Wirbel um Maritim Vertriebs GmbH: Was führt die Maritim Vertriebs im Schilde? – Was sollten Anleihegläubiger jetzt tun?

Dienstag, 29. Juli 2014


Die Reaktionen in der Fachpresse und in den Internetforen auf die aktuellen Manöver der Maritim Vertriebs GmbH sind außergewöhnlich heftig. Beispiele: „(…) Du hast ja echt Nerven. Respekt. Ich bin gestern raus. Zum fast Tiefstkurs von 73. Das Angebot des Rückkaufs war mir gestern auch schon bekannt, wurde hier ja am Freitag schon gepostet. Nur glaube ich den Brüdern kein Wort. Die finden einen Weg das Rückkaufsangebot platzen zu lassen. Meine übrigen M-Bonds werde ich jetzt ebenfalls schrittweise verkaufen, die Nerven und die Zeit habe ich nicht um hier stündlich nachzusehen, was irgendwelche Gangster mit meinem Geld anstellen. Dann lieber aufs Tagesgeld. Gibt zwar keine Zinsen, aber mein Kapital bleibt erhalten“, schreibt heute Morgen der User „Tigercat“ im Bondboard in der Diskussion „Maritim Vertiebs GmbH 8,25% 2014 A1MLY9“

Der Chefredakteur des BOND MAGAZINS, Christian Schiffmacher, fordert in seinem eindringlichen Appell,  „Maritim Vertriebs GmbH: Alles nur Dummheit?“, neben der vertragsgemäßen Rückzahlung der Maritim Vertriebs GmbH-Anleihe, die Veröffentlichung der vollständigen Jahresabschlüsse 2012 und 2013 und die Absage der Gläubigerversammlung.

Zudem lenkt Schiffmacher das Scheinwerferlicht auf die Bayerische Vermögen AG. Schiffmacher fordert, dass „in den kommenden 30 Tagen Mitarbeiter der Bayerische Vermögen AG keinerlei Transaktionen in der Maritim Vertriebs GmbH-Anleihe (ISIN DE000A1MLY97) durchführen.“ Laut Schiffmacher sei der Maritim Vertriebs-Geschäftsführer Jürgen Steinhauser auch „Geschäftsbereichsleiter und Aufsichtsrat bei der Bayerische Vermögen AG (vormals Neue Vermögen AG), Traunstein, einer Vermögensverwaltung mit einem nach eigenen Angaben betreuten Vermögen von über 1,2Milliarden Euro. Maritim Vertriebs-Geschäftsführer Ulrich Jehle sei „Bankfachwirt und arbeite als Vermögensverwalter ebenfalls bei der Bayerische Vermögen AG.“

Was war passiert?

Schon am Donnerstag in der letzten Woche veröffentlichte die Anleihen-Emittentin Maritim Vertriebs GmbH im Bundesanzeiger klammheimlich und völlig überraschend eine Einladung zur Gläubigerversammlung für den 28.08.2014. Die Öffentlichkeit und somit auch viele Anleihegläubiger wurden nicht zeitgleich umfassend informiert. Am Sonntag twitterte dann der User „Buxte“, ein engagierter Kenner des Marktes der Unternehmensanleihen: „Maritim Vertriebs GmbH ruft zum 28.08. GV ein. Vorschlag: 5 Jahre länger, 5% weniger! (Quelle: Bundesanzeiger).“

So wurde bekannt, dass die Maritim Vertriebs GmbH ihre Anleihegläubiger dazu bewegen will, einer Verlängerung der Laufzeit der Unternehmensanleihe um fünf Jahre und einer Herabsetzung des Zinskupons von 8,250 auf 3,25 Prozent zuzustimmen. Die Maritim Vertriebs-Unternehmensanleihe ist am 1. Dezember dieses Jahres fällig.

„Immer dreister“

„Sie werden immer dreister – aber das ist schon an Frechheit nicht mehr zu überbieten“, schreibt dazu der Diskussionsteilnehmer „Aldy“ im Bondboard und rät dazu, die Anleihe nach § 314 BGB, „Kündigung von Dauerschuldverhältnissen aus wichtigem Grund“, zu kündigen.

