Wirbel um MS Deutschland-Unternehmensanleihe: Börse Frankfurt fordert neues Rating der Traumschiff-Anleihe – Emittentin: Mehr als 30 Prozent mehr Vorbuchungen für das „Traumschiff“ als im letzten Jahr

Montag, 30. Dezember 2013


„Die Deutsche Börse hat den Emittenten aufgefordert, umgehend ein neues Rating vorzulegen. Gemäß den Geschäftsbedingungen für den Freiverkehr an der Frankfurter Wertpapierbörse kann bei einem schuldhaften Verstoß gegen Einbeziehungsfolgepflichten eine Vertragsstrafe verhängt werden. Unter Umständen kann die Börse auch die Einbeziehung einer Anleihe in den Handel kündigen“, lautet das Statement der Deutschen Börse AG zum Fall MS Deutschland Beteiligungsgesellschaft mbH.

Die Anleihen Finder Redaktion hatte die Deutsche Börse AG um eine Stellungnahme zur Aussetzung des Anleihen- und Emittenten-Ratings der MS Deutschland Beteiligungsgesellschaft mbH durch die Scope Ratings GmbH gebeten. Ein aktuelles Rating ist Voraussetzung für ein Listing einer Unternehmensanleihe im Segment Entry Standard der Börse Frankfurt.

„Die MS Deutschland GmbH wird weiterhin den konstruktiven Dialog mit Scope suchen, um eine entsprechende Verständigung und eine Wiederaufnahme des Ratings der Anleihe zu erreichen“, antwortete die MS Deutschland Beteiligungsgesellschaft bereits einen Tag vor Heiligabend.

Der Kurs der MS Deutschland Beteiligungsgesellschaft mbH-Unternehmensanleihe stoppt seit der Antwort der Emittentin am 23.12.2013 seine Talfahrt und stand heute zeitweise wieder bei 55.

MS „Deutschland“ Beteiligungsgesellschaft mbH reagiert mit offensiver Investor Relations-Arbeit

Erfahrungsgemäß kann es jetzt mehrere Wochen lang dauern, bis die Börse Frankfurt, die Ratingagentur Scope und die MS Deutschland Beteiligungsgesellschaft mbH ihre Gespräche abschließen. Am Ende könnten neue Ratings der bisherigen Ratingagentur Scope oder ein Auftrag an eine andere Ratingagentur oder auch ein Wechsel der MS Deutschland-Unternehmensanleihe in ein anderes Börsen-Segment, in dem kein Folgerating zwingend Voraussetzung ist, stehen.

Auf jeden Fall kann die Unternehmensanleihe der MS Deutschland Beteiliungs GmbH nicht mehr im Entry Standard gehandelt werden, wenn in den nächsten Wochen kein neues Rating von der MS Deutschland bei der Deutschen Börse AG in Frankfurt eingereicht wird.

Die MS Deutschland Beteiligungsgesellschaft mbH reagiert offensiv, weist die Kritik der Scope Ratings-Analysten zurück und lenkt den Blick auf die aktuellen Buchungszahlen: „Wir sind auf Kurs und werden das Geschäftsjahr 2013 im Rahmen unserer Ende September 2013 veröffentlichten Umsatz- und Ergebnisprognose abschließen. Der Buchungsbestand für das kommende Jahr liegt bereits um mehr als 30 Prozent höher (Stand Dezember 2013) als im Vergleich zum Buchungsbestand im Dezember vor einem Jahr (Dezember 2012), sagte Christopher Nolde, Sprecher der Geschäftsführung der MS Deutschland GmbH, im Gespräch mit der Anleihen Finder Redaktion. Auch die Buchungen der Stammkunden lägen im Vergleich zum Vorjahr um 14 Prozent höher.

Scope hatte das Zurückziehen der Ratings mit einem „nicht ausreichenden Informationsstand“ begründet, was für die MS Deutschland Beteiligungs mbH nicht nachvollziehbar ist: Im Rahmen des seit August 2013 laufenden Folgeratingprozesses wären den Scope-Analysten „alle angeforderten Informationen in Bezug auf das Unternehmen“ zur Verfügung gestellt worden, heißt es in der Meldung an die Presse der Traumschiff-Gesellschaft einen Tag vor Heiligabend. Zudem sei die „Schiffsbewertung in Einklang mit den Anleihebedingungen aktualisiert worden.“

MS Deutschland kämpft um Glaubwürdigkeit ihres Besicherungskonzeptes

Aber die Rating-Experten von Scope würden der Schiffsbewertung nicht mehr trauen und hätten ein „Sondergutachten“ angefordert, schreibt Holger Paul sinngemäß in seinem Artikel „Dem Traumschiff schlägt rauher Wind entgegen“, der am 27.12.2013 auf faz.net veröffentlicht wurde und sich teilweise auf „Branchenbeobachter“ beruft.

Die MS Deutschland kämpft um die Glaubwürdigkeit ihres Besicherungskonzeptes und bekräftigt, dass die Traumschiff-Unternehmensanleihe mit einem Volumen von insgesamt 50 Millionen Euro durch eine erstranginge Schiffshypothek besichert sei. Darauf würde sich auch das im Rating-Bericht vom November 2012 beschriebene Scope-Rating – damals mit der Top-Rating-Note: „A“ – beziehen.

Der Wert des Schiffes werde jedes Jahr durch „ein vom Anleihetreuhänder einzuholendes Gutachten“ überprüft. Das Jahresgutachten des schon beim Erstrating tätigen Gutachters liege Scope seit Oktober 2013 vor und „bestätige den Wert des Schiffes in Höhe von unverändert 100 Millionen US-Dollar.“

Auch auf den Vorwurf der Rating-Analysten, dass es fraglich sei, geplante Investitionsvorhaben umsetzen zu können, geht die Schiffsbetreibergesellschaft ein: Die vorgesehenen wertsteigernden Investitionen in französische Balkone seien ebenso wie die Zinszahlung für 2014 durch die „volle Unterstützung ihres finanzstarken Mehrheitsgesellschafters“ (die Aurelius AG, Anleihen Finder Redaktion) im Bedarfsfall abgesichert.

Nach aktueller Unternehmensplanung werde die MS Deutschland GmbH die Zinszahlungen für die Traumschiff-Unternehmensanleihe spätestens ab dem Jahr 2015 vollständig aus eigener Kraft bedienen können, so die Emittentin.

Neuer Traumschiff-Kapitän Sascha Hehn am Neujahrstag zum ersten Mal auf der Brücke

P.S.: Am Neujahrstag 2014 wird das ZDF erstmals eine Folge der TV-Serie „Das Traumschiff“ mit dem Schauspieler Sascha Hehn als Traumschiff-Kapitän ausstrahlen. Nicht ganz ernst gemeint ist der Tipp für Anleihe-Gläubiger der MS Deutschland Beteiligungsgesellschaft mbH, dass man sich via TV einen Eindruck vom Zustand des Schiffes machen könnte.

Anleihen Finder Redaktion

Foto: ZDF

Anleihen Finder Datenbank

MS “Deutschland” Beteiligungsgesellschaft mbH

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