„Emittenten sind professioneller geworden“ – Interview mit Hans-Jürgen Friedrich, Vorstand der KFM Deutsche Mittelstand AG

Freitag, 15. Dezember 2017
Hans-Jürgen Friedrich Vorstand KFM Deutsche Mittelstand AG Kolumne Anleihen Finder Redaktion anleihen-finder.de


Exklusiv-Interview mit Hans-Jürgen Friedrich.
Zum Abschluss des Jahres haben wir mit dem Anleihen-Experten Hans-Jürgen Friedrich, Vorstand der KFM Deutsche Mittelstand AG und Initiator des Deutschen Mittelstandsanleihen Fonds, über das Jahr 2017 am KMU-Anleihen-Markt und die Entwicklung des Deutschen Mittelstandsanleihen FONDS gesprochen, selbstverständlich nicht ohne schon einmal auf das Jahr 2018 zu blicken.

Anleihen Finder: Hallo Herr Friedrich, welches Fazit ziehen Sie für das auslaufende Jahr 2017 am KMU-Anleihen-Markt?

Hans-Jürgen Friedrich: Wir hatten ja bereits zum Jahreswechsel 2016/2017 prognostiziert, dass sich im laufenden Jahr eine Beruhigung und der Trend zu mehr Professionalität durchsetzen werden. Die großen Ausfälle in diesem Marktsegment liegen hinter uns. Die emissionsbegleitenden Banken als auch die Emittenten hatten ja schon mit Einführung des Best-Practice-Guide durch die Börse Frankfurt begonnen, die Handlungsempfehlungen zu beachten. Das ist für alle Beteiligten eine erfreuliche Entwicklung, die sich nach meiner Meinung erst in diesem Jahr auswirkte und auch wegen der Einführung der MiFiD-Richtlinie fortschreiten wird. Die zahlreichen Platzierungserfolge von Emissionen in diesem Jahr belegen, dass die angemahnten Hausaufgaben gemacht werden. 

Anleihen Finder: Welche Emittenten würden Sie als „Gewinner in 2017“ bezeichnen?

Hans-Jürgen Friedrich: Unternehmen wie zum Beispiel Alfmeier, SNP AG, ALBA , Demire konnten ihr Geschäftsmodell so erfolgreich weiterentwickeln, dass die Anleihen  in Kalenderjahr 2017 vorzeitig zurückgezahlt wurden. Hier wurden die von den Emittenten in den Wertpapierbedingungen eingebauten Call-Optionen zur vorzeiteigen Rückzahlung genutzt. Die erfreulichen betriebswirtschaftlichen Entwicklungen bei der MetalCorp, der PCC, der Euroboden und der Neuen Zahnradwerke Leipzig wurden genutzt, um frühzeitig die Anschlussfinanzierung sicherzustellen. Gewinner sind nicht nur die Emittenten, sondern auch die privaten und institutionellen Anleger. Überzeugt haben mich vor allem die deutlich verbesserte Professionalität der Emittenten und der emissionsbegleitenden Institute. Wenn die Ausrichtung an Qualität in den Dokumentationen und der Kommunikation so weiter fortgeführt wird, profitieren alle Marktteilnehmer. Das gibt dem Markt die gewünschte Seriosität und Integrität zurück.

Anleihen Finder: Welche Einschätzung wagen Sie für den Markt in 2018?

Hans-Jürgen Friedrich: Die erneute  Anpassung der Eigenkapital- und Liquiditätsvorschriften sowie der Bewertungsrichtlinien für Sicherheiten (Basel IV) werden auch im Kalenderjahr 2018 dazu führen, dass neue KMU-Anleihen angeboten werden. Für den Deutschen Mittelstandsanleihen FONDS bleibt damit das Angebot für weitere Investments erhalten. Derzeit überwachen wir Anleihen in einem Gesamtumfang von rund 75 Mrd. Euro. Und wir stellen fest, dass sich immer wieder interessante Perlen finden lassen.

Anleihen Finder: Sie haben es bereits angesprochen, was ändert sich für die Anleger und die Berater mit der Einführung des neuen Regelwerkes MiFiD II (Markets in Financial Instruments Directive)?

„Entmündigung der Anlageberater und der Anleger“

Hans-Jürgen Friedrich: Mit Einführung dieser neuen Finanzmarktrichtlinie entstehen zunächst einmal Berge von Papier und mehr Bürokratie. Die neuen Vorschriften sollen Anleger besser schützen. Doch leider bewirken sie in vielen Fällen eher das Gegenteil. Banken werden das Anlageangebot künftig sehr genau prüfen, um die strengen Auflagen zu erfüllen und Risiken in der Beratung zu minimieren. Anleger, die ohne Beratung Wertpapiere kaufen, könnten von etwaigen automatisierten Vertriebseinschränkungen negativ betroffen und deren Wahlfreiheit eingeschränkt werden. Die steigende Standardisierung im Produkt- und Dienstleistungsangebot widerspricht dem zunehmenden Bedürfnis der Verbraucher nach individueller Beratung und Betreuung. Ich empfinde das Regelwerk als Entmündigung der Anlageberater und der Anleger, die direkt in Aktien oder Anleihen investieren wollen.

Anleihen Finder: Welche Auswirkungen hat MiFiD auf den Deutschen Mittelstandsanleihen FONDS?

Hans-Jürgen Friedrich: Anstatt direkt in Aktien oder in Anleihen zu investieren werden in Zukunft Investmentfonds in den Vordergrund der Beratung und Betreuung treten. Wir sehen den Deutschen Mittelstandsanleihen FONDS für die Einführung der neuen Richtlinie gut vorbereitet. Als offener und transparenter Publikumsfonds werden alle Anforderungen erfüllt, so dass auch künftig private und institutionelle Anleger den Deutschen Mittelstandsanleihen FONDS als Baustein für den Vermögensaufbau und die Vermögensanlage nutzen können.

Anleihen Finder: Der Deutschen Mittelstandsanleihen FONDS feierte im November seinen 4. Geburtstag. Sicherlich war es nicht immer eine so reibungslose Entwicklung wie in diesem Jahr. Wie fällt ihr Fazit zum 4. Geburtstag aus?  

Hans-Jürgen Friedrich: Als der Deutsche Mittelstandsanleihen FONDS am 23.11.2013 startete, befanden wir uns inmitten der ersten auffälligen Ratingrückstufungen und Ausfälle. Die Stimmung in der Wirtschaftspresse zu den Unternehmensanleihen des Mittelstandes kippte. Da waren meine Kollegen und ich besorgt und wir fragten uns, ob der Deutsche Mittelstandsanleihen FONDS als Angebot nachhaltig von privaten und institutionellen Anlegern genutzt wird. Wir wussten nicht, wie unsere strategische Entscheidung zum Auswahlverfahren „KFM-Scoring“ und der Transparenz  zu  allen Investments aufgenommen wird. Die Gewinnung von privaten und institutionellen Investoren war deshalb mit einer enormen Fleißarbeit verbunden. Uns war und ist eines sehr bewusst: Viele Anleger haben dem Deutschen Mittelstandsanleihen FONDS einen Vertrauensvorschuss gewährt. Der muss fortlaufend bestätigt werden. Die Rückmeldungen der institutionellen und privaten Anleger zeigen, dass wir den Erwartungen zur Rendite, Transparenz und Liquidität gerecht werden. Unser Auswahl- und Überwachungsverfahren KFM-Scoring, mit dem wir die Spreu vom Weizen trennen und die fortlaufende, transparente Information zum Deutschen Mittelstandsanleihen FONDS werden von Anlegern, Kundenberatern, Emittenten und emissionsbegleitenden Marktteilnehmern gelobt.

Anleihen Finder: Was ist der aktuelle Status Quo?

„Fondsvolumen steigt auf über 61 Millionen Euro“

Hans-Jürgen Friedrich: Das Fondsvolumen konnte sukzessive auf jetzt 61,35 Mio. Euro aufgebaut werden. Seit Auflage hat der Deutsche Mittelstandsanleihen FONDS eine ausschüttungsbereinigte Wertentwicklung von 19,01%, das entspricht einer Wertentwicklung von 4,75% pro Jahr. Unser Ziel, eine  Ausschüttungsrendite oberhalb von 4% für die Anleger zu erwirtschaften, konnten wir  in den vergangenen Jahren erreichen. Für das laufende Jahr liegen wir ebenfalls über dieser Zielmarke. Mit einer aktuellen Durchschnittsverzinsung des Portfolios in Höhe von 6,15% ist der Deutsche Mittelstandsanleihen FONDS auch für die kommenden Jahre gut aufgestellt, um die jährliche Ausschüttungsrendite oberhalb von 4% zu erreichen. Der Deutsche Mittelstandsanleihen FONDS wird von Morningstar mit 5 Sternen bewertet.

Anleihen Finder: Was würden Sie als die wesentliche Meilensteine in der Entwicklung des FONDS bezeichnen?

