Manuel Hoelzle, Chefanalyst und Vorstandsvorsitzender der GBC AG: „Credit Research bietet Prognosen für die zukünftige Bonität“ – Was genau ein Credit Research von einem Rating unterscheidet

Mittwoch, 21. August 2013


Immer mehr Ratingagenturen bieten mittelständischen Anleihe-Emittenten ihre Dienste an. Doch auch andere Unternehmensanalysten und Researchhäuser sind im Markt aktiv und haben Produkte zur Bonitätseinschätzung und Risikobewertung entwickelt. Dipl.Kfm. Manuel Hoelzle, Chefanalyst und Vorstandsvorsitzender des bankenunabhängigen Investmenthauses GBC AG, erklärt, was genau ein Credit Research von einem Rating unterscheidet:

Mittlerweile schreiben fast alle Börsen die Bereitstellung eines Emittentenratings zur Bonitätseinschätzung vor. Dem Anleger wird dabei eine solide Risikoeinschätzung des Mittelstandsunternehmens auf Basis historischer Daten ermöglicht, sofern neben der Rating Note (wie z.B. BBB) zumindest ein Auszug, bestmöglich jedoch der gesamte Ratingbericht zur Verfügung gestellt wird.

Der Rating Bericht ist aus unserer Sicht eine notwendige aber noch nicht ausreichende Information für Investoren im Rahmen einer Emission von Unternehmensanleihen. Denn Ratings beinhalten i.d.R. keine transparente Prognosen über die weitere Unternehmensentwicklung des Mittelstandsunternehmens. Gerade die erwartete Zukunftsentwicklung ist aber für Investoren besonders wichtig.

Und auch die Analyse und Einordnung der Ausstattungsmerkmale der Anleihe (z.B. Höhe des Zinskupon, Anleihenlaufzeit, Zinszahlungsintervalle, Kündigungsrechte etc.) und der Vergleich zu am Markt bereits gehandelten oder kürzlich begebenen Anleihen (sog. Peer Group Vergleich) werden durch das Rating noch nicht ermöglicht.

Zukünftige Bonität ist entscheidend für die Kaufentscheidung von Investoren

Gerade eine fundierte Analyse und Prognose der weiteren Unternehmensentwicklung ist für Anleiheninvestoren selbstredend von besonderer Bedeutung. Denn insbesondere aus dem zukünftigen operativen Gewinn muss das Mittelstandsunternehmen die Zinszahlungen und auch (falls nicht vorzeitig prolongiert wird) die zukünftige Rückzahlung tragen können. Hierbei sind Kennzahlen wie z.B. prognostizierte Zinsdeckungsgrade (Interest Coverage Ratio) von entscheidender Bedeutung. Dadurch lässt sich im Credit Research auf Basis der Prognosen eine „zukünftige Bonität“ bestimmen. Im Credit Research ist zudem die geplante Mittelverwendung aus der Unternehmensanleihe ein essentieller Faktor und so stellt beispielsweise eine Vor-Anleihen-Betrachtung (Pre-Money) und Nach-Anleihen-Betrachtung (Post-Money) eine transparenzfördernde Information für Investoren dar.

Einstufung und Bewertung der Unternehmensanleihe bietet wichtigste Entscheidungsunterstützung

Abschließend ist die Einstufung und Bewertung der Anleihe im Marktvergleich die wichtigste entscheidungsunterstützende Information für den Investor. Denn eine in der Emission befindliche Unternehmensanleihe konkurriert selbstredend mit anderen bereits am Markt notierten Anleihen. Im Credit Research Bericht wird deshalb die Positionierung der Mittelstandsanleihe mit ihrem Rendite/Risiko-Profil auf Basis der Ausstattungsmerkmale transparent sichtbar gemacht.

Kann die Anleihe überzeugen, so erhält diese vom Analysten einen entsprechenden Positivvermerk, z.B. „Überdurchschnittlich Attraktiv“ und damit beste Voraussetzungen für eine erfolgreiche Anleiheemission.

Manuel Hölzle, GBC AG

kleines Foto: GBC AG, großes Foto: Alexandra Bucurescu_pixelio.de

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