„Das Sicherheiten-Konzept ist das Herzstück unserer Anleihe“ – Interview mit Jens-Peter Gieschen, geschäftsführender Gesellschafter der AGS Energy GmbH

Dienstag, 20. Januar 2015


Die Anleihen Finder Redaktion traf Jens-Peter Gieschen, der gemeinsam mit Jan-Henning Ahrens geschäftsführender Gesellschafter der AGS Energy GmbH ist. Jens-Peter Gieschen sprach über die Hintergründe seiner Solaranleihen Deutschland 1 und 2:

Anleihen Finder Redaktion: Herr Gieschen, eigentlich stehen Sie als Partner der Bremer Rechtsanwaltskanzlei KWAG Kanzlei für Wirtschafts- und Anlagerecht Ahrens Gieschen als Fachanwalt für Bank- und Kapitalmarktrecht auf der Seite der Anleihe-Gläubiger. Wie vereinbaren Sie das mit der Begebung Ihrer Anleihen Deutschland 1 und 2, bei denen Sie Verantwortung tragen?

Jens-Peter Gieschen: Wir wollten uns nicht immer nur mit den fehlgeschlagenen Anlagemodellen der klassischen Anbieter beschäftigen. Uns hat die Idee angetrieben, dass es möglich sein muss, die drei Hauptziele jedes Anlegers unter einen Hut zu bringen: Rendite, Sicherheit und Transparenz. Dabei ist die Anleihe nach unserer Auffassung die sicherste Methode, mit der Anleger sich an einer Unternehmung beteiligen können, ohne dass sie das wirtschaftliche Risiko einer echten unternehmerischen Beteiligung tragen. Der Anleger gibt hier nur ein Darlehen und bekommt dafür von uns alle Sicherheiten, die sonst Banken für Darlehen erhalten. Er erhält zum Beispiel die Einspeisevergütung und die Eigentumsrechte über einen Treuhänder abgetreten. Das hat es so bisher nicht gegeben.

Anleihen Finder Redaktion: Die AGS Energy GmbH ist bislang noch nicht als Emittentin bekannt. Warum sollen Anleihe-Gläubiger ihr als Newcomer vertrauensvoll Kredit geben?

Wo ist das Risiko?

Jens-Peter Gieschen: Wegen des eben schon ansatzweise beschriebenen Sicherheiten-Konzeptes. Dies ist das Herzstück dieser Anleihe. Wir haben einen Vorab-Prospekt verschiedenen Branchenexperten zur kritischen Durchsicht zur Verfügung gestellt. Ein Ex-Investmentbanker hatte nur eine Frage nach der Lektüre: „Wo ist das Risiko?“ Er hat das Konzept wohl verstanden.

Anleihen Finder Redaktion: Sie werben mit der „Besicherung der Einlage und der Zinszahlungen mit banküblichen Sicherheiten“. Wie kommen Ihre Anleihe-Gläubiger quasi in den Rang einer Bank?

PressefotoJens-Peter Gieschen: Ja. Der Anleger bekommt sämtliche Sicherungsrechte, die sonst die Banken verlangen, abgetreten. Außerdem haben wir einen Mittelverwendungskontrolleur und einen Treuhänder eingesetzt. Wir kaufen „gebrauchte“ Solaranlagen mit festen staatlich garantierten Einspeisevergütungen und finanzieren diese über die mit der Anleihe eingesammelten Gelder. Zins und Tilgung werden aus diesen festen Einnahmen bedient, für deren Kalkulation wir nur 80 Prozent der Erlöse annehmen, die die Anlagen nach den Gutachtenwerten tatsächlich erwirtschaften. Und diese Erträge sind auch noch über eine All-Gefahren-Versicherung abgedeckt.

Anleihen Finder Redaktion: Bitte erklären Sie uns die Struktur der Zinskupons und die anderen wichtigsten Eckdaten Ihres Anleihen-Angebots.

Jens-Peter Gieschen: Die AGS Energy GmbH begibt eine Anleihe über insgesamt rund drei Millionen Euro. Eine Zeichnung ist ab 100.000 Euro möglich. Ein Agio wird nicht erhoben. Wir finanzieren mit den Anleihegeldern den bereits erfolgten Kauf von acht Aufdach-Solaranlagen in Nürnberg, deren Zwischenfinanzierung bei einer Bank wir ablösen. Anleger erzielen Einkünfte aus Kapitalvermögen. Die Anleihe läuft 15 Jahre ab Vollplatzierung. Der Anleger erhält jedes Jahr eine 5,0-prozentigeige Zinszahlung auf das noch gebundene Kapital sowie eine jährliche Rückzahlung zwischen fünf und neun Prozent. Das gebundene Kapital wird also stufenweise jedes Jahr geringer.

Anleihen Finder Redaktion: Wie können interessierte Anleger zeichnen und an welchen Kreis von Investoren richten sich Ihre Anleihen?

Jens-Peter Gieschen: Aufgrund der hohen Mindestzeichnungssumme bei dieser ersten Anleihe, dürfte diese wohl in erster Linie für institutionelle bzw. professionelle Anleger mit einem hohen Sicherheitsbedürfnis wie z.B. Stiftungen, Versicherungen oder Versorgungswerken interessant sein. Allerdings arbeiten wir schon an der Anleihe „Deutschland II“. Bei dieser haben wir eine Mindestzeichnungssumme von dann nur 20.000 €. Wir verzichten grundsätzlich auf einen Vertrieb, die Zeichnung kann nur direkt über die Gesellschaft erfolgen.

