DF Deutsche Forfait in der Krise: Weiter auf schwarzer Liste der US-Regierung – Ausschluss vom USD-Zahlungsverkehr – Management kämpft für Entkräftung der Vorwürfe – Belastung durch Steuerrückstellungen – Interview

Freitag, 7. März 2014


Das verschlechterte Jahresergebnis der DF Deutsche Forfait AG sei vor allem durch zwei „Sondereffekte“ belastet worden, berichtet heute die DF Deutsche Forfait bei der Vorstellung ihrer vorläufigen Geschäftszahlen 2013: Zum einen durch Umsatzsteuerrückstellungen und durch die Aufnahme der DF Deutsche Forfait AG auf die Sanktionsliste des Office of Foreign Assets Control (OFAC), einer Behörde des US-Finanzministeriums. Der Vorwurf: Verstöße gegen Sanktionen gegen den Iran. Aus diesen beiden Sondereffekten haben sich Ergebnisbelastungen in Höhe von rund 3,8 Millionen Euro ergeben.

Interview mit Christoph Charpentier, Investor Relations & Controlling bei der DF Deutschen Forfait AG

christoph charpentier_df deutsche forfait_07032014Die Anleihen Finder Redaktion fragte schon nach der ersten Meldung der Deutschen Forfait über den Konzernverlust, die Schwierigkeiten mit Umsatzsteuerregelungen und der Aufnahme auf die US-amerikanische OFAC-Black List am 12.02.2014 nach. Zeitgleich stürzte der Kurs der Unternehmensanleihe der DF Deutschen Forfait AG ab. Jetzt kamen die Antworten von Christoph Charpentier (Foto), Investor Relations & Controlling bei der DF Deutschen Forfait AG:

Anleihen Finder Redaktion:  Aus welchen Gründen sind die „neuen Erkenntnisse“ der DF Deutsche Forfait AG „über die Entstehung von Umsatzsteuern, deren Verrechnung oder Weiterbelastung noch nicht abschließend geklärt“ sei, jetzt gewonnen worden und warum war es nicht möglich, schon vorher diese Erkenntnisse über Steuerverpflichtungen zu erlangen?

Christoph Charpentier: Das Geschäft der DF Deutsche Forfait AG ist grundsätzlich umsatzsteuerfrei. Die Erkenntnisse über eine mögliche Umsatzsteuernachzahlung ergaben sich erst im Zusammenhang mit der Überprüfung einer eventuell bestehenden Umsatzsteuerpflicht im Hinblick auf ein konkretes Geschäft. Dies hat die Gesellschaft zum Anlass genommen sämtliche Geschäfte auf ihre Umsatzsteuerpflicht zu prüfen. Das Ergebnis der Analyse war, dass die Gesellschaft die Umsatzsteuer für bestimmte aus dem Ausland bezogene Dienstleistungen nicht entsprechend der umsatzsteuerlichen Regelungen erklärt hat. In welchem Umfang die hierauf zu entrichtende Umsatzsteuer weiterbelastet werden kann, ist noch nicht abschließend geklärt.

Anleihen Finder Redaktion: An welcher Stelle sind die Umsatzsteuern entstanden? Gibt es einen Zusammenhang zwischen den neu entdeckten Umsatzsteuer-Verpflichtungen und den USA-Geschäften der DF Deutsche Forfait AG?

Christoph Charpentier: Es besteht kein direkter Zusammenhang mit dem US-Geschäft der Gesellschaft.

Anleihen Finder Redaktion: Können Sie bitte erläutern, wie es zu „Verzögerungen bei der Weiterplatzierung“, die zu einem höheren Forderungsbestand zum Jahresende und zur Notwendigkeit der Bildung einer höheren Risikovorsorge führten, gekommen ist?

Neukunden auf dem afrikanischen Markt

Christoph Charpentier: Die Verzögerungen bei der Weiterplatzierung hängen mit den längeren Abwicklungszeiten bei Neukunden im strategisch wichtigen afrikanischen Markt zusammen, da hier die Prozesse neu aufgesetzt werden müssen und damit die Abwicklung länger dauern, als bei einem eingespielten Partner. Darüber hinaus konnten die Forderungen nicht wie geplant an den Trade Finance Fonds verkauft werden, da sich das Projekt noch nicht realisiert hat. Die Gesellschaft bildet grundsätzlich eine Risikovorsorge auf die Forderungen, die sich zum Jahresende in ihrem Portfolio befinden. Diese wird u.a. durch die Höhe des Forderungsbestandes und die geographische Verteilung der Forderungen bestimmt.

Anleihen Finder Redaktion: Ist es richtig gerechnet, dass sich die Sondereffekte im Jahresabschluss 2013 der DF Deutsche Forfait AG auf insgesamt 3,8 Millionen Euro belaufen? Also: 3,8 Millionen Euro minus die 1,6 Millionen Euro, die durch „die ausgebuchten Forderungen im Zuge der Aufnahme der Gesellschaft auf die Sanktionsliste des US-amerikanischen Office of Foreign Assets Control (OFAC)“ entstanden sind, gleich 2,2 Millionen Euro an „weiteren Sondereffekten“? Können Sie hier bitte nochmal auf diese „weiteren Sondereffekte“ eingehen? Wie sind diese entstanden?

Christoph Charpentier: Die in der Ad-Hoc Mitteilung erwähnten Sondereffekte belaufen sich insgesamt auf EUR 3,8 Mio. und beinhalten neben den bereits erwähnten Forderungen in Höhe von EUR 1,6 Mio., die im Zusammenhang mit dem OFAC Listing ausgebucht werden mussten, auch die  Umsatzsteuerrückstellungen in Höhe von EUR 2,2 Mio.

Anleihen Finder Redaktion: Inwieweit sind die Bemühungen der DF Deutsche Forfait AG voran geschritten, gegenüber den US-amerikanischen Behörden den Nachweis zu erbringen, dass die erhobenen Vorwürfe nicht zutreffen?

„In intensiven Gesprächen mit dem OFAC“

Christoph Charpentier: Wir arbeiten mit Hochdruck daran, die Vorwürfe zu entkräften und sind über unsere Anwälte sowie mit Hilfe der deutschen Behörden in intensiven Gesprächen mit dem OFAC. Zum Inhalt der laufenden Gespräche können wir uns im Moment nicht äußern.

Anleihen Finder Redaktion: Inwieweit werden die Geschäfte der DF Deutsche Forfait AG von den Vorwürfen des US-Finanzministeriums mittel- und langfristig belastet?

Christoph Charpentier: Für ein international tätiges Handelsunternehmen bedeutet das OFAC Listing eine erhebliche Einschränkung, da wir während des Listings u.a. vom USD-Zahlungsverkehr abgeschnitten sind. Unsere oberste Priorität ist es daher, so schnell wie möglich die Vorwürfe der US-Behörden auszuräumen, um wieder zu einem geregelten Tagesgeschäft zurückkehren zu können.

Anleihen Finder Redaktion: Können Sie bitte zur Directors Dealing Meldung vom 05.03.2014 Stellung nehmen?

Christoph Charpentier: Unser Aufsichtsrat Herr Bösel hat 100.000 seiner Aktien an der DF Deutsche Forfait AG von seiner Vermögensverwaltungsgesellschaft auf sich persönlich übertragen. An seinem Anteilsbesitz an der Gesellschaft hat sich hierdurch keine Änderung ergeben.

Anleihen Finder Redaktion: Herr Charpentier, vielen Dank für das Gespräch!

Anleihen Finder Redaktion

Foto: DF Deutsche Forfait AG

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