„Haben den europäischen Anleihe-Markt intensiv analysiert“ – Interview mit Hans-Jürgen Friedrich, KFM Deutsche Mittelstand AG

Dienstag, 14. April 2020


Die KFM Deutsche Mittelstand AG hat inmitten der Corona-Krise analog zu ihrem bewährten Erfolgsprodukt „Deutscher Mittelstandsanleihen FONDS“ den neuen „Europäischen Mittelstandsanleihen FONDS“ ins Leben gerufen. Wie der Name schon sagt, investiert der Fonds in ausgewählte Unternehmensanleihen mittelständischer Unternehmen in Europa. Wir haben mit KFM-Vorstand Hans-Jürgen Friedrich über den neuen Fonds, die aktuelle Corona-Krise an den Kapitalmärkten, aber auch die sich jetzt bietenden Chancen gesprochen.

Anleihen Finder: Hallo Herr Friedrich, wie geht’s Ihnen und wie geht die KFM Deutsche Mittelstand AG mit der gegenwärtigen Corona-Situation um?

Hans-Jürgen Friedrich: Danke Herr Henecker für die Nachfrage. Mein Team und ich sind gesund. Darüber bin ich sehr froh und dankbar. Seit dem 12. März arbeiten meine Kollegen im Home-Office und ich halte die Stellung im Büro. In der aktuellen Situation liegt der Schwerpunkt unserer Tätigkeit in der Analyse der Investments und in der Kommunikation mit Investoren und Geschäftspartnern. Die zahlreichen positiven Rückmeldungen von Lesern unserer KFM-Sondertelegramme, in denen wir über die aktuellen Einflüsse der Kursentwicklungen im Mittelstandsanleihenmarkt berichten, bestätigen einmal mehr, wie wichtig die Transparenz in solchen Marktphasen für die Anleger ist.

Anleihen Finder: Am 1. April haben Sie alle überrascht und den Europäischen Mittelstandsanleihen FONDS (EMAF) ins Leben gerufen. Das war kein Aprilscherz. Wie kam es dazu?

Hans-Jürgen Friedrich: Wir haben uns schon seit Anfang des letzten Jahres intensiv mit dem Konzept eines Europäischen Mittelstandsanleihen FONDS beschäftigt und den europäischen Markt analysiert. Wir haben festgestellt, dass auch in den europäischen Nachbarstaaten attraktive Unternehmensanleihen zu finden sind. Mit dem europäischen Mittelstandsanleihen FONDS steht ein größeres Anleihen-Universum zur Verfügung. Gemeinsam mit der MONEGA als Kapitalverwaltungsgesellschaft und der DZ-Bank als Verwahrstelle konnten wir zwei professionelle und erfahrene Geschäftspartner für den Europäischen Mittelstandsanleihen FONDS gewinnen, die den Mittelstand und die Mittelstandsanleihenmärkte im Kern ihres Geschäftsmodells verankert haben.

Anleihen Finder: Trotz Corona-Krise und immensen Verwirrungen an den Kapitalmärkten haben Sie den FONDS in der jetzigen Situation herausgebracht. Ein Wagnis?

„Viele Anleihen notieren auf einem Kursniveau, das eine hoch attraktive Renditechancen besitzt“

Hans-Jürgen Friedrich: Mit dem KFM-Scoring haben wir ein bewährtes Auswahlverfahren, um die Anleihen auszuwählen, die den Ansprüchen der Anleger nach Rendite, Sicherheit und Transparenz gerecht werden. Wir stellen fest, dass viele Anleihen auf einem Kursniveau notieren, das eine hoch attraktive Renditechancen besitzt. Insofern kann beim jetzigen Start des europäischen Mittelstandsanleihen FONDS ein gutes Fundament für eine laufende attraktive Ausschüttungsrendite für die kommenden Jahre gelegt werden.

Anleihen Finder: Sehen sie hier auch Parallelen zu den Anfängen des mittlerweile äußerst erfolgreichen Deutschen Mittelstandsanleihen FONDS?

Hans-Jürgen Friedrich: Ich bin der Meinung, dass zur Corona-Krise keine Parallelen gezogen werden können. Wir befinden uns in einer Ausnahmesituation, wie wir sie noch nicht erlebt haben. Im Vergleich zum Start des Deutschen Mittelstandsanleihen FONDS sind viele Anleihen mit attraktiven Renditechancen europaweit im Markt vorhanden. Und diese Auswahl von Chancen kann genutzt werden. Möglicherweise sind wir in einer Phase, wo wir letztmalig solche Renditechancen im Bereich der festverzinslichen Wertpapiere sehen können.

Anleihen Finder: Welches Ziel und welchen Anlageschwerpunkt verfolgt der neue FONDS? Mit welchem Volumen starten Sie?

„Der Europäische Mittelstandsanleihen FONDS startet mit einem Volumen in Höhe von 10 Mio. Euro“

Hans-Jürgen Friedrich: Ziel der Anlagepolitik ist es, risikoangemessene Wertzuwächse zu erzielen. Der Fonds investiert in europäische verzinsliche Wertpapiere, vornehmlich in ausgewählte Anleihen von mittelständischen Unternehmen der Europäischen Union, wobei der Fokus auf Emissionen in Euro und aus stabilen Volkswirtschaften wie z.B. Deutschland, Frankreich, den Beneluxländern und Skandinavien liegt. Der europäische Mittelstandsanleihen FONDS startet mit einem Volumen in Höhe von 10 Mio. Euro.

Anleihen Finder: Sie haben nun also auch europäische Mittelstandsanleihen im Visier. Welche Anleihen befinden sich derzeit im Portfolio? Unterteilen Sie dabei wieder in ein Kern- und ein Liquiditätsportfolio?

Hans-Jürgen Friedrich: Wir haben rund 40 Titel im Visier, die in den kommenden Wochen in den Europäischen Mittelstandsanleihen FONDS aufgenommen werden sollen. Wir werden wie gewohnt über die aufgenommenen Investments berichten. Auch bei dem Europäischen Mittelstandsanleihen FONDS wird das Portfolio in ein Kern- und ein Liquiditätsportfolio unterteilt. Wie beim Deutschen Mittelstandsanleihen FONDS werden wir auch beim europäischen Mittelstandsanleihen FONDS den Bedürfnissen der Anleger nach Rendite, Sicherheit und Transparenz große Beachtung schenken.

INFO: Hier finden Sie weitere Informationen zum Europäischen Mittelstandsanleihen FONDS

Anleihen Finder: Werden Sie analog zum DMAF auch beim EMAF das KFM-Scoring verwenden und Ihre Anleger transparent über jegliche Schritte informieren?

Hans-Jürgen Friedrich: Ja. Das KFM-Scoring hat sich seit Auflage des Deutschen Mittelstandsanleihen FONDS im November 2013 bewährt. Dieses Auswahl- und Überwachungsverfahren wird auch beim europäischen Mittelstandsanleihen FONDS eingesetzt. Über die Internetseite des Europäischen Mittelstandsanleihen FONDS werden wir alle Investments transparent darstellen und über jeden Kauf oder Verkauf berichten und auch die KFM-Barometer zu den jeweiligen Titeln des Fonds veröffentlichen.

Anleihen Finder: Wie und wer kann in den neuen europäischen Mittelstandsanleihen FONDS investieren?

Hans-Jürgen Friedrich: Der europäische Mittelstandsanleihen FONDS kann sowohl von privaten als auch von institutionellen Anlegern erworben werden. Hier stehen zwei Anteilsklassen zur Verfügung. Die Anteilsklasse R mit der Wertpapierkennnummer WKN A2PF0P bzw. ISIN DE000A2PF0P7 kann von privaten Anlegern bereits mit einem Betrag in Höhe von 100,00 EURO pro Anteilsschein erworben werden und ist auch sparplanfähig. Seit dem 06.04.2020 kann diese Anteilsklasse auch über die Börse Hamburg ohne den Ausgabeaufschlag erworben werden. Die Anteilsklasse I (WKN A2PF0N /ISIN DE000A2PF0N2) mit einem Mindestanlagebetrag in Höhe von 100.000,00 Euro ist für die semiprofessionellen und institutionellen Investoren aufgelegt worden. Der europäische Mittelstandsanleihen FONDS wurde der Risikoklasse 3 nach SRRI (1= geringes Risiko bis 7= hohes Risiko) zugeordnet und ist als Rentenbaustein zur Beimischung in ein Wertpapierportfolio geeignet.

Anleihen Finder: Nochmal zur gegenwärtigen Corona-Krise. Viele Anleger sind verständlicherweise schwer eingeschüchtert. Auch der DMAF musste starke Kurseinbußen hinnehmen. Wie bewerten Sie die aktuelle Situation bei den Mittelstandsanleihen?

Hans-Jürgen Friedrich: Die Kurse von Anleihen notieren mit Werten, die aus unserer Sicht in vielen Fällen nicht der Realität entsprechen. Anleihekurse wurden durch Algorithmen und Leerverkäufe in einem Maße unter den Nennwert gedrückt, wie wir es selbst in der Finanzkrise im Jahr 2008 nicht gesehen haben.

„Sehen bei vielen Mittelstandsanleihen das Potenzial für eine Kurserholung nach der Krise“

Natürlich sind auch mittelständische Unternehmen von der Krise betroffen. Insbesondere die Kleinstunternehmen und Unternehmen aus den Sektoren, wie z.B. Luftfahrt, Tourismus, Messebetrieb oder Hotel und Gastronomie. Investments in Aktien oder Anleihen von mittelständischen Unternehmen sind nach unserer Meinung ein wertbeständiges Investment. Aus Analysen vorangegangener Krisen kann festgestellt werden, dass mittelständische Unternehmen sich nach einer Krise sehr viel schneller erholt haben als große Industrieunternehmen.

Wenn die Kurse von Anleihen zwischenzeitlich an Wert verloren haben, ist das doch etwas anderes, als wenn Aktienkurse sinken. Während der Laufzeit werden die Zinsen bezahlt und am Ende der Laufzeit die Anleihen zu 100 Prozent zurückgezahlt. Insofern sehen wir bei vielen Mittelstandsanleihen das Potenzial für eine Kurserholung, das sich nach der Krise entfalten wird. Das wird sich nach unserer Meinung auch auf den Anteilspreis des deutschen Mittelstandsanleihen FONDS positiv auswirken.

Anleihen Finder: Ihr Telefon dürfte in den vergangenen Wochen kaum „stillgestanden“ sein. Was konnten Sie aus den Managementgesprächen mit den Emittenten heraushören?

„Wir analysieren momentan besonders die qualitativen Merkmale“

Hans-Jürgen Friedrich: Mit einer großen Fleißarbeit untersuchen unsere Analysten bereits seit Ausbruch des Corona-Virus in China jeden einzelnen Emittenten noch akribischer und schauen dabei nicht nur auf die quantitativen Zahlen wie Liquiditätssituation, Eigenkapital-Ausstattung, Reserven, Ausmaß der staatlichen Hilfen, direkte oder indirekte Einflüsse durch die Corona-Pandemie. Wir analysieren momentan besonders die qualitativen Merkmale: Wie agiert und reagiert das Management auf die aktuellen Herausforderungen? Welche Maßnahmen werden getroffen, um das Geschäftsmodell zu erhalten, weiter zu betreiben, weitgehend schadlos durch die Krise zu manövrieren oder neue Chancen für das Unternehmen zu entwickeln? Wir stellen fest, dass die deutschen Mittelständler im Durchschnitt deutlich besser aufgestellt sind als vor der Finanzkrise 2008/2009. Viele Unternehmen haben aus der Finanzkrise sehr wichtige Lehren gezogen und ihr Risikomanagement verbessert. Die Eigenkapitalquoten wurden erhöht, Sicherheitsmechanismen wurden installiert, Rücklagen für Krisenfälle sind gebildet worden und der Zusammenhalt wurde gestärkt. Dazu kommt, dass viele Unternehmen ihre Kommunikation mit Mitarbeitern, Lieferanten und Abnehmern weiter professionalisiert haben. Das Alles kommt vielen dieser Unternehmen jetzt zugute.

Anleihen Finder: …d.h. es gibt zahlreiche Emittenten, die zu Unrecht in Mitleidenschaft gezogen wurden. Können Sie uns da ein paar Beispiele nennen? Gibt es womöglich auch KMU-Profiteure der aktuellen Krise?