Auch Bondboarder „Stupidgame“ sieht die Möglichkeit einer „regulären, außerordentlichen Kündigung.“ „Sobald als möglich versuchen, und sich keinesfalls auf diesen ‚Oktober-Deal‘ verlassen“, so „Stupidgame.“

Das Bondboard-Mitglied „Stupidgame“ spielt mit „Oktober-Deal“ auf folgenden Passus in der Presseerklärung der Maritim Vertriebs GmbH an: „Unabhängig davon bietet die Maritim Vertriebs GmbH allen verkaufswilligen Anleihegläubigern im Rahmen eines Rückkaufangebots an, die Inhaber-Teilschuldverschreibungen per 1. Dezember 2014 zum Kurs von 100 Prozent zurückzukaufen. Das Rückkaufangebot kann nur in der Zeit vom 1. Oktober 2014 bis 15. Oktober 2014 durch schriftliche Erklärung des Anleihegläubigers gegenüber der Emittentin angenommen werden.“

Die Kündigungsrechte der Anleihegläubiger und auch die Bedingungen für eine Gläubigerversammlung sind im gültigen Wertpapierprospekt der Maritim Vertriebs GmbH-Unternehmensanleihe aufgeführt. Bitte hier vom Server der Anleihen Finder GmbH downloaden.

Ungereimtheiten

Schaut man sich die Begründung der Maritim Vertriebs GmbH für ihr Verlängerungs- und Absenkungs-Manöver an, fallen Ungereimtheiten auf. Im Kern argumentieren die Geschäftsführer, dass sie nicht genug Rendite erwirtschaften können, um Zinsen und Anleihen pünktlich und im vollem Umfang zu den vereinbarten Konditionen zurückzuzahlen: „Die zurückgeführten Mittel wurden von der Maritim Vertriebs GmbH gemäß den Anleihebedingungen erneut in Vorzugskapital sowie in Kommanditkapital der Einschiffsgesellschaften reinvestiert. Das Kommanditkapital lässt allerdings im Vergleich zum äußerst attraktiven Vorzugskapital eine geringere Rendite erwarten. Dies macht bei einer Verlängerung der Anleihelaufzeit eine entsprechende Anpassung des Kupons notwendig. In absehbarer Zeit sollen alle Vorzugskapitalia zurückgezahlt sein.“

Und weiter: „…Würden wir die Anleihe wie vorgesehen zurückzahlen, ginge dieser vorteilhafte Erwerb dieser Kommanditanteile dauerhaft verloren, da diese Anteile hierfür veräußert werden müssten. Angesichts der guten Geschäftsentwicklung wäre das bedauerlich“, so Ulrich Jehle, Geschäftsführer der Maritim Vertriebs GmbH, in der Pressemitteilung.

Im Folgenden der Pressemitteilung ist von einem „positiven Geschäftsverlauf der Einschiffsgesellschaften“ die Rede. Spätestens an dieser Stelle fragt sich der interessierte Anleger, warum die Emittentin bei einer positiven Geschäftsentwicklung des eingesetzten Kapitals kein frisches Geld auftreiben kann, um die Anleihegläubiger pünktlich und in voller Höhe auszuzahlen.

Wo ist der Geschäftsbericht 2013?

Hilfreich wäre es jetzt, wenn die Maritim Vertriebs GmbH einen vollständigen, testierten Bericht über ihr Geschäftsjahr 2013 und auch einen aktuellen Ratingbericht veröffentlichen würde, um den angeblich „positiven Geschäftsverlauf“ zu belegen. Bei einem guten Geschäftsverlauf wäre sicher auch ein von einigen Martkennern erwartetes Folgemanöver mit der Überschrift „Sanierung in Eigenverwaltung“ nicht nötig.

Der Kurs der Maritim Vertriebs GmbH-Unternehmensanleihe fiel innerhalb der letzten  Tage um mehr als 20 Prozent.

Anleihen Finder Redaktion. Christoph Morisse.

Foto: Gunnar Ries/flickr

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