„Brot wird immer gegessen.“- Die Anleihe der Wiener Feinbäckerei Heberer

Freitag, 9. September 2011

Die Wiener Feinbäckerei Heberer ist mit 350 Filialen einer der führenden Filialisten im deutschen Bäckereimarkt. Das Unternehmen mit Sitz in Mühlheim am Main wird heute in vierter Generation von den Gebrüdern Georg IV. und Alexander Heberer als geschäftsführenden Gesellschaftern gemeinsam geführt. Anfang August 2011 hat die Wiener Feinbäckerei Heberer eine Anleihe in Höhe von 12 Millionen Euro bei einer Verzinsung von 7 Prozent begeben.

Mit einer zunehmenden Orientierung am Premiumsegment steht Heberer für gesunde Ernährung und innovative Produkte. Bei einer Produktionsmenge von 150 Millionen Stück erwirtschaftete das Unternehmen in 2010 einen Umsatz von 115 Millionen Euro. In einigen Regionen wie dem Rhein-Main-Gebiet ist das Unternehmen Marktführer sowie bundesweit der Filialist mit den meisten Frequenzstandorten an Bahnhöfen, U-Bahnhöfen und Flughäfen.

Im Interview mit Anleihen Finder erläutern die Gebrüder Heberer die finanzielle Struktur hinter ihrem Anlageangebot.

Anleihen Finder: Sehr geehrte Herren Heberer, mit Ihnen betritt der erste mittelständische Bäcker den Kapitalmarkt zur Aufnahme von Fremdkapital in Form einer Anleihe. Mit jährlich rund 50 Millionen Kunden in Ihren 350 Filialen dürfte Sie jeder unserer Leser kennen oder bei Ihnen bereits eingekauft haben. Unabhängig davon möchten wir Sie bitten, Ihr Unternehmen und Ihre Unternehmensgeschichte ein wenig zu erläutern. Was unterscheidet Sie von Ihren Wettbewerbern?

A. & G. Heberer: Die Wiener Feinbäckerei Heberer ist einer der führenden Bäckereifilialisten in Deutschland. Das Unternehmen wurde 1891 gegründet und feiert damit mittlerweile sein 120-jähriges Bestehen.
Wir haben letztes Jahr einen Umsatz von 115 Millionen Euro erzielt und im ersten Halbjahr 2011 unser operatives Ergebnis um 30 Prozent auf 2,6 Millionen Euro erhöht. Neben Tradition zeichnet uns aber vor allem auch unser Konzept und Frische aus. Beispielsweise wird in vielen Filialen der Teig direkt vor den Augen der Kunden geknetet und anschließend gebacken. Unsere Produkte werden regelmäßig mit höchsten Auszeichnungen der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft  prämiert.

Anleihen Finder: Können Sie uns in diesem Zusammenhang den Aufbau Ihres Filialnetzes sowie das Betreibermodell vor Ort beschreiben? Wie unterscheidet sich Ihr Kommissionsmodell von den herkömmlichen Franchise Modellen? Warum haben Sie dieses Modell implementiert und daraus folgend mit welchen Resultaten für die Kunden, Ihre Partner und Ihre Rendite? Gibt es dabei unterschiedliche Marken- bzw. Filialstrategien?

A. & G. Heberer: Die 350 Filialen der Wiener Feinbäckerei Heberer gliedern sich im Wesentlichen in zwei Marken: Wiener Feinbäcker und Erster Wiener. Dabei zielt die Marke Erster Wiener auf das Premiumsegment. Wir haben gute Erfahrungen gemacht mit dem Kommissionsmodell, das wir schon lange nutzen. Wir sind Mieter der Standorte, Eigentümer der Einrichtung und können gleichzeitig die Leitung des operativen Geschäfts an unsere Kommissionäre auslagern. Dies bedeutet eine Win-Win-Situation sowohl für uns als auch für die Kommissionäre. Sie werden nach Verkaufszahlen bzw. Umsatz entlohnt, so dass sich Engagement vor Ort auszahlt und wiederum unsere Rendite und den Umsatz wachsen lässt.

Anleihen Finder: Im Verschmelzungsvertrag vom 30. August 2010 wurde die Zusammenführung der Wiener Feinbäckerei Heberer GmbH mit Sitz in Weimar und der Wiener Feinbäckerei Heberer GmbH mit Sitz in Mühlheim am Main – jetzige Emittentin der Jubiläumsanleihe – fixiert. Was waren die Gründe dafür, welche Rolle haben steuerliche Aspekte gespielt und welche Konsequenzen auf die Ergebnisse ergeben sich durch deren Wegfallen?

A. & G. Heberer: Die Wiener Feinbäckerei Heberer hat in den Jahren 2009 und 2010 einen Restrukturierungsprozess durchlaufen, der insbesondere eine Optimierung der Produktionskapazitäten, des Filialportfolios und der Logistikkosten zum Ziel hatte. Im Zuge dessen wurden auch die beiden Unternehmensteile in Weimar und Mühlheim zusammengeführt. Durch die Organisation als ein einziges Unternehmen werden viele Unternehmensprozesse zentralisiert, was wiederum Kosten spart. Natürlich haben  auch steuerliche Aspekte eine Rolle gespielt.

Anleihen Finder: Sie haben in den vergangenen Jahren Ihr Portfolio deutlich optimiert. Was waren die Überlegungen dafür und ist diese Restrukturierung abgeschlossen bzw. haben die Anleihegläubiger daraus noch Kosten zu erwarten?

