SeniVita Sozial-Geschäftsführer Dr. Horst Wiesent: „Das Fenster für einen Wachstumssprung tut sich auf“

Mittwoch, 7. Mai 2014

Sie gemeinnützige SeniVita Sozial gGmbH gibt mit ihren aktuellen Genussscheinen in Höhe von bis zu EUR 25 Mio. Anlegern erneut die Möglichkeit, in das Unternehmen zu investieren, das Einrichtungen der Altenhilfe, Kinderkrankenpflege und Behindertenhilfe finanziert, baut, kauft und betreibt. Die Anleihen Finder Redaktion sprach mit Dr. Horst Wiesent, dem geschäftsführenden Gesellschafter der SeniVita Sozial gemeinnützige GmbH, über die Hintergründe der Emission:

Anleihen Finder Redaktion: Sehr geehrter Herr Dr. Wiesent, können Sie unseren Lesern bitte mehr über die Eckdaten wie Zinskupon und Laufzeit verraten? Der Zinskupon der Genussscheine soll über dem der SeniVita-Mittelstandsanleihe liegen?

Dr. Horst Wiesent: Ja, das ist richtig. Der SeniVita-Genussschein verzinst sich mit 8 Prozent, wobei 7 Prozent fest und ein Prozent variabel ist. Das liegt auf dem Niveau, zu dem wir bereits in der Vergangenheit Genussrechte emittiert haben, die allerdings nicht börsennotiert sind. Sie haben Recht, der Kupon der Genussscheine liegt damit über dem der Anleihe, die wir 2011 begeben haben. Weil der SeniVita-Genussschein von der Laufzeit unbefristet ist, wird er als Eigenkapital gewertet. Auch tragen Genussschein-Zeichner auf dem Papier ein höheres Risiko als die Anleiheinhaber. Deshalb die etwas höhere Verzinsung. Für uns als Unternehmen ergibt sich aus der Stärkung der Eigenkapital-Position insgesamt ein günstigerer Finanzierungs-Mix. Deshalb rechnet sich das auch für uns.

Anleihen Finder Redaktion: Aus welchen Gründen haben Sie sich für Genussscheine entschieden? Wie wird sich die Emission  auf die Eigenkapitalquote der SeniVita Sozial gGmbH auswirken?

Dr. Horst Wiesent: Wir sind ähnlich wie bei der Anleiheemission 2011 wieder in einer Situation, in der sich ein Fenster auftut, um einen Wachstumssprung zu tun. Konkret geht es um die Umwandlung bestehender Pflegeeinrichtungen nach unserem neuen, für Bewohner wie Mitarbeiter und uns als Betreiber vorteilhaften Konzept Altenpflege 5.0, und um den Neubau zweier Einrichtungen. Diesen Finanzierungsbedarf wollen wir durch die Emission der Genussscheine decken. Sie zählen von ihrer Ausgestaltung her zum Eigenkapital, die Eigenkapitalquote steigt also. Deshalb verbessert sich unsere Bilanzstruktur und das wirkt positiv auf unseren gesamten Finanzierungs-Mix. Im nächsten Schritt sollte sich auch unser Unternehmens-Rating wieder verbessern.

Anleihen Finder Redaktion: In der Begründung des neuen Ratings schreibt die Creditreform, dass die Strategieänderung der SeniVita Folgen für das Ergebnis der gGmbH gehabt haben soll. Können Sie bitte das Zusammenspiel aus Strategieänderung, Unternehmens- und Ratingergebnis unseren Lesern erläutern?

Dr. Horst Wiesent: Die Strategieänderung besteht darin, dass wir bestehende stationäre Pflegeeinrichtungen nach unserem neuen, viel wirtschaftlicheren Konzept Altenpflege 5.0 umbauen und auch schon 2013 umgebaut haben. Die damit verbundenen nachhaltig langfristigen Chancen werden ausdrücklich auch von Creditreform gesehen. Auf der anderen Seite ergaben sich daraus für 2013 eine Ergebnisbelastung und eine im Vergleich zum Umsatzwachstum überproportionale Kapitalintensität, weshalb Creditreform unser Unternehmens-Rating vor kurzem auf „BB+“ zurückgenommen hat. Aus unserer Sicht waren die aus der Umstellung auf das Konzept Altenpflege 5.0 resultierenden Belastungen – Umbaukosten, geringere Auslastung während der Bauzeit – jedoch notwendig, um mit neuen Angeboten dem aktuellen Bedarf im Wachstumsmarkt Pflege gerecht zu werden. Die jüngsten politischen Weichenstellungen bestätigen uns darin. Wenn wir jetzt erst anfangen würden, uns darauf einzustellen und zu investieren, hätten wir wertvolle Zeit und schon mittelfristig Millionen an Einnahmen verloren. Denn wenn die Regierung die Förderung von Modellen, wie wir sie in unserem Konzept Altenpflege 5.0 realisieren, so aufstockt wie vor kurzem bekannt gegeben, dann bedeutet dies signifikant höhere Erträge für SeniVita Sozial.

Anleihen Finder Redaktion: Wie soll sich die benannte Strategieänderung der SeniVita langfristig auf zukünftige Ratings auswirken?

Dr. Horst Wiesent: Unser Konzept der Altenpflege 5.0 ist – neben vielen anderen Vorteilen – für uns als Betreiber wesentlich wirtschaftlicher. Die kürzlich in einem Referentenentwurf veröffentlichen Absichten der Regierung, Pflegemodelle stärker zu fördern, bei denen ältere Menschen in ihrer Wohnung bleiben und trotzdem rund um die Uhr gepflegt werden können, machen Altenpflege 5.0 nochmals interessanter. Bei gleichen Leistungen werden sich daraus unter dem Strich signifikant höhere Erträge für SeniVita Sozial ergeben. Als gemeinnütziges Unternehmen müssen wir eventuelle Überschüsse jedoch wieder reinvestieren. Das stärkt per se unsere Substanz. Gleichzeitig stärken auf der Passivseite der Bilanz die zur Finanzierung von Um- und Neubauten emittierten Genussscheine die Eigenkapital-Position weiter. Diese Effekte zusammengenommen sollten sich auch positiv auf zukünftige Ratings auswirken.

Anleihen Finder Redaktion: Die FAZ schreibt, „durch einen Immobilienverkauf an die Muttergesellschaft SeniVita OHG hätte ein Verlust vermieden werden können.“ Können Sie bitte auch diesen Zusammenhang zwischen Immobilienverkauf und Unternehmensergebnis erklären?

Dr. Horst Wiesent: Sehr gerne. Wir haben als SeniVita Sozial 2013 einen außerordentlichen Ertrag aus dem Verkauf einer Pflegeimmobilie in Höhe von 2,0 Mio. Euro an die SeniVita OHG erzielt. Es handelte sich dabei um ein Sale-and-Lease-Back Modell, das für die SeniVita Sozial unter dem Strich auch dauerhaft in einer niedrigeren Belastung resultiert. Das macht also betriebswirtschaftlich Sinn. Das Geschäft hält im Übrigen jedem Drittvergleich stand, denn das wird im Hinblick auf die Gemeinnützigkeit der SeniVita Sozial vom Finanzamt strengstens kontrolliert. Wie bereits besprochen hatten wir 2013 andererseits Belastungen aus dem Umbau bestehender stationärer in  Pflegeeinrichtungen der Altenpflege 5.0. Im Wesentlichen Umbau- und Anlaufkosten für die neuen Einrichtungen, durch die das operative Ergebnis (EBIT) negativ wurde. Unter dem Strich blieb daraus ein Saldo – Jahresüberschuss – von 1,2 Mio. Euro, der zunächst in die Gewinnrücklage geht, aber mittelfristig wieder reinvestiert wird. Der Immobilienverkauf zeigt im Übrigen noch etwas: Nämlich die Werthaltigkeit von stillen Reserven im Immobilienvermögen der SeniVita Sozial.

Anleihen Finder Redaktion: SeniVita berichtet von „verbesserten Ertragsperspektiven durch die neuen politischen Vorgaben zur Stärkung von Pflegemodellen, wie sie SeniVita anbietet.“ Können Sie bitte einem Laien, der sich nicht mit der Pflegewirtschaft auskennt, erklären, welche Weichenstellungen der Politik gemeint sind und wie SeniVita davon profitieren kann?

Dr. Horst Wiesent: Die Regierung hat ja bekannt gegeben, dass sie die Altenpflege grundsätzlich stärker fördern will, auch um den steigenden Bedarf auf diesem Gebiet zu decken. In dem jüngst veröffentlichten Referentenentwurf wird dies dahingehend präzisiert, dass Pflegemodelle stärker gefördert werden sollen, bei denen ältere Menschen in ihrer Wohnung bleiben und trotzdem rund um die Uhr gepflegt werden können. Genau das ermöglicht unser Konzept der  Altenpflege 5.0. Bei gleichen Leistungen werden sich daraus also unter dem Strich signifikant höhere Erträge für SeniVita Sozial ergeben.

Anleihen Finder Redaktion: Was genau bedeutet das „Konzept Altenpflege 5.0“, an dem Sie Ihr Geschäftsmodell ausrichten? Welche wirtschaftlichen Vorteile bietet das Konzept für SeniVita?

