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Finanzinnovationen aus Norddeutschland – die Stadt Quickborn verschafft sich mit der Emission einer Kommunalanleihe über EUR 4 Mio. wichtige Liquidität
(25.08.2009) Handeln statt Jammern - Innerhalb nur weniger Tage platziert die nördlich von Hamburg gelegene Kleinstadt Quickborn eine Kommunalanleihe über EUR 4 Mio. mit einer Laufzeit von einem Jahr und 3% Zinsen bei ihren Bürgern. Die Mittel sollen unter anderem für die Sanierung von Schulen und anderen öffentlichen Einrichtungen verwendet werden.
Ungewöhnlich ist es schon, dass eine Stadt mit nur rund 20.000 Einwohnern eine Kommunalanleihe emittiert und diese in rekordverdächtig kurzer Zeit an Investoren aus Quickborn und Umgebung veräußern kann. Bei genauerer Betrachtung der Gemengelage stellt sich allerdings die Frage, warum dies so Ungewöhnlich ist.
Die Emission scheint auf den ersten Blick für alle Beteiligten vorteilhaft. Die Stadt Quickborn schließt mit dem eingeworbenen Kapital Finanzierungslücken, die durch krisenbedingt sinkende Gewerbesteuereinnahmen entstanden sind. Mit einer Verzinsung von nur 3% p.a. sind die Konditionen günstiger als bei einer Finanzierung über Bankkredite. Hätte sich die Stadt das Geld nicht bei ihren Bürgern, sondern über Kreditinstitute geliehen, wäre die Belastung der Stadtkasse – also des Steuerzahlers – durch Zinszahlungen an Banken höher gewesen, als im gewählten Anleihe-Modell. Auch der Verwaltungsaufwand für Vertrieb und Verwaltung der Anleihe hält sich nach Angaben der Stadt in Grenzen. Über die Kommunalanleihe werden die Steuer zahlenden Bürger Quickborns aber nicht nur weniger stark belastet, sie erhalten sogar Zinsen – oberhalb des Einlagezinses - auf das verliehene Kapital. Am wichtigsten ist, dass durch die schnelle Einwerbung der Gelder notwendige Investitionen in die Zukunft der Kommune nicht auf die lange Bank geschoben werden.
Die Frage warum Emissionen von „kleinen“ Kommunalanleihen ungewöhnlich ist, kann nicht wirklich beantwortet werden. Okönomisch sowie zur Erhöhung der Identifikation der Bürger mit ihren Stätdten können Modelle wie das der Stadt Quickborn sinnvoll sein.
Was jedoch als ungewöhnlich auffällt, ist das unternehmerisch-innovative Denken und Handeln der Stadt Quickborn. Wie die Idee zu der Kommunalanleihe entstand und was die entscheidenden Faktoren für die erfolgreiche Umsetzung waren, erläutert Meike Wölfel, Kämmerin der Stadt Quickborn, im Interview mit Anleihen Finder.
Interview
Anleihen Finder: Sehr geehrte Frau Wölfel, zunächst einmal möchten wir Ihnen zur erfolgreichen Emission der Quickborner Kommunalanleihe gratulieren. Not macht offensichtlich erfinderisch; wie genau ist die Idee für die Kommunalanleihe entstanden und hatten Sie Vorbild-Modelle?
Meike Wölfel: Vorbild-Modelle hatten wir nicht. Bereits im März hatte Herr Bürgermeister Köppl die Idee, sich Geld beim Bürger zu leihen. Nachfragen bei der Kommunalaufsicht haben ergeben, dass zunächst keine Bedenken gesehen werden. Da sich die finanzielle Lage der Stadt kurzfristig wieder gebessert hat, wurde die Idee nicht weiter verfolgt. Im Rahmen einer Bürgerveranstaltung zur finanziellen Lage der Stadt Quickborn wurde die Möglichkeit, sich von den Bürgerinnen und Bürgern Geld zu leihen, von einer Bürgerin angesprochen. Da die Stadt zu der Zeit Kassenkredite aufnehmen musste und kurz darauf von einer Bürgerin das erste Angebot kam, wurde die Idee umgesetzt.
Anleihen Finder: Betrachten Sie diese Emission als einmalige Aktion oder können Sie sich vorstellen, so etwas zu wiederholen, z.B. für die Rückzahlung der aktuellen Anleihe?
Meike Wölfel: Sofern vom Innenministerium und der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht keine Einwände kommen, kann ich mir eine Wiederholung durchaus vorstellen. Der Zinssatz müsste dann allerdings den dann aktuellen Gegebenheiten angepasst werden.
Anleihen Finder: Was halten Sie rückblickend für die entscheidenden Faktoren für den Erfolg des „Quickborner Modells“?
Meike Wölfel: Viele, die angerufen und sich erkundigt haben, waren von der Idee grundsätzlich begeistert. Die sichere Anlage bei der Stadt und der gute Zinssatz waren weitere Gründe für den Erfolg. Bei vielen steht aber auch im Vordergrund „ihrer“ Stadt zu helfen. Dies zeigt sich daran, dass sich viele Quickbornerinnen und Quickborner beteiligt haben, aber auch die „Auswärtigen“ häufig einen Bezug zu der Stadt angegeben haben.
Anleihen Finder: Halten Sie das Quickborner-Modell auch für andere Kommunen für sinnvoll und wenn ja, welche Empfehlungen würden Sie geben?
Meike Wölfel: Das Modell ist durchaus auf andere Kommunen übertragbar. Sollte Quickborn die Aktion noch einmal wiederholen, werden die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Zentrale allerdings mehr Zeit haben, sich vorzubereiten. Mit einer so hohen Resonanz, wie wir sie hierzu in den letzten Tagen erfahren haben, hat niemand gerechnet.
Anleihen Finder: Bankenseitig wurde kritisiert, dass die hohen Verwaltungskosten der Anleihe die günstigen Zinskonditionen zu stark belasten. Auch größere Kommunen vertreten diese Meinung. Wie stehen Sie zu diesen Meinungen?
Meike Wölfel: Die Arbeit wurde im Rahmen der zur Verfügung stehenden Arbeitszeit bewältigt. Eine zusätzliche Stelle oder Aufstockung der Stundenzahl war nicht erforderlich. Nun ist die Summe von 4 Mio. € auch relativ überschaubar, ebenso wie die dazu geschlossenen rd. 80 Verträge. Dies konnte zentral von mir bewältigt werden. Bei einer größeren Summe oder höheren Anzahl von Verträgen unter Beteiligung von mehreren Verantwortlichen, kommt ein erhöhter Abstimmungsbedarf hinzu, der dann auch zu höheren Verwaltungskosten führen kann.
Anleihen Finder: Von einer Hamburger Kommunalpolitikerin wurde geäußert, dass eine Gefahr darin bestünde, wenn einige Bürger durch die Zeichnung von Anleihen maßgeblich Gelder für öffentliche Investitionen zur Verfügung stellen und damit möglicherweise einseitigen Einfluss auf die öffentliche Investitionspolitik nähmen. Teilen Sie diese Befürchtung?
Meike Wölfel: Die Befürchtung teile ich nicht. Den Bürgerinnen und Bürgern ist bewusst, dass sie mit ihrer Anleihe zur Sicherung der Liquidität der Stadt beitragen. Damit wird keine bestimmte Investition finanziert, sondern allgemein die Kassenlage der Stadt Quickborn verbessert. Die Mittel stehen sowohl für die Zwischenfinanzierung von Investitionen -bis ein langfristiger Investitionskredit aufgenommen wird-, als auch für die laufenden Ausgaben der Verwaltung zur Verfügung.
Anleihen Finder: Vielen Dank für die gewährten Einblicke, wir wünschen Ihnen und der Stadt Quickborn viel Erfolg bei der Umsetzung der Investitionsvorhaben!
ct
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