und wird jährlich zwischen 6,25 % und 6,75 % verzinst, der finale Kupon wird voraussichtlich am 25. Juni 2021 festgelegt. Neben dem öffentlichen Angebot startet heute auch ein Umtauschangebot an die Inhaber der Metalcorp-Anleihe 2017/22. Die Anleihen Finder Redaktion hat mit Carlos Leite, Co-CEO der Metalcorp Group S.A., über die Geschäftsentwicklung und die neueste Anleihe-Emission der Metalcorp Group gesprochen.

Anleihen Finder: Sehr geehrter Herr Leite, die Metalcorp Group emittiert am deutschen Kapitalmarkt eine Unternehmensanleihe mit einem stattlichen Volumen von 250 Mio. Euro. Dem Mittelstandssegment sind Sie damit kaum noch zuzuordnen. Ist Ihre Investorenbasis für ein solches Volumen breit und stark genug?

Carlos Leite: Ja, davon sind wir absolut überzeugt. Wir sind seit 2013 am Kapitalmarkt und haben zunächst eine Debütanleihe im Volumen von 30 Mio. Euro erfolgreich begeben. Parallel zu unserem operativen Wachstum hat sich auch unsere Investorenbasis kontinuierlich weiterentwickelt sowie erweitert und umfasst nun auch viele internationale Kapitalanleger in ganz Europa. Dementsprechend konnten wir bereits in der Vergangenheit erfolgreich die bestehenden zwei Anleihen im Gesamtvolumen von 210 Mio. Euro im In- und Ausland platzieren.

Anleihen Finder: Erklären Sie uns zunächst doch noch einmal, wie und in welchen Bereichen die Unternehmensgruppe ihr Geld verdient?

Carlos Leite: Die Grundlage unseres nachhaltigen Erfolgs ist unser risikoaverses Back-to-Back-Geschäftsmodell, das nicht auf physischen Beständen, sondern auf Dienstleistungen basiert. Wir agieren dabei als weltweiter Dienstleister für die Beschaffung, Produktion, den Abbau und die Vermarktung von Metallen und Mineralien.

Anleihen Finder: Können Sie da konkreter werden. Welche Unternehmen gehören zur Metalcorp Group, was ist deren Haupttätigkeitsfeld und welchen Umsatzanteil generieren die einzelnen Beteiligungen an der Gesamtgruppe?

„Haben drei Produktlinien: Aluminium – Metalle/Konzentrate – Schüttgut/Eisen“

Carlos Leite: Aufgrund unserer gewachsenen Asset-Basis von sechs Produktionsstätten und zwei Minen haben wir unsere Betriebsstruktur nach den drei Produktlinien Aluminium, Metalle und Konzentrate sowie Schüttgut und Eisen ausgerichtet. Zum Aluminium-Bereich gehören BAGR Aluminium und Stockach Aluminium, zwei Produzenten von Walzbarren aus Sekundäraluminium, sowie Société de Bauxite de Guinée und Taressa Mining Logistic, über die wir unsere zwei Bauxitminen in Guinea halten und verwalten, um unsere eigene Ressourcenbasis zu sichern und auszubauen. Der Bereich Metalle und Konzentrate setzt sich zusammen aus Tennant Metals, einer Vermarktungsgesellschaft, sowie Cable Recycling Industries und In Metals Recycling, zwei Sekundärkupferproduzenten. Der Bereich Schüttgut und Eisen wird von STEELCOM GROUP geleitet, einem Marketingunternehmen mit Schwerpunkt auf Stahl, Stahlprodukten, Eisenerz und metallurgischen Produkten. Zusätzlich bestehen strategische Minderheitsbeteiligungen an Lionsteel, einem Produzenten von Rohren, sowie an Italiana Coke, einem Koks-Produzenten.

Anleihen Finder: Sie betonen immer wieder das „risikoaverse Geschäftsmodell“. Inwiefern sind Sie als Rohstoffproduzent und Dienstleister in diesem Bereich gänzlich unabhängig von den Rohstoffpreisen?

Carlos Leite: Im Produktionsgeschäft werden wir erst bei festen Kundenaufträgen aktiv und beschaffen auch erst dann die erforderlichen Vormaterialien. Im Handelsbereich führen wir ein Geschäft nur dann durch, wenn sowohl Käufer als auch Verkäufer für die entsprechende Ware mit ausverhandelten Konditionen bereits feststehen. Auf diese Weise können wir uns von den Preisentwicklungen der Rohstoffmärkte nahezu vollständig entkoppeln und in beiden Bereichen gut kalkulierbare Margen erzielen.

Anleihen Finder: Dennoch sind steigende Preise für Sie nicht hinderlich, oder?

Carlos Leite: Ja, das ist korrekt. Allerdings spekulieren wir nicht darauf, da unser operatives Geschäft wie erwähnt nahezu unabhängig von den Rohstoffpreisen ist.

