Börse Düsseldorf: Neue Plattform für Unternehmensanleihen im Primärmarkt – Einteilung in Risikoklassen – Abstand der Emissionsrendite zum Durchschnittszinssatz von Bundesanleihen entscheidet – Nein zu „Mittelstandsanleihen“, ja zu Anleihen kleinerer und mittlerer Unternehmen

Donnerstag, 22. Januar 2015


Die
Börse Düsseldorf begräbt zwar ihren „mittelstandsmarkt“, aber schafft mit Subsegmenten in ihrem Primärmarkt eine neue Plattform für Anleihen von kleineren und mittleren Unternehmen.

Die Börse Düsseldorf will weg von der irreführenden Etikettierung „Mittelstandsanleihen“ und schaltet Ihren „mittelstandsmarkt“ ab. Aber anders als die Börse Stuttgart, deren Chef Christoph Lammersdorf den Markt für Minibonds für „tot“ erklärt hatte, glaubt das Düsseldorfer Börsen-Team an eine Zukunft des Marktes für Unternehmensanleihen mit kleineren Tickets:

„Es wäre falsch diese Form der Unternehmensfinanzierung von der Börse zu verbannen, denn insbesondere durch die zunehmende Regulierung brauchen Unternehmen Alternativen für langfristige Fremdkapitalfinanzierungen. Diese neue Segmentierung soll Anlegern die mit einer Investition verbundene Risikoposition noch deutlicher machen, aber auch ein Angebot an besonders bonitätsstarke Unternehmen sein, die mit ihren Zinssätzen deutlich unter dem bisher in diesen Segmenten Üblichen liegen“, so Dirk Elberskirch, Vorsitzender des Vorstands der Börse Düsseldorf AG.

Bisherige „Mittelstandsanleihen“ wechseln in den Primärmarkt

Die Unternehmensanleihen, die bislang im Segment „mittelstandsmarkt“ notierten wechseln in den Primärmarkt. Darunter seien Anleihen von eno Energie, Euroboden, Friedola, Hahn Immobilien, Hallhuber und Seidensticker. Das Segment „mittelstandsmarkt“ werde laut Böse Düsseldorf abgeschafft.

Einteilung nach Emissionsrendite

Für das Listing der Unternehmensanleihen werden im Primärmarkt drei Subsegmente geschaffen, die nach Emissionsrendite eingeteilt werden. Die genaue Einteilung hänge vom Abstand der Emissionsrendite zum Durchschnittszinssatz der 3- bis 5jährigen Bundesanleihen („risikoloser Zins“) ab, informiert die Börse Düsseldorf. Dies soll die Wahrnehmung von Risiken verbessern, insbesondere für Privatanleger.

Aufteilung der Subsegmente

Für die Aufteilung der drei Subsegmente hat die Börse Düsseldorf folgendes vorgesehen: Die Subsegmente werden mit den Buchstaben A, B und C neutral benannt. In den Primärmarkt A können Anleihen aufgenommen werden, deren Emissionsrendite maximal bis zu zwei Prozent über dem risikolosen Zins liegt, in Primärmarkt B die Anleihen, deren Emissionsrendite zwischen 2 und 4 Prozent beträgt und in Primärmarkt C alle Papiere, deren Emissionsrendite einen Abstand von mehr als 4 Prozent zum risikolosen Zins aufweist. Das bedeutet, dass im Körbchen C die nach dem System der Börse Düsseldorf riskantesten Unternehmensanleihen ihren Platz finden sollen.

Laufende Anpassungen dieser Zuordnung würden nicht erfolgen. Auch würden nachfolgende Anleihen derselben Emittentin neu eingeordnet werden, berichtet die Börse Düsseldorf.

„Besondere Publizitätsstandards“

„Emittenten im Primärmarkt haben sich durch das Regelwerk der Börse dazu verpflichtet, Publizitätsstandards einzuhalten und den Anleger fortlaufend mit allen wichtigen Informationen rund um das Unternehmen zu versorgen. Diese Transparenz wollen wir bei Anleihen kleinerer und mittlerer Unternehmen noch verbessern“, sagt Thomas Dierkes, Vorstand der Börse Düsseldorf.