Dr. Horst Wiesent: Altenpflege 5.0 heißt, dass wir seniorengerechtes Wohnen in der eigenen Mietwohnung, Pflege in der Wohnung und Tagesbetreuung unter einem Dach anbieten. Letztlich bestimmt dabei der Bewohner, welche Leistungen er in Anspruch nimmt. Weitere Vorteile für Bewohner sind mehr Wohnkomfort, mehr Privatheit, mehr Selbstbestimmung, mehr Wahlmöglichkeiten und mehr Qualität in der Pflege gerade bei hoher Pflegestufe oder  Demenz. Unsere ersten Erfahrungen damit belegen auch Vorteile für unsere Mitarbeiter. Sie haben eine geringere Belastung, weniger Dokumentationspflichten und dadurch mehr Zeit für Pflege. Das führt auch zu einer höheren Jobzufriedenheit. Für uns als Betreiber resultiert dies in einer hohen Zustimmung von Bewohnern und Mitarbeitern zu dem Konzept. Durch die größeren Wahlmöglichkeiten im Leistungsumfang und die stärkere Förderung durch Kostenträger und Politik ergeben sich für uns gleichzeitig höhere Einnahmen und verbesserte Ertragsperspektiven.

Anleihen Finder Redaktion: Bitte geben Sie uns einen Überblick über Ihre kommenden, geplanten Investitionen. Was wird das kosten und warum sehen Sie durch Ihr Investitionskonzept langfristig gute Ertragschancen?

Dr. Horst Wiesent: Wir werden weitere bestehende Einrichtungen nach dem Konzept Altenpflege 5.0 umbauen. Darüber hinaus wollen wir zwei Einrichtungen in Maisach bei München und Bad Wiessee am Tegernsee in Oberbayern neu bauen. Die Kosten dafür liegen insgesamt im unteren zweistelligen Millionenbereich, wobei wir hier Wert legen auf einen ausgewogenen Finanzierungs-Mix. Das heißt konkret, wir werden dafür auch Darlehen mit einem Zinssatz von 1,5 Prozent einsetzen können, aufgrund unserer guten und steigenden Eigenkapital-Situation. Diese Einrichtungen werden dann fertig sein, wenn aufgrund der demografischen Entwicklung der Bedarf besonders stark ansteigt. Wir werden auch dort die Altenpflege 5.0 verwirklichen und das bedeutet für uns als Betreiber eine hohe Wirtschaftlichkeit. Wir sehen damit langfristig gute Ertragschancen für die SeniVita Sozial. Ich möchte dabei aber nochmals betonen, dass Überschüsse im Unternehmen bleiben und wieder für soziale Zwecke reinvestiert werden. 

Anleihen Finder Redaktion: Planen Sie in Zukunft weitere Emissionen?

Dr. Horst Wiesent: Der Bedarf an Pflegeeinrichtungen wird weiter dramatisch wachsen. Wir erhalten beinahe täglich Anfragen und Angebote für neue Standorte. Wachstum an sich hat für uns jedoch nicht Priorität. Es geht uns dabei vor allem darum, die Situation der Pflegebedürftigen zu verbessern. Deshalb ist für uns die Grenze des Wachstums dann erreicht, wenn wir das nicht mehr gewährleisten können. Wir haben deshalb sehr genau kalkuliert, welches Wachstum wir hier in den nächsten Jahren verkraften können. Das Resultat ist der vorhin beschriebene Investitionsplan, wie er durch die Genussschein-Emission abgesichert werden soll. Darüber hinaus gibt es derzeit keine Pläne für Emissionen.

Anleihen Finder Redaktion: Stand schon mal eine Aufstockung der SeniVita-Mittelstandsanleihe zur Diskussion?

Dr. Horst Wiesent: Wir haben natürlich auch die Möglichkeit untersucht, unseren Investitionsbedarf über eine Aufstockung der Anleihe zu finanzieren. Abgesehen davon, dass in letzter Zeit der Ruf der sogenannten Mittelstandsanleihen durch einige Insolvenzen gelitten hat, haben wir uns letztlich aus einem Grund dagegen entschieden: Mit dem Genussschein können wir unser Eigenkapital stärken. Das verbessert einfach unseren gesamten Finanzierungs-Mix, weil wir mit mehr Eigenkapital günstiger und flexibler finanzieren können. Deshalb sind börsennotierte Genusscheine mit unbegrenzter Laufzeit nach meiner Einschätzung ein noch besseres Finanzierungsinstrument für mittelständische Unternehmen als Fremdkapital-Anleihen.

Anleihen Finder Redaktion: Wagen Sie bitte einen Blick in die Zukunft, wo wird die SeniVita Sozial gGmbH in fünf Jahren stehen?

Dr. Horst Wiesent: Wir wollen weiter jedem Pflege- und Hilfsbedürftigen qualitativ hochwertige Versorgung zu bezahlbaren Preisen in Wohnort nahen, familiären Einrichtungen auf dem höchsten Standard bieten. Das ist unser Auftrag und den wollen wir vor allem erfüllen. Und wir werden weiter aktiv dazu beitragen, diesen langfristig steigenden Bedarf zu befriedigen. Und: SeniVita Sozial wird für die Genussschein-Anleger, die uns dabei unterstützen, ein attraktives Investment sein.

Anleihen Finder Redaktion: Herr Dr. Wiesent, vielen Dank für das Gespräch!

Anleihen Finder Redaktion

 

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