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Anleihen Finder: Wie begegnen bzw. bedienen Sie bei Ihrer Geschäftstätigkeit das Thema „Nachhaltigkeit“?

Carlos Leite: Nachhaltigkeit ist für uns ein sehr wichtiges Thema im Hinblick auf Umweltschutz, Ressourcenschonung und unsere soziale Verantwortung. Wir beachten selbstverständlich alle relevanten Umweltschutzvorschriften. So erfüllen BAGR und Stockach in ihrem Aluminiumsegment zum Beispiel die strengen Anforderungen des Bundesimmissionsschutzgesetzes und der Bundesimmissionsschutzverordnung in Bezug auf Staub und andere Abgasbestandteile sowie alle Vorgaben der Technischen Anleitung zur Reinhaltung der Luft (TA Luft) und der Technischen Anleitung zum Schutz gegen Lärm (TA Lärm).

Darüber hinaus betreiben wir derzeit vier Recyclinganlagen für Aluminium und Kupfer, die beide sehr gut recycelbare Materialien darstellen. So befinden sich rund 75 % des jemals produzierten Aluminiums noch immer im Umlauf, während Kupferschrotte zu 100 % recycelbar sind. Das Recycling von Aluminium verbraucht typischerweise nur etwa 5 % der Energie, die für die Produktion von Primäraluminium benötigt wird – bei unseren Regenerativbrennern sind es sogar nur 3 %.

In Guinea investieren wir in Schulen sowie kommunale Einrichtungen und unterstützen lokale Zulieferer. Wir achten auf Gender equality, investieren in Ausbildung und fördern lokale Führungskräfte in unseren Tochtergesellschaften.

Anleihen Finder: Wie haben sich die operativen Finanzkennzahlen der Metalcorp Group in den letzten drei Jahren entwickelt?

„Haben trotz Pandemie ein zufriedenstellendes Betriebsergebnis von 32,6 Mio. erwirtschaftet“

Carlos Leite: 2019 konnten wir dank unseres risikoaversen Geschäftsmodells unsere Ertragskennzahlen gegenüber 2018 steigern, obwohl der Umsatz gesunken war. Das Geschäftsjahr 2020 war umsatzseitig wesentlich von den Auswirkungen der COVID-19-Pandemie geprägt. Dennoch ist es uns gelungen, ein zufriedenstellendes Betriebsergebnis von 32,6 Mio. Euro zu erwirtschaften. Die Konzerneigenkapitalquote lag zum 31. Dezember 2020 bei 29,8 % und damit auf dem Niveau des Vorjahres.

Anleihen Finder: Wie sieht aktuell die Auftragslage aus? Können Sie in 2021 wieder an 2019 anknüpfen? Wie ist Ihr Ausblick für die kommenden Jahre?

Carlos Leite: Die Auftragslage ist sehr gut. Durch die Investitionen der vergangenen zwei Jahre sowie auf Basis zusätzlicher Off-Take-Vereinbarungen und vor allem einer deutlich steigenden Produktion in den Geschäftsbereichen Aluminium sowie Schüttgut und Eisen wird die Metalcorp Group in 2021 ein höheres Umsatz- und Ertragsvolumen als im Vorjahr erwirtschaften. Dass wir uns hier bereits auf dem richtigen Weg befinden, zeigt die sehr positive Entwicklung im 1. Quartal 2021. Unsere weiter zunehmende Aluminium- und Bauxitproduktion sowie zusätzliche Abnahmevereinbarungen werden auch langfristig die wichtigsten Treiber für unser weiteres Ertragswachstum sein.

Anleihen Finder: Die Metalcorp Group gehört zu 100% zur Monaco Resources Group.Dazu gehören auch die Anleihe-Emittenten R-LOGITECH und Agri Resources. Alle Unternehmen finanzieren sich maßgeblich über hochverzinste Anleihen. Ist das nicht ein großes Wagnis – sowohl für die Emittenten als auch für Anleger?

„Für uns ist es wesentlich, einen direkten Zugang zum Kapitalmarkt zu haben“

Carlos Leite: Die Monaco Resources Group ist eine diversifizierte Gruppe im Bereich der Rohstoffdienstleistungen und erzielte in 2020 über 1 Milliarde Euro Umsatz, ein Betriebsergebnis von 160 Millionen Euro und verfügt über ein Eigenkapital von mehr als 650 Millionen Euro. Anleihefinanzierungen sind Bestandteil unseres Finanzierungsmixes und bilden mit dem Eigenkapital und günstigen Handelsfinanzierungen eine ausgewogene Finanzierungsstruktur. Zusammen mit der Ertragskraft und den Liquiditätsreserven halten wir es daher für kein Wagnis. Für uns ist es wesentlich, einen direkten Zugang zum Kapitalmarkt zu haben.

Anleihen Finder: Wie gestaltet sich bei Metalcorp das Verhältnis Eigenkapital zu Fremdkapital?