Keine Rating-Verpflichtung

Die Verpflichtung für ein Rating bestehe künftig allerdings nicht mehr, erklärt die Börse, dafür müssten jedoch die Angaben zur genauen Ausgestaltung der Anleihe bezüglich Sicherheiten, Garantien und Covenants besonders deutlich gekennzeichnet werden. Zudem müsse eine Emittentin bestimmte Finanzkenn­zahlen gemäß „DVFA Bondkommunikation“ liefern. Auch Jahres- und Halbjahresberichten sowie Adhoc-Mitteilungen seien zu veröffentlichen.

Anleger könnten sich auf der Website www.primaermarkt.de, die in den kommenden Wochen ausgebaut und laufend um Informationen ergänzt werde, ein umfassendes Bild von den Anleihen machen.

Experten-Meinungen

Die Neuausrichtung habe in Vorabgesprächen eine positive Resonanz erhalten, berichtet die Börse Düsseldorf. Als Service für die Presse hat die Börse Düsseldorf folgende durchweg positiven Statements der Anleihen Finder Redaktion zugesendet:

Garrelt Duin, Minister für Wirtschaft, Energie, Industrie, Mittelstand und Handwerk des Landes Nordrhein-Westfalen:
„Mich freut, dass die Börse Düsseldorf mit der Segmentierung nach Zinshöhe respektive Risiko von Nordrhein-Westfalen aus eine echte Innovation auf den Weg bringt. Das neue Konzept soll die Transparenz für private Anleger verbessern und  die Unternehmensfinanzierung über den Kapitalmarkt wieder attraktiver machen. Letzteres ist wichtig, da langfristige Bankkredite in der Zukunft schwieriger zu erhalten und teurer werden dürften.“

Martin Liedtke, Vorstand der Schnigge Wertpapierhandelsbank AG und Vorsitzender des Beirats Primärmarkt:
„Investoren wie Emittenten brauchen eine faire, neutrale und transparente Plattform, die mit dem weiter entwickelten Primärmarkt nun geschaffen wurde. Der Wegfall der Ratingpflicht ist konsequent, die wesentlichen Finanzdaten der Emittenten und die Gestaltung der Produkte liegen im Primärmarkt zur eigenen Beurteilung offen auf dem Tisch.“

Marc Tüngler, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz e.V.:
„Die neue Transparenz ist ein konsequenter Schritt der Börse, im Interesse der Privatanleger. Unternehmensanleihen richten sich grundsätzlich an erfahrene Anleger, denen mit der Segmentierung nach der Zinshöhe ein klarer Anhaltspunkt für die bestehenden Risiken gegeben wird. Ein echter Mehrwert!“

Thomas Kuhlmann, Mitglied des Vorstands der Hahn-Immobilien-Beteiligungs AG:
„Die neue Segmentierung ist ein sinnvoller und notwendiger Schritt im Interesse der Anleger. Als Unternehmen begrüßen wir die zusätzlichen Reportingpflichten, die für mehr Transparenz und Vergleichbarkeit sorgen werden. Im gleichen Zuge werden wir unser nicht mehr notwendiges Anleiherating aufgeben, da auch wir die neuen Standards als sinnvoller ansehen.“

Prof. Dr. Christoph J. Börner, Lehrstuhlinhaber BWL an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf:
„Es ist richtig, das Thema Unternehmensanleihen weiter zu entwickeln, da es sich um eine grundsätzlich geeignete Finanzierungsform für Unternehmen und eine Anlagemöglichkeit für erfahrene Investoren handelt. Die Börse Düsseldorf unterstützt dies, indem sie mit dem Primärmarkt nun einen noch transparenteren Marktplatz schafft.“

Dr. Thorsten Kuthe, Rechtsanwalt und Partner von Heuking Kühn Lüer Wojtek:
„Die zentrale Botschaft der neuen Segmentierung ist bestechend einfach: Je höher der Zins, desto höher das Risiko. Mit den Finanzkennzahlen und der Hervorhebung der Information über die konkrete Ausgestaltung der Anleihen bezüglich Sicherheiten, Garantien und Covenants ergibt sich ein rundes Bild für alle.“

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Anleihen Finder Redaktion. Timm Henecker.

Foto: Tax Credits / flickr

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