Auswirkungen der Finanzkrise auf die juristische Dokumentation von mezzaninen Finanzierungsinstrumenten

Sonntag, 15. Februar 2009

Ein Anleihen Finder- Interview mit Dr. Lars Röh von lindenpartners.

Anleihen Finder: Herr Dr. Röh, die weltweite Finanzkrise hat die Kapitalmärkte durcheinander gewirbelt und das Vertrauen in nahezu alle Assetklassen signifikant verändert. Sehen Sie als Jurist und Berater bei der Strukturierung von Mezzaninen Finanzierungsinstrumenten (z.B. Schuldschein, Genussrecht, Anleihe) Auswirkungen auf die Wahl und die Gestaltungen der Vertragsformen beispielsweise auf den Emissionsprospekt?

Dr. Lars Röh (lindenpartners): Derzeit beobachten wir einen starken Wunsch der Investoren nach Reduktion von Komplexität. Das betrifft zum einen private Anleger, die mit Zertifikaten und anderen derivativen Produkten im Zuge der Finanzkrise erhebliche Verluste erlitten haben. Diese Anleger bevorzugen heute einfach strukturierte, verständliche Anlageformen. Zum anderen suchen institutionelle Investoren wieder verstärkt den Zugang zu Direktinvestments in attraktive Unternehmen. Die Zeiten, in denen man auf von Banken aufbereitete, indirekte „Anlagenbündel“ in Form von ABS und CDO´s vertraut hat, sind vorerst vorbei. Dies erhöht generell die Attraktivität von mezzaninen Finanzierungsinstrumenten. Die Gestaltung der Emissionsprospekte, die ja überwiegend aufsichtsrechtlich vorgegeben ist, scheint mir hiervon weniger betroffen zu sein.

Anleihen Finder: Können Sie sich vorstellen, dass sich der Umfang bzw. die Komplexität der Verträge und damit die Kosten für ihre Erstellung in Zukunft signifikant erhöhen werden? Wenn ja, in welchem Ausmaß?

Dr. Lars Röh (lindenpartners): Was wir derzeit sehen ist, dass sich die Risikoprämien für jedwede Form der Finanzierung, insbesondere für Unternehmensanleihen, erhöhen. Insoweit macht die allgemeine Vertrauenskrise vor mittelständischen Emittenten nicht halt. Dies mag sich auch in komplexeren vertraglichen Sicherungsmechanismen niederschlagen. Dass hierdurch generell die Kosten der Vertragsdokumentation in die Höhe getrieben werden, sehe ich jedoch nicht.

Anleihen Finder: Durch die Pleite von Lehman haben viele Zertifikatebesitzer beachtliche Summen verloren. Erwarten Sie vor diesem Hintergrund auch in Deutschland Schadensersatzklagen gegen die mittelständischen Emittenten von Mezzaninen Wertpapieren? Wie können sich die Emittenten juristisch dagegen schützen?

Dr. Lars Röh (lindenpartners): Der beste Schutz vor Schadensersatzansprüchen ist immer noch eine saubere Vertragsdokumentation sowie eine faire Risikoaufklärung und Anlageberatung. Für ersteres ist der mittelständische Emittent zuständig. Für letzteres die Vertriebsstellen (Kreditinstitute, freie Vermittler). Der Teufel steckt auch hier häufig in überkomplexen Zertifikats- oder Anleihebedingungen, die jetzt zunehmend auf den AGB-rechtlichen Prüfstand kommen. Da sich Unternehmensanleihen und mezzanine Finanzinstrumente durch eine vergleichsweise geringe Komplexität auszeichnen, sehe ich hier den mittelständischen Emittenten eher im Vorteil.

Anleihen Finder: Wie ist Ihr Ausblick für Mezzanine Finanzierungsformen aus juristischer Sicht und welche Rolle wird lindenpartners dabei spielen?

Dr. Lars Röh (lindenpartners): Das erhöhte Anlegerinteresse an unmittelbaren Unternehmensbeteiligungen, sei es auf der reinen Fremdkapital- oder der mezzaninen Ebene, wird auch die Nachfrage nach qualifizierter juristischer Beratung steigen lassen. Ich glaube, dass lindenpartners mit seinem fachübergreifenden, partnergetriebenen Beratungsansatz hierfür gut aufgestellt ist.

Anleihen Finder: Wir wünschen lindenpartners für die Zukunft viel Erfolg und bedanken uns für das interessante Interview.

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