Hans-Jürgen Friedrich: Wichtige Meilensteine in der noch jungen Geschichte des Deutschen Mittelstandsanleihen FONDS waren die Übernahme des Mittelstandsanleihenfonds der BayernInvest in 2015 und die Auszeichnungen durch den Großen Preis des Mittelstandes in 2015 und 2016. In allen Fällen waren neben der guten Performance das Auswahlverfahren und die Transparenz von ausschlaggebender Bedeutung. In diesem Jahr starteten wir die Zusammenarbeit mit dem Berenberg Vermögensverwalter Office. Vom Team der Berenberg werden wir hervorragend bei unserem Bestreben nach mehr Professionalität und bei der Suche nach geeigneten Wertpapieren unterstützt.  Auch bei Themen wie der Investmentsteuerreform oder MiFiD II stehen uns die Spezialisten der Berenberg mit Rat und Tat zur Seite. Im  aktuellen „RenditeWerk“, das größte eMagazin für Stiftungen, wurde der  Deutsche Mittelstandsanleihen FONDS als einer von 8 neuen Fonds  in die Empfehlungsliste für 5.500 angeschlossene Stiftungen aufgenommen.

Anleihen Finder: Zur Entwicklung des Deutschen Mittelstandsanleihen FONDS gehört auch der Fall „GEWA“, der bislang einzige Ausfall im FONDS-Portfolio. Aber auch hier konnten Sie die Anleger mit Ihrer Transparenz und Informationspolitik beruhigen. Was haben Sie daraus gelernt?

Hans-Jürgen Friedrich: Der Fall GEWA zeigt, dass ein Assetmanager trotz sorgfältiger Analyse und fortlaufender Überwachung von einer Insolvenz eines Emittenten betroffen sein kann. Der Deutsche Mittelstandsanleihen FONDS ist mit einem Teilbetrag in Höhe von rund 1,3 Mio. Euro in der GEWA investiert. Der Wert ist durch die Insolvenz auf rund 21% des Wertes gefallen. In solchen Fällen zeigt sich aber nach meiner Meinung, mit welchen Verantwortungsbewusstsein der Assetmanager für die Anleger eines Fonds tätig ist:

  1. 1. Wir sind unseren Transparenz-Richtlinien treu geblieben, haben die Anleger von dem Ereignis informiert und haben (werden) sie auch in der Folgezeit auf dem Laufenden gehalten.
  2. 2. Die breite Streuung des Fonds auf verschiedene Titel und eine ausgefeilte Anlagetaktik hat dazu geführt, dass der entstandene Kursrückgang überkompensiert werden konnte.
  3. 3. Wir haben uns dafür eingesetzt, dass schnellstmöglich die Gläubigerinteressen von einer erfahrenen Anwaltskanzlei wahrgenommen werden und die Interessenkollision des vorangegangenen Gläubigervertreters aufgelöst wird. Mit der Anwaltskanzlei mzs Rechtsanwälte wurde einer der besten Anwaltskanzleien zum Gläubigervertreter bestellt, die die Rechte der GEWA-Anleihegläubiger wahren wird.
  4. 4. Wir konnten einen Beitrag dazu leisten, dass der vorläufig bestellte Insolvenzverwalter mit neuen Investoren, die den GEWA-Tower fertigstellen möchten, in Verhandlungen ist.
  5. 5. Die Anleger der GEWA-Anleihe sind mit einer erstrangigen Grundschuld auf dem GEWA-Tower besichert. Im Rahmen der Verwertung der Sicherheit kommt es ganz besonders darauf an, alle rechtlichen Möglichkeiten zu nutzen, um einen Schaden zu minimieren. Je kleiner der Schaden wird, umso besser für die Anteilsbesitzer des Deutschen Mittelstandsanleihen FONDS.

Als Assetmanager des Deutschen Mittelstandsanleihen FONDS sehen wir uns in der Verantwortung. Sozusagen als Kümmerer für die Anteilsbesitzer. Solange das Verfahren nicht abgeschlossen ist, werden wir den Fortgang genau verfolgen. Mit Herrn Mayer zu Schwabedissen – Rechtsanwalt der mzs-Rechtsanwälte – erhält indirekt auch der Deutsche Mittelstandsanleihen FONDS als Anleihenbesitzer der GEWA-Anleihe die juristische Unterstützung.

Anleihen Finder: Abschließend, Herr Friedrich – welches Volumen ist beim Deutschen Mittelstandsanleihen FONDS möglich?

„Fondsvolumen kann auf bis zu 250 Millionen Euro gesteigert werden“

Hans-Jürgen Friedrich: Unser Ziel ist es, das Volumen des Deutschen Mittelstandsanleihen FONDS weiter aufzubauen. Wir sehen hier die Möglichkeit, das Fondsvolumen auf bis zu 250 Mio. Euro zu steigern, ohne die Ausschüttungsrendite oberhalb von 4% zu gefährden. Wo wir können, werden wir auch künftig Verbesserungsvorschläge der privaten und institutionellen Anleger zielgerichtet umsetzen.

Anleihen Finder: Besten Dank für das Gespräch.

Anleihen Finder Redaktion.

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Fotos: KFM Deutsche Mittelstand AG

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