Biogasunternehmen: Wer sich nicht schnell anpasst, muss gehen

Freitag, 26. April 2013


Wenn es um Biogas geht, ist Deutschland ganz vorne. Mehr als 7.500 Biogasanlagen stehen hier – und damit etwa so viele wie im gesamten restlichen Europa zusammen. Doch niedrigere Vergütungen für Strom aus Biogas, die Unsicherheit um das Erneuerbare Energien-Gesetzes (EEG) sowie die gestiegenen Rohstoffpreise machen deutschen Biogas-Unternehmen zu schaffen. Auch Anleihe-Emittenten wie die MT-Energie GmbH und die KTG Energie AG müssen Flexibilität beweisen, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Chancen bietet der Auslandsmarkt.

Mitte des letzten Jahres musste der Biogas-Projektierer BKN biostrom Insolvenz anmelden. Bedingt durch politische Unsicherheiten war es dem Unternehmen aus Vechta nicht gelungen, neue Investoren für seine Produktpipeline zu gewinnen. Die Gläubiger der BKN biostrom-Anleihe müssen nun um ihr Kapital fürchten.

Entsprechend sensibel reagierte der Markt, als jüngst die MT-Energie GmbH ein negatives Gesamtergebnis für 2012 sowie einen Personalabbau aufgrund der gesunkenen Nachfrage nach neuen Biogasanlagen ankündigte. Der Anleihekurs des Herstellers von Biogasanlagen, der Anfang März noch bei über 105 Prozent gelegen hatte, brach massiv auf zeitweise 72,5 Prozent ein.

Die Förderbedingungen sind im Ausland inzwischen günstiger

Andrea Horbelt vom Fachverband Biogas e. V. fasst die Stimmung im Markt zusammen: „Momentan geht es eigentlich allen Biogas-Firmen schlecht. Schuld daran sind neben dem EEG 2012 auch die gestiegenen Substratpreise und vor allem die große Verunsicherung, die die aktuelle Debatte um das EEG aus dem Umwelt- und Wirtschaftsministerium ausgelöst hat.“ Die Novelle des EEG in 2012 schreibt neben einer niedrigeren Vergütung für Biogas-Strom unter anderem vor, dass bei neuen Biogasanlagen mindestens 60 Prozent der entstehenden Wärme sinnvoll genutzt werden müssen.

 

Viele Unternehmen verlagern ihre Aktivitäten deshalb in das Ausland. „Aus Deutschland kommen keine neuen Aufträge rein; wer im Ausland aktiv ist – und das sind die meisten größeren Unternehmen – kann die fehlenden Inlandsaufträge durch den Export etwas kompensieren“, so Horbelt. Es wird davon ausgegangen, dass die Biogasmärkte in Italien, dem Vereinigten Königreich, Tschechien und den Niederlanden aufgrund der dort günstigen Förderbedingungen weiter wachsen werden.

Riesiges Potenzial in „Flächenländern“

Das hat auch die MT-Energie GmbH erkannt. Das Unternehmen aus Zeven sieht die Zukunft des Anlagenbaus im Ausland. „Wer sich heute noch nur auf den deutschen Markt konzentriert, wird es schwer haben. Mit einem Auslandsanteil in Höhe von etwa 50 Prozent ist MT-Energie bereits heute in 10 Ländern engagiert und will sein Auslandsgeschäft weiter fokussiert ausbauen. Flexibilität ist ein entscheidendes Erfolgskriterium“, erläutert Torben Brunckhorst, geschäftsführender Gesellschafter von MT-Energie. Ein Grund für den Schritt über die Landesgrenzen sei auch die Sättigung des deutschen Marktes nach dem starken Zubau in den Jahren 2010 und 2011. „Angesichts der nur begrenzt zur Verfügung stehenden Flächen und der in den vergangenen Jahren stark gestiegenen Pachtpreise zeigen sich natürliche Grenzen des Wachstums“, erklärt Brunckhorst. „Beim Thema Biogas ist Deutschland der mit Abstand am weitesten entwickelte Markt. In den meisten internationalen Märkten ist die wirtschaftliche Nutzung von Biogas noch weitgehend unbekannt. Insbesondere in den Flächenländern gibt es weltweit ein riesiges Potenzial für die effiziente Nutzung der Biogastechnologie. Zum anderen gibt es sehr große Ressourcen an organischen Abfallstoffen. In vielen Ländern sind die Bedingungen für die Nutzung dieser Abfallstoffe wesentlich günstiger als in Deutschland.“

In Deutschland: Markt für Wartung und Service

Im Inland will die MT-Energie einen anderen Schwerpunkt setzen: „Der deutsche Markt bietet mit seinem Anlagenbestand ein sehr großes Potenzial für den technischen und prozessbiologischen Service. MT-Energie arbeitet seit Jahren intensiv am Ausbau dieses Geschäftszweiges“, berichtet Brunckhorst.

KTG-Energie versorgt sich selbst mit Rohstoffen

Relativ unbeeindruckt von den gestiegenen Rohstoffpreisen ist der Biogasanlagenbetreiber KTG-Energie AG. Vorstand Dr. Thomas R. G. Berger erklärt, warum: „Durch die unmittelbare Nähe der Biogasanlagen zu den Agrarflächen unserer Muttergesellschaft KTG Agrar und durch langfristige Abnahmeverträge sind wir unabhängig von den Preisentwicklungen an den Märkten. Das gibt uns eine hohe Planungssicherheit und Stabilität bei der Versorgung mit Inputstoffen.“ Günstig für beide Unternehmen ist dabei der Einsatz von Zweitfrüchten: Die KTG Agrar baut dabei zunächst Getreide für die Nahrungsmittelproduktion an. Nach der Ernte im Sommer werden dann die Zweitfrüchte ausgesät und im Spätherbst für die Energieproduktion geerntet. So entsteht keine „Konkurrenz“ zwischen Nahrungs- und Energieproduktion.

In das Ausland zieht es die KTG-Energie nicht so sehr. Stattdessen verfolgt das Unternehmen die Strategie, hiesige Biogasanlagen zu übernehmen und in sein Geschäftsmodell zu integrieren. „Wir schauen uns jedoch Märkte wie Litauen und Rumänien an, in denen die KTG Agrar Flächen bewirtschaftet“, verrät Dr. Berger.

Unternehmen müssen schnell reagieren können

Wer im Markt für Biogas langfristig bestehen will, muss seine Strategien geschickt auf die sich wandelnden Gegebenheiten abstimmen und wenn nötig, schnell umdisponieren. Biogas-Expertin Andrea Horbelt: „Bei der Planung einer Biogasanlage sollte man nicht mit spitzem Bleistift von optimalen Rahmenbedingungen ausgehen. Wenn die Rechnung unterm Strich dann noch stimmt, ist eine Biogasanlage auch eine sichere Geldanlage.“

Anleihen Finder Redaktion

Foto: MT-Energie GmbH

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