Anleihen Finder - Anleihen News » Strategischer Vorsprung durch transparentes Reporting

Strategischer Vorsprung durch transparentes Reporting

Strategischer Vorsprung durch transparentes Reporting(23.09.2009) Die Finanzkrise bleibt präsent in Deutschland. Während sich die Tageszeitungen uneinig sind, ob eine Kreditklemme vorliegt, spüren viele Unternehmen die zunehmend restriktive Kreditvergabe. Die Zurückhaltung der Banken liegt in den Belastungen aus der Kapitalmarktkrise begründet, aber auch in dem schwierigen wirtschaftlichen Umfeld und den daraus resultierenden Befürchtungen von zunehmenden Insolvenzen.
 

Auch Investoren verhalten sich im aktuellen Marktumfeld vorsichtig. Daher sind neben Bankkrediten auch Kapitalmarktfinanzierungen, z.B. durch die Emission von Anleihen, zurückgegangen. Dieser Refinanzierungsweg wird bislang in Deutschland nur von vergleichsweise wenigen, vor allem größeren, Unternehmen genutzt, somit bleibt auch in der Finanzkrise eine hohe Abhängigkeit von Bankkrediten erhalten. In diesem anspruchvollen Umfeld stellt sich insbesondere für fremdfinanzierte mittelständische Unternehmen unweigerlich die Frage, welche Schritte sie selbst zur Verbesserung der eigenen Finanzierungssituation unternehmen können.

Im Folgenden werden die Anforderungen an das Unternehmen analysiert, und es wird aufgezeigt, wie und warum das Unternehmen durch die Schaffung von Transparenz und in der Folge durch die Bildung von Vertrauen gegenüber seinen Geldgebern seine Finanzierungssituation maßgeblich verbessern kann.

Wissensvorsprung auf der Seite der Unternehmen: Die Principal-Agent-Theorie

Die Beziehung zwischen Fremdkapitalgeber und –nehmer lässt sich wirtschaftswissenschaftlich als Ausprägung einer
Principal-Agent-Beziehung interpretieren. Gemäß der Principal-Agent-Theorie verfügt dabei der Auftragnehmer (Agent) häufig
über einen Wissensvorsprung gegenüber dem Auftraggeber (Principal), sofern der Principal den Agent nicht vollständig bei
der Ausführung seines Auftrags kontrollieren kann. Es liegt eine sogenannte Informationsasymmetrie vor. Sofern sich die Ziele von Principal und Agent unterscheiden, kann der Principal durch verstecktes Wissen (bei Vertragsabschluss) oder verstecktes Handeln (nach Vertragsabschluss) des Agents Nachteile erfahren.

Um diese Nachteile zu vermeiden, stehen dem Principal verschiedene Lösungsmechanismen, z.B. über Vertragsgestaltung
oder Informations- und Anreizsysteme, zur Verfügung Übertragen auf die Beziehung zwischen Fremdkapitalgeber (Principal) und Fremdkapitalnehmer (Agent) kann der Principal die Rückzahlungsfähigkeit und -willigkeit des Agents aufgrund von begrenzten Informationen nicht umfassend beurteilen. Diese fehlende Transparenz kann zu Fehleinschätzungen durch den Principal führen, da er verstecktes Wissen oder verstecktes Handeln des Agents nicht entdeckt.

Als Folge muss der Principal höhere Zinsen verlangen, um die aus seiner möglichen Fehleinschätzung entstehenden Ausfallkosten auszugleichen. Um diese höheren Kosten zu vermeiden, nutzt der Principal in Ermangelung von vollständiger Kontrolle vor allem Anreizsysteme (z.B. Kreditsicherheiten) und Informationssysteme.

Interesse von Banken

Das Kreditgeschäft ist für viele Finanzinstitute das wichtigste Geschäftsfeld. Langfristig können Banken hier nur erfolgreich sein, wenn Sie durch Kreditmargen ausreichend Erträge erzielen, um neben dem operativen Aufwand auch die Risikokosten (Kreditausfälle) zu bezahlen. Daher sehen Banken die Bonitätsanalyse, also die Kreditwürdigkeitsprüfung, ihrer Kunden als eine ihrer Kernkompetenzen. Neben dem Ausbau der eigenen Informationssysteme hängen die Banken jedoch maßgeblich von der Qualität der von Kreditnehmern bereitgestellten Informationen ab. Schwächen in der Bereitstellung der erforderlichen Informationen können sich daher negativ auf die Bonitätsbewertung eines Unternehmens auswirken. Darüber hinaus hat die Einführung von
Basel II im Jahr 2007 die Kreditpolitik von Kreditinstituten grundlegend beeinflusst und die oben genannten Faktoren weiter verstärkt. Die Bonitätsanalyse wirkt sich nun auch auf die Eigenkapitalunterlegung von Krediten differenzierter aus.

Während Kredite an Firmenkunden unter Basel I einheitlich mit Eigenkapital unterlegt werden mussten, erlauben die neuen Regelungen den Banken eine EK-Unterlegung in Abhängigkeit des ermittelten Risikos. Den Banken steht dabei frei, sich für eines von vier Kreditrisikomessverfahren – dem einfachen Standardansatz, dem umfassenden Standardansatz, dem IRB-Basisansatz und dem fortgeschrittenen IRB-Ansatz – zu entscheiden. Da eines der Ziele von Basel II die Verbesserung der Risikomessung ist, verringert der Einsatz der jeweils anspruchsvolleren Methoden den Umfang an Eigenkapital, den die Bank für ein bestimmtes Kreditgeschäft als Risikopuffer bereithalten muss. Je besser also tendenziell die Versorgung mit Unternehmensinformationen, desto wohlwollender der Umgang der Bank mit Kreditanfragen.

Interesse von Investoren

Der Anleihen-Investor, ebenso wie der Käufer von Schuldscheinen oder Genussrechten, steht vor der gleichen Herausforderung wie eine Kreditgebende Bank, da er ebenfalls möglichst hohe Zinserträge bei geringen Ausfallrisiken sucht. Gleichzeitig ist er noch stärker von der Principal-Agent-Problematik betroffen, da seine Möglichkeiten, im Rahmen der Vertragsgestaltung Anreize zu schaffen, sowie der Zugang zu internen Unternehmensinformationen deutlich begrenzter sind.

Investoren, insbesondere Privatpersonen, verfügen auch in der Regel nicht über die Erfahrung und die Instrumente, auf deren Basis im Kreditvergabeprozess der Banken Entscheidungen getroffen werden. Somit ist der Investor im Allgemeinen vollständig von den veröffentlichten  Informationen des Emittenten abhängig sowie vom gesunden Menschenverstand und einer guten Intuition – das ist häufig genug ein guter Ersatz für fehlende Systeme.

Während aber die auch bei der besten Intuition notwendigen Unternehmensinformationen bei börsengehandelten Anleihen oder sonstigen Wertpapieren aufgrund der umfangreichen Offenlegungsvorschriften und des obligatorischen Ratings durch eine anerkannte Ratingagentur vergleichsweise umfassend sind, unterliegen privat emittierte Anleihen keinen entsprechenden Transparenzvorschriften und verfügen auch meist nicht über ein Rating. Die Folge ist, wie oben beschrieben, meist die Berechnung eines zusätzlichen Risikoaufschlags auf die Zinserwartung oder die grundsätzliche Meidung dieser Wertpapiere mangels belastbarer Informationen über das Unternehmen.

Eine Herausforderung an die Unternehmen

Welche Anforderungen ergeben sich nun für das einzelne Unternehmen? Bei der Entscheidung für eine Fremdfinanzierung muss das Unternehmen im ersten Schritt die Anforderungen seiner Fremdkapitalgeber verstehen. Während diese Anforderungen von Banken und Ratingagenturen klar kommuniziert werden, ist das Erkennen der Anforderungen der Anleger deutlich schwieriger. Im zweiten Schritt muss das Unternehmen (interne oder externe) Strukturen schaffen, um die entsprechenden Anforderungen zu erfüllen.

Banken fordern von ihren Kreditnehmern, auch nach Abschluss der Verträge, die umfangreiche Offenlegung nicht-öffentlicher Informationen zur Überprüfung der Einhaltung von Vertragspflichten sowie der laufenden Beurteilung der Kreditwürdigkeit. Dabei bildet die pünktliche Bereitstellung des Jahresabschlusses die Minimalanforderung. Auf Basis der Zahlen werden von Banken Kennzahlen für Liquidität, Solvabilität und Umsatz berechnet. Darüber hinaus fließen auch andere Aspekte, wie die Branche oder die Beurteilung des Managements in die Risikoeinschätzung des Unternehmens ein. Aus diesen Informationen wird ein internes Rating berechnet. Neben der jährlichen Analyse fordern Banken häufig auch quartalsweise, in Einzelfällen sogar monatliche Berichterstattung an.

Ratingagenturen, die durch Kreditnehmern oder Emittenten beauftragt werden, beurteilen ebenfalls die Kreditwürdigkeit. Während hier ebenfalls interne Informationen verwendet werden, wird das Ergebnis der Beurteilung, anders als bei Banken, nach Abschluss in Form eines Ratings bzw. einer Ratingnote (meist von AAA bis CCC) veröffentlicht und dient Investoren als Orientierung zur Risikoeinschätzung bei der Kapitalanlage. Investoren von nicht-gehandelten Anleihen können dagegen nur auf öffentlich verfügbare oder im Anleihevertrag individuell vereinbarte Informationen zugreifen.

Während sich die Anforderungen an die Daten inhaltlich nicht von anderen Unternehmen unterscheiden – insbesondere Informationen zu Finanzen und Geschäftsentwicklung – stellt für diese Gruppe die Veröffentlichung von Firmeninformationen den größten Zusatznutzen dar. Um den umfangreichen Anforderungen der Fremdkapitalgeber gerecht zu werden, müssen die vielfältigen Informationen des Unternehmens aufbereitet, und den verschiedenen internen und externen Empfängern bereitgestellt werden. Dies geht deutlich über die klassische Buchhaltung hinaus und umfasst auch den Bereich des Controlling. Sofern ein Unternehmen diese Leistungen nicht intern abdecken kann, ist auch die Nutzung von externen Anbietern auf diesem Gebiet möglich, da es sich bei den meisten Unternehmen hier nicht um eine der Kernkompetenzen handelt.

Fazit

Das Verhältnis von Fremdkapitalgeber, Bank oder Investor, zu Fremdkapitalnehmer, Unternehmen als Kreditnehmer oder Anleihen-Emittent, lässt sich wissenschaftlich auf Basis der Principal-Agent-Theorie analysieren. Daraus lässt sich das Bedürfnis des Kapitalgebers nach hoher Transparenz des Unternehmens ableiten, andernfalls fordert er eine entsprechend erhöhte Risikoprämie. Diese Konstellation kann durch externe Faktoren, wie die Einführung vonBasel II oder die aktuellen Auswirkungen der Finanzkrise, noch verschärft werden.

Daher sollte jedes Unternehmen die Vorteile einer transparenten Berichterstattung konsequent gegenüber den möglichen Nachteilen abwägen.

Vorteile:

  • Verbesserung der Chancen auf Fremdkapitalfinanzierung über Banken oder den Kapitalmarkt
  • Verringerung der Risikokosten und somit der Finanzierungskosten
  • Erhöhung der Transparenz und somit der Steuerbarkeit des Unternehmens für die eigene Unternehmensleitung

Nachteile:

  • Kosten der Bereitstellung und Aufbereitung der Informationen
  • Größere Transparenz des Unternehmens gegenüber der Konkurrenz
  • Zielsetzung der erhöhten Transparenz muss dabei immer sein, den Nutzen für das eigene Unternehmen zu maximieren.

ct


Zuletzt angesehene Angebote:


WGF AG - 2010/15


Edel AG Anleihe 2011/2016


Dürr Anleihe 2010/2015


Login Name: Angemeldet bleiben
Passwort:     
Passwort vergessen?

Anleihen Finder AnlehenBulletin


 AnleihenBulletin

Anleihen Finder Studien

 

Mittelstand & Börse – eine Studie in Zusammenarbeit mit der Unternehmensberatung  BGP – Bohnert Group of Partners und der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf... mehr.

Aktuelle Börsenkurse


Anleihen auf Anleihen-Finder.de


 

Zinsen aller Anleihen im Überlick


Anleihen-Finder.de News


01.01.2012 Anleihen Finder verstärkt sein Redaktionsteam am Standort Düsseldorf
10.10.2011 Jetzt neu: Aktuelle Kurse auf Anleihen-Finder.de
03.09.2011 Jetzt neu: Aktuelle Kurs-Charts auf Anleihen-Finder.de
27.07.2011 Anleihen Finder sucht Linux-Administrator mit PHP-Programmiererfahrung
30.06.2011 Anleihen Finder GmbH mit neuer Startseite.
13.03.2011 Anleihen Finder GmbH feiert seinen dritten Geburtstag.
03.01.2011 Anleihen Finder GmbH verstärkt sein Redaktionsteam und baut seinen Standort Düsseldorf aus.
30.12.2010 Anleihen Finder GmbH wünscht ihren Geschäftspartnern und Kunden einen guten Rutsch in ein gesundes und erfolgreiches 2011.
15.11.2010 3. Quartal 2010 - Anleihen Finder in der Presse!
... weitere News

Buchtipp des Monats


Weitere Literaturempfehlungen


Literatur und Wissen zum Thema Alternative Unternehmensfinanzierung
Publikationen der Mitarbeiter der Anleihen Finder GmbH
...weitere Literatur zum Thema in unserem Buchshop

Ich bin Unternehmer und suche ...


... Alternativen der Finanzierung.
... benötige Beratung zum Thema Anleihen-Emission.

Ich bin Investor ...


... Investitions-Möglichkeiten in mittelständische Unternehmen.

Ich möchte mich ...


... über moderne Investitions-Möglichkeiten außerhalb der Börsen informieren.

Lesezeichen hinzufügen


 

Lesezeichen bei Google setzen Lesezeichen bei Mr.Wong setzen Lesezeichen bei Wikio setzen Lesezeichen bei Yigg setzen Lesezeichen bei Folkd setzen Lesezeichen bei Webnews setzen Lesezeichen bei Linkarena setzen Lesezeichen bei Oneview setzen

 

Ich habe Interesse an einer Kooperation ...

... und möchte die Beratungs- und Service-Dienstleistungen unseres Unternehmens unter anleihen-finder.de darstellen.

-

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 



RSS-Feeds



RSS Feed der beliebtesten Angebote

RSS Feed mit den aktuellsten Angeboten

IBWF Institut e.V. BVMW - Bundesverband mittelständische Wirtschaft, Unternehmerverband Deutschlands e.V.