Warum Märchen nicht immer gut ausgehen – und wie wir das Happy End doch noch retten können – Kolumne von Britta Hosters, SCHNIGGE Wertpapierhandelsbank AG

Dienstag, 25. Juni 2013

Das Zinsniveau dümpelt auf Rekordtief, und man hat das Gefühl, dass es echte Renditen nur noch im Märchen gibt. Viele Investoren denken wehmütig daran, wie schön es war, als es noch die hübschen hochglanzpolierten Möglichkeiten gab,  die – so der Bankberater – zauberhafte Renditen versprachen. Höher, schneller, weiter – märchenhaft! Wir alle wissen, wie die Geschichte ausging: „… und da sie gestorben sind, leben sie heute leider nicht mehr“ = nicht richtig hingeschaut, nicht alles ganz verstanden, aber geblendet von der ansprechenden Verpackung und der Ansicht, dass „die Massen sich doch wohl nicht irren“ können – und (des Kaisers neue Kleider) gekauft.

Dann kam die Krise Ende 2008. Mit ihr wurde ganz unromantisch der Sprint gestoppt und in demütiges Schlurfen umgewandelt. Vorbei die Zeit, in der man dicke Renditepakete vom Bankberater geschnürt bekam; Glitzer blätterte ab, darunter kamen Mogelpackungen ans Licht, die eher an Horrorgeschichten als an Märchen erinnerten.

Erschüttert nahm sich die Branche vor, „ab jetzt aber ganz genau!“ hinzuschauen. Man sprach von vollmundigen „Lessons learned“ und ersann Maßnahmen, die die Wiederholung eines solchen Desasters verhindern sollten. Zentrales Motto: Qualität! Mahnend erhob sich eine Stimme: „Was man billig kauft, kauft man zweimal“. Wie viele Ausarbeitungen zur Verbesserung der Qualitätsprüfung von Investments in der Folge erstellt wurden, weiß nur das Universum.

Vielleicht kann das Universum allein aber auch erklären, warum der Kapitalmarkt Stand heute auf dem besten Wege zurück in den dunklen, bitterkalten Wald ist, indem er das Motto Qualität wieder über Bord wirft?!

Natürlich, es ist kein Wunder, dass das Segment der Mittelstandsanleihe gerade jetzt attraktiv ist. Investments in Deutschland sind „in“, denn trotz aller Unkenrufe wächst die deutsche Wirtschaft, und auch der Ausblick ist vorsichtig positiv. Die Kupons klingen spannend, dazu ist es ein recht liquides Instrument an der Börse – herrlich! Her damit!

Man möchte ein großes, neongrelles Warnschild hochhalten, nein, eine Sirene in Gang setzen – am besten beides.  Die Lerneffekte, wo sind sie geblieben? Was hat sich geändert an dem so ernsthaft gefassten Vorsatz, dass Qualität das A und O sein muss?

Ganz konkret: nicht nur bei Neuemissionen, auch im Bereich der Anleihe-Aufstockungen gilt es, eben nicht die Gold witternde, aber nachlässig arbeitende Pechmarie zu geben (denn auch in diesem Fall wissen wir alle, wie das Märchen endete!). Eine (erneute) Analyse, insbesondere im Hinblick auf Verschuldungsgrad und Rating, darf nicht unterbleiben! Himmel, hilf!

Da dies aber nicht der Fall sein wird, sind nun zunächst die emissionsbegleitenden Banken am Zug – in der Vorselektion.  Eine Kröte ist und bleibt eben eine Kröte: nur weil die Nachfrage auf der Investorenseite gerade vorhanden ist, darf es nicht sein, dass sich Restrukturierungsfälle mit fragwürdigem Geschäftsmodell (hey, aber hübschem Marketingmaterial!) an den Kapitalmarkt „schummeln“.  Zu groß ist die Gefahr, dass das Segment der Mittelstandsanleihe einen Reputationsverlust erleidet, der dem Großteil der durchaus kreditwürdigen Emittenten nicht gerecht wird. Noch schlimmer wäre es, würde dem gesamten Markt wegen einiger weniger schwarzer Schafe komplett der Rücken gekehrt.

Der zweite Qualitätsfilter nach den Emissionsbegleitern müssen die Anleger selbst sein. Hätte der Prinz wohl die Richtige geheiratet, wenn er nicht die Aschenputtel’sche Schuh-Probe vorgenommen hätte? Auch bei Anleihen lohnt sich ein prüfender Blick, um sich nicht die garstige Stiefschwester ins Haus zu holen!

Getreu dem Motto „Die schlechten ins Kröpfchen, die guten an die Börse“ sollte es das Bestreben aller Beteiligten sein, die Wandlung des Anleihen-Aschenputtels zur Prinzessin nicht wieder umzukehren und es nicht in die staubige Ecke zu schicken.  Eines ist gewiss: selbst bei einem allgemeinen Zinsanstieg wird die Mittelstandsanleihe mit ihrem derzeitigen Zinsvorsprung auch weiterhin eine attraktive Braut sein. Sollte das Segment beim Publikum allerdings in Ungnade fallen (weil es selbst nicht richtig aufgepasst hat!), wird auch in diesem Fall wieder kein schöner Prinz zur Rettung auf einem weißen Pferd geritten kommen.

Drum prüfe, wer sich börslich bindet, ob sich nicht was bess’res findet!

Britta Hosters


Kurzvita von Britta Hosters

Britta Hosters begleitet als Expertin auf dem Gebiet Business Development, Strategie und Vertrieb den gesamten Prozess eines Mandates bei der SCHNIGGE Wertpapierhandelsbank AG mit dem Schwerpunkt Platzierung und Produktmanagement.

Als ausgebildete Bankkauffrau und internationale Diplom-Betriebswirtin ist sie seit über acht Jahren im Investmentbanking, u.a. für HSBC Trinkaus und Deutsche Bank AG, sowie im Verkaufstrainingsbereich tätig.


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