Anleihen Finder Redaktion: Wie verdient die AGS Energy GmbH Geld, um u.a. die Zinszahlungen und Rückzahlungen der Anleihen zu leisten?

Einnahmen aus staatlich garantierten Einspeisevergütungen

Jens-Peter Gieschen: Einnahmen ergeben sich aus den staatlich garantierten Einspeisevergütungen. Da wir die Anlagen nicht erst bauen sondern nur Bestandsanlagen erwerben bzw. schon erworben haben, kennen wir deren tatsächliche Erträge und machen dies mit entsprechenden Sicherheitsabschlägen zur Grundlage unserer Kalkulationen. Wir haben für die Anleihe nur mit den Gutachtenwerten gerechnet, die in der Regel rund 20 Prozent unter den tatsächlichen Erträgen von Solaranlagen in Deutschland liegen.

Anleihen Finder Redaktion: Die Branche der Erneuerbaren Energien genießt am Minibond-Markt durch die vielen Ausfälle von Emittenten aus dieser Branche keinen guten Ruf. Wieso setzen Sie auf Erneuerbare Energien als Ertragsquelle?

Wettbewerber mit völlig überzogenen Renditeversprechungen

Jens-Peter Gieschen: Wir wollen zeigen, dass man mit ökologisch sinnvollen Investitionen auch heute noch gutes Geld verdienen kann. Dabei versprechen wir nicht das Blaue vom Himmel, sondern ehrliche fünf Prozent Rendite. Die Wettbewerber haben hier mit völlig überzogenen Renditeversprechungen gearbeitet und mussten dann eine Anleihe nach der nächsten auflegen, um jeweils den Vorgänger abzulösen. Wir legen in unseren Prospekten alle Kalkulationen offen und diese lassen sich leicht nachrechnen.

Anleihen Finder Redaktion: Wie sieht die finanzielle Situation der AGS Energy GmbH aus? Stichworte sind hier die Eigenkapitalquote sowie die Kennzahlen zur Kapitaldienstdeckung und zur Verschuldung.

Jens-Peter Gieschen: Das ist ja das Gute an unserem Konzept, dass es für die Sicherheit der Anleihe und die Rückzahlung an die Anleger auf diese Zahlen überhaupt nicht ankommt. Die AGS reicht – unter Kontrolle von einem Mittelverwendungskontrolleur – die Einnahmen aus der Einspeisevergütung quasi nur an die Anleger weiter. Die „Leistungsfähigkeit“ der AGS ist dabei völlig nebensächlich. Sollten die Anlagen tatsächlich nur die – übrigens versicherten – Gutachtenwerte erwirtschaften, verdient die AGS fast nichts, da diese Gelder sofort auf Anderkonten der Anleger eingezahlt werden. Erwirtschaften die Anlagen mehr als die angenommen 80 Prozent, kommt dieses Geld der AGS zugute. Aus unserer Sicht eine Win-Win-Situation.

Anleihen Finder Redaktion: Sind weitere Anleihen in Planung? Wenn ja, werden Sie sich eventuell mit den Themen Stückelung für Privatanleger, Rating und Börsennotierung beschäftigen?

Jens-Peter Gieschen: Ja, wir haben schon Optionen auf weitere Bestandsanlagen im Gesamtvolumen von rund 30 Millionen Euro. Wir werden nach Platzierung der Anleihe „Deutschland I“ weitere Anleihen mit geringeren Mindestzeichnungssummen auflegen. Ein entsprechender Prospekt, der dann auch eine BaFin-Genehmigung erhalten soll ist schon fertig gestellt. Bei diesen größeren Volumina rechnet sich dann auch ein Rating. Eine Börsennotierung ist zurzeit aber nicht geplant.

Anleihen Finder Redaktion: Herr Gieschen, vielen Dank für das Gespräch!

Kurzvita:

Jens-Peter Gieschen, geboren am 28.06.1963, ist Rechtsanwalt und Fachanwalt für Bank- und Kapitalmarktrecht.

PressefotoEr ist Partner der Bremer „Kanzlei für Wirtschafts- und Kapitalanlagerecht Ahrens und Gieschen (KWAG)“  und einer der beiden Gesellschafter der Fa AGS Energy GmbH. Die Kanzlei, mit zur Zeit zehn Anwälten, ist spezialisiert auf die Vertretung von geschädigten Kapitalanlegern und Investoren. Aufgrund verschiedener Berührungspunkte zum Thema regenerative Energien wurde im Jahr 2010 die Tochtergesellschaft „KWAG Renewable Energies GmbH“ gegründet, die unter anderem selbst in dem Bereich investiert aber auch Dritte berät. Im Jahre 2014 erfolgte dann die Gründung der Fa AGS Energy GmbH. Über diese Gesellschaften soll die Expertise in den Bereichen Kapitalanlage und erneuerbare Energien zum Wohle von Investoren zusammengeführt werden.

Jens-Peter Gieschen lebt und arbeitet in Bremen. Er ist geschieden und hat zwei Kinder im Alter von 14 und 17 Jahren

Das Interview führte Timm Henecker. Anleihen Finder Redaktion.

Großes Foto: Solaranlage / flickr EnergieAgentur.NRW

Kleine Fotos: Jens-Peter Gieschen;  KWAG – Kanzlei für Wirtschafts- und Anlagerecht Ahrens und Gieschen

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