„Verpflichten uns in den Anleihebedingungen zu einer Mindesteigenkapitalquote von 25 %“

Carlos Leite: Sehr positiv, denn die Eigenkapitalquote liegt seit 2017 konstant bei rund 30 %. Die Bedeutung spiegelt sich auch in unseren Anleihebedingungen wider, in denen wir uns freiwillig zu einer Mindesteigenkapitalquote von 25 % verpflichtet haben.

Anleihen Finder: Warum möchten Sie Ihre beiden 2017er Anleihen komplett mit einer neuen Anleihe refinanzieren? Wären nicht andere Finanzierungen denkbar und weitaus günstiger?

Carlos Leite: Das Instrument der Anleihe hat sich zu einem festen Baustein in unserem Finanzierungsmix entwickelt. Dadurch waren wir in der Lage, wesentliche Wachstumsschritte erfolgreich zu realisieren. Da die Zinsspanne niedriger ausfällt als die bisherigen Kupons und unsere transaktionsgebundenen Handelsfinanzierungen trotzdem immer noch deutlich darunter liegen, rechnet sich der Zinskostenmix auch weiterhin für uns.

Hinweis: Den Wertpapierprospekt zur neuen Metalcorp-Anleihe 2021/26 können Sie hier einsehen.

Anleihen Finder: Neben der Refinanzierung – für welche Unternehmenszwecke sollen die Mittel noch konkret eingesetzt werden?

Carlos Leite: Neben einer adäquaten Liquiditätsreserve werden wir uns geeignete organische oder akquisitorische Wachstumschancen ansehen und hier gegebenenfalls investieren.

Anleihen Finder: Inwiefern ist die neue Metalcorp-Anleihe 2021/26 besichert?

„100 % der Aktien an der Metalcorp Group S.A. werden an einen Sicherheitentreuhänder verpfändet“

Carlos Leite: 100 % der Aktien an der Metalcorp Group S.A. werden an einen Sicherheitentreuhänder verpfändet, der zugunsten der Anleihegläubiger handelt. Das Besondere dabei ist, dass die verpfändeten Aktien gleichzeitig auch als Sicherheit für unsere zwei ausstehenden Anleihen dienen, bis diese vollständig zurückgezahlt sind. Deshalb hält der Sicherheitentreuhänder die verpfändeten Aktien sowohl für die Inhaber der beiden bestehenden Anleihen als auch für die Inhaber der neuen Anleihe.

Anleihen Finder: Wie können Sie die enorme Zinslast (bei einem Kupon von mind. 6,25% p.a.) in den kommenden Jahren stemmen? Und wie soll die Anleihe in fünf Jahren refinanziert werden? Wiederum mit einer Anleihe?

Carlos Leite: Die Zinszahlungen werden wir weiterhin vollständig aus dem operativen Cashflow leisten können und diese sind durch die bestehende und zukünftige Ertragskraft komfortabel gesichert. Über eine potentielle Refinanzierung oder Tilgung werden wir – wie bisher auch – ca. ein Jahr vor Fälligkeit entscheiden.

Anleihen Finder: Abschließend: Warum sollten Anleger der Metalcorp Group ihr Geld anvertrauen?

Carlos Leite: Wir haben uns seit unserem Kapitalmarktdebüt 2013 als zuverlässiger Emittent etabliert und sind seitdem vor allem dank unseres risikoaversen Geschäftsmodells nachhaltig gewachsen. Unsere Investoren wissen unsere Zuverlässigkeit zu schätzen und sind deshalb teilweise schon seit unserem Börsendebüt beteiligt. Mit unserer neuen Anleihe erhalten sowohl bestehende als auch potenziell neue Investoren eine renditestarke Anlagemöglichkeit, um an unserem weiteren Wachstum zu partizipieren – und zwar zu einem attraktiven Zinssatz von 6,25 % bis 6,75 % p.a. Zusätzlichen Comfort bieten die erstmalige Besicherung sowie unser langfristiges Unternehmensrating von „B“ mit positivem Ausblick und das Emissionsrating von „B“, die beide von S&P erteilt wurden.

Anleihen Finder: Vielen Dank für das Gespräch, Herr Leite.

Anleihen Finder Redaktion.

Fotos: Metalcorp Group S.A.

Anleihen Finder Datenbank

Unternehmensanleihe der Metalcorp Group B.V. 2017/2022

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Kommentare

  1. Dominik La

    ich glaube schon auch, dass das Ganze noch weiter wachsen wird, aber die Folgen von Corona darf man nicht unterschätzen, vor allem, wenn dann wie bei vielen Autoherstellern jetzt viele Einzelteile fehlen, weil die wo anders nicht hergestellt werden konnten… da geht es ja nicht nur um die deutsche Wirtschaft, sondern um die Weltwirtschaft… daher ist es ja so wichtig, dass das Virus auf der GANZEN Welt verschwindet bzw. zumindest kontrolliert wird… nur hier alleine wird sich nicht viel bringen bzw. so kommen wir sicher nicht zur alten Normalität zurück.

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