A. & G. Heberer: Der Restrukturierungsprozess ist weitgehend abgeschlossen. Natürlich schauen wir weiterhin, wo wir das Unternehmen und dessen Prozesse verbessern können. Daher haben die Anleihegläubiger nicht mit Kosten zu rechnen, sondern profitieren im Gegenteil von den optimierten Abläufen, die unser Ergebnis bereits jetzt verbessern. So hat sich beispielsweise der durchschnittliche Umsatz der Filialen pro Monat von 28.000 Euro auf knapp 30.000 Euro erhöht und der Durchschnittsbon pro Einkauf von 2,38 Euro auf 2,48 Euro.

Anleihen Finder: Das Wichtigste für einen potenziellen Zeichner Ihrer Anleihe ist Ihre Bonität also die Fähigkeit, die Zinsen und Tilgung des Nominals zu gewährleisten. Bei einem Kupon von 7 Prozent wäre Ihr 2010er Jahresüberschuss bereits durch die Zinsen aufgebraucht. Welche Strategie verfolgen Sie hierbei?

A. & G. Heberer: Allein das Ergebnis des ersten Halbjahres 2011 zeigt, wie potent die Wiener Feinbäckerei Heberer ist, da wir trotz der Schließung einiger Filialen unseren Umsatz von 56 Millionen Euro flächenbereinigt mit + 0,3 % stabil gehalten und unser operatives Ergebnis um knapp 30 Prozent auf nahezu 2,6 Millionen Euro steigern konnten.
Daneben führen die regulären Tilgungen der Bankenverbindlichkeiten sowie die geringeren Inanspruchnahmen der Kontokorrentlinien, wie bereits ausgeführt, zu einer entsprechenden Entlastung des Zinsaufwandes. Die Maßnahmen greifen, das ist offensichtlich. Parallel bilden wir Rücklagen, so dass die Verbindlichkeiten bedient werden können. Durch die Expansion des Unternehmens sind wir zuversichtlich, solide Umsätze und Gewinne zu erzielen und so unseren Verpflichtungen nachkommen zu können.

Anleihen Finder: Welche Mittelverwendung planen Sie für das eingesammelte Kapital aus Ihrer Anleihe und wie behandeln Sie hier die Gesellschafterdarlehen sowie das Mezzanine Kapital?

A. & G. Heberer: Wir haben mit dem eingesammelten Kapital zweierlei vor: Zum einen möchten wir unsere Marktposition weiter stärken, indem wir unser Filialnetz an besonders attraktiven Standorten ausbauen. Dazu gehören sicher auch Übernahmen. Außerdem werden wir unser Filialnetz schneller modernisieren und natürlich werden Investitionen in die Produktion und damit Sortimentsinnovationen unterstützt und schließlich kommt auch die Umfinanzierung dem Unternehmen und Anlegern zugute.

Anleihen Finder: Lassen Sie uns über Ihre erste Anleihe sprechen. Was waren die genauen Beweggründe für eine solche Emission? Können Sie uns in diesem Zusammenhang auch kurz erläutern, weshalb Sie sich gegen eine Ratingagentur, gegen ein Börsenlisting sowie gegen eine Handelbarkeit Ihres Wertpapiers ausgesprochen haben?

A. & G. Heberer: Wir bringen verschiedene Voraussetzungen mit, die uns für diese Art von Anleihenbegebung prädestinieren. Unser Umsatz liegt weit über dem Niveau von 30 Millionen Euro, welches für eine Anleihe im Eigenvertrieb notwendig ist. Außerdem kennen uns die Kunden seit vier Generationen. Wir haben im Jahr 2010 etwa 50 Millionen Kundenkontakte gehabt. Wir sprechen die Käufer direkt in den Filialen, am Point of Sale, an. Diejenigen, die die Anleihe zeichnen, investieren in ein Unternehmen, dem sie vertrauen – durch den teilweise täglichen Kontakt. Man darf außerdem nicht vergessen, dass Brot immer gegessen wird. Was könnte sicherer sein, als ins „goldene Handwerk“ zu investieren, gerade in Hinblick auf die momentanen Unsicherheiten an den Börsen. Das ist der Grund, warum wir auf ein Rating, ein Börsenlisting und die Handelbarkeit des Wertpapiers verzichtet haben. Viele unserer Kunden können mit Begriffen wir AAA oder BB+ weniger anfangen als mit dem soliden Ruf des Bäckerhandwerks.

Anleihen Finder: Im Vergleich zum Tagesgeldkonto bieten Sie mit 7 Prozent eine interessante Alternative. Verglichen mit anderen liquideren, gerateten Assetklassen könnte sich dieses Bild leicht verschieben. Warum halten Sie diese Rendite für ausreichend oder anders gefragt, wie lange wird Ihrer Meinung nach die Zeichnungsperiode bis zur Vollplatzierung dauern? Welche Platzierungsstrategie verfolgen Sie konkret?

A. & G. Heberer: Wir sehen keine Nachteile unseres Angebots im Vergleich zu anderen Anbietern. Wie lange die Zeichnungsperiode bis zur Vollzeichnung dauern wird, können wir noch nicht sagen. Die große Anzahl von Anrufen in unserem Callcenter, stimmt uns optimistisch und zeigt uns, dass unser Angebot attraktiv ist und wahrgenommen wird. Außerdem stützen wir den Vertrieb der Anleihe durch Anzeigenschaltungen, Öffentlichkeitsarbeit und eine starke Präsenz des Angebots in den einzelnen Filialen. Das – zusammen mit unserem guten Ruf – wird viele Interessenten überzeugen.

Anleihen Finder: Vielen Dank für das sehr offene Gespräch und weiterhin viel Erfolg bei Ihrer Platzierung.

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