Hans-Jürgen Friedrich: In der aktuellen Situation stellt sich die Frage, wie stark die Emittenten von dem Corona-Virus betroffen sind. Wir stellen fest, dass das Management sehr schnell und besonnen auf die Herausforderungen reagiert. Dort wo es möglich ist, wird das Geschäftsmodell umgestellt und auch Chancen genutzt. PCC produziert jetzt in großem Umfang Desinfektionsmittel und Seifen. Das Textilunternehmen ETERNA fertigt Schutzmasken statt Hemden und Automobilzulieferer liefern Teile für Beatmungsgeräte oder entwickeln einen CoVid 19-Schnelltest. AVES One und R-Logitech dürften nach unserer Meinung sogar profitieren. Beide Unternehmen sind mit Ihren Logistikleistungen in der aktuellen Situation von großer strategischer Bedeutung, wenn es darum geht, die Lieferketten für Lebensmittel, Waren und Rohstoffe an neuralgischen Verbindungsstellen aufrecht zu erhalten.

Hinweis: Sie lesen ein Interview, das zunächst in unserem Anleihen Finder-Newsletter-April-01-20 erschien. Lassen Sie sich ebenfalls frühzeitig informieren und abonnieren Sie den kostenlosen Anleihen Finder Newsletter.

Anleihen Finder: Haben Sie nicht die Befürchtung, dass aufgrund der Corona-Krise generell weitere KMU-Ausfälle, auch speziell im DMAF-Portfolio, hinzukommen?

Hans-Jürgen Friedrich: Die aktuellen Analysen der Emittenten und deren Anleihen zeigen derzeit kein akutes Ausfallrisiko. Wie bereits zuvor erwähnt haben die sich die Unternehmen nach der Finanzkrise im Jahr 2008 deutlich verbessert aufgestellt. Mit dem KFM-Scoring werden alle Anleihen fortlaufend überwacht. Bei einer negativen Entwicklung, die das Unternehmen und die Zins- bzw. Rückzahlung der Anleihe gefährdet, sendet das KFM-Scoring direkt ein Handlungssignal.

Anleihen Finder: „Ruhe bewahren“ oder „Retten, was zu retten ist“. Was raten Sie Anlegern in der gegenwärtigen Krise?

„Nicht zu Kurzschlussreaktionen hinreißen lassen“

Hans-Jürgen Friedrich: Auf alle Fälle Ruhe bewahren und sich nicht zu Kurzschlussreaktionen hinreißen zu lassen. Wie lange die Corona-Krise noch andauern wird und wann mit einer Verbesserung zu rechnen ist, kann derzeit nicht seriös beantwortet werden. Wir können aber alle feststellen, dass weltweit alle verfügbaren Mittel und Möglichkeiten eingesetzt werden, um die Krise zu bewältigen.

Anleihen Finder: Wie bewerten sie die staatlichen Hilfsprogramme in Deutschland für Unternehmen sowie die weltweite Geld- und Finanzpolitik in der Krise?

Hans-Jürgen Friedrich: Wirtschafts- und geldpolitische Maßnahmen werden in einem Ausmaß und in einer Geschwindigkeit beschlossen und umgesetzt, wie wir es noch nie erlebt haben, geschweige uns vorstellen konnten. Es kommt jetzt besonders darauf an, dass aufgebaute ökonomische Strukturen und sozioökonomischen Systeme erhalten bleiben. Es ist beeindruckend, wie landes- und parteiübergreifend mit Ökonomen und Wissenschaftlern zusammengearbeitet wird, um Gesundheit, Unternehmen und Arbeitsplätze zu erhalten.

Die Notenbanken haben weltweit die Geldpolitik gelockert. Zinssätze wurden gesenkt und mit Milliardenprogrammen versuchen die Notenbanken und Staaten, die wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Krise abzufedern. Wenn alle Maßnahmen und Hilfsaktionen durchgesetzt werden, gelingt es möglicherweise, in der gewünschten Zeitspanne die ersten sichtbaren Erfolge zu vermelden. Diese Maßnahmen sollten dann auch den Anleihen- und Aktienmärkte Halt geben. Meiner Meinung nach dürften die Zentralbanken in den kommenden Jahren keinen Spielraum für Zinserhöhungen haben. Wie bereits erwähnt, könnten wir jetzt in einer Phase sein, die möglicherweise letztmalig solche außergewöhnlichen Renditechancen im Bereich der festverzinslichen Wertpapiere bietet.

Anleihen Finder: Herr Friedrich, besten Dank für das Gespräch und viel Erfolg mit dem neuen Fonds.

Anleihen Finder Redaktion.

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