Neuemission: Google findet unter „HanseYachts“ „größte Krise in der Geschichte des Bootsmarktes“, „angeschlagener Segelbootbauer“, „Umstrukturierung“, „Wachstumskurs“, „schwieriges Marktumfeld“ – Herr Dr. Gebhardt, an welcher Stelle befindet sich die HanseYachts AG? – Interview mit dem Vorstandssprecher der Hanseyachts AG

Freitag, 16. Mai 2014


Ab kommenden Montag kann die Acht-Prozent-Mittelstandsanleihe (ISIN: DE000A11QHZ0) der HanseYachts AG gezeichnet werden. Dr. Jens Gerhardt (Foto), der Vorstandssprecher der HanseYachts AG, spricht über die Hintergründe der Emission, wie die Aurelius AG der HanseYachts AG den Rücken stärkt und darüber, wie er in den letzten zwei Jahren bei der HanseYachts AG aufgeräumt hat:

Anleihen Finder Redaktion: Sehr geehrter Herr Dr. Gerhardt, die HanseYachts-Unternehmensanleihe soll im Segment Entry Standard der Frankfurter Börse gehandelt werden können. Inwiefern haben Sie sich bei der Strukturierung Ihrer Unternehmensanleihe an den Empfehlungen der Börse Frankfurt, die die Börsenmanager im „Best Practice Guide“ niedergeschrieben haben, orientiert?

Dr. Jens Gerhardt: Wir sind seit 2007 börsennotiert und bieten seit dieser Zeit unseren Investoren eine hohe Transparenz mit quartalsweiser Berichterstattung, auch binnen deutlich kürzerer Zeitspannen als für Anleihen gefordert. Wir passen deshalb nicht ganz in das Raster, für das der „Best Practice Guide“ entwickelt wurde. Hinzu kommt, dass der Guide für Unternehmen entwickelt wurde, die mehr als 100 Mio. Umsatz erzielen und eine Anleihe von mehr als 25 Mio. emittieren, was bei uns auch nicht ganz passt. Wir bieten unseren Investoren aber eine ganze Menge, wie umfangreiche Covenants und Sicherheiten – und natürlich auch viele Bestandteile des erwähnten Guides, wie eine detaillierte Aufschlüsselung der Mittelverwendung, umfangreiche Kennzahlen oder eine hohe Kapitalmarktorientierung.

Anleihen Finder Redaktion: Die Aktien der HanseYachts AG sind zum Handel in einem EU-regulierten Markt zugelassen. Deshalb ist ein Rating für die Einbeziehung im Entry Standard keine von der Börse Frankfurt auferlegte Pflicht. Aber wäre ein Rating nicht ein zusätzlicher, vertrauensbildender Anhaltspunkt für Anleger, damit diese die Ausfallwahrscheinlichkeit der Anleihe bzw. die Bonität der HanseYachts AG besser beurteilen können?

„Wie Dürr und Nabaltec, die ihre Anleihen auch ohne Rating an den Markt gebracht haben“

Dr. Jens Gerhardt: Wir sind ein solider mittelständischer Betrieb. Aufgrund der Börsennotierung ist unser Rechnungswesen bereits deutlich umfangreicher und schneller als bei vergleichbaren Unternehmen. Damit bieten wir unseren Investoren – egal ob Aktie oder Anleihe – die gewünschte Transparenz. Ein Rating würde nochmals zusätzliche Kosten verursachen und gleichzeitig wird der Zugewinn an Information und Transparenz vielleicht nicht von allen Marktteilnehmern so gesehen. Wir halten es hier mit Unternehmen wie Dürr und Nabaltec, die ihre Anleihen auch ohne Rating an den Markt gebracht haben, dafür aber sehr investorengerecht kommunizieren.

Anleihen Finder Redaktion: Inwieweit können Sie die Stimmung am Markt der Mittelstandsanleihen nachvollziehen, dass nach einer Reihe von Insolvenzen und Unregelmäßigkeiten mit teils juristischem Nachspielen das Vertrauen der Anleger in Mittelstandsanleihen erst wieder aufgebaut werden muss. Und wie machen Sie das konkret bei Ihrer Emission?

Neuemission: Google findet unter „HanseYachts“ „größte Krise in der Geschichte des Bootsmarktes“, „angeschlagener Segelbootbauer“, „Umstrukturierung“, „Wachstumskurs“, „schwieriges Marktumfeld“ - Herr Dr. Gebhardt, an welcher Stelle befindet sich die HanseYachts AG? – Interview mit dem Vorstandssprecher der Hanseyachts AG

Dr. Jens Gerhardt: Die Performance anderer Unternehmen kann und will ich nicht beurteilen. Wir schauen allein auf uns und wie wir unsere Interessen mit denen unserer Investoren in Einklang bringen. Die Erfolge unserer Restrukturierung sind deutlich sichtbar und wir haben jetzt die Chance, in unserem weltweiten Markt, der gerade beginnt, sich wieder zu erholen, deutlich zu wachsen. Dieses Wachstum, vor allem auch im Motoryacht-Markt, wollen wir vor allem über die Anleihe finanzieren. Diese Strategie erläutern wir sehr detailliert und unsere Mittelverwendung ist sehr transparent.

Anleihen Finder Redaktion: Wenn man zum Thema HanseYachts AG Internet-Suchmaschinen Ergebnisse im Internet studiert, liest man Stichworte wie „größte Krise in der Geschichte des Bootsmarktes“, „angeschlagener Segelbootbauer“, „Umstrukturierung“, „Wachstumskurs“, „schwieriges Marktumfeld“. An welcher Stelle befindet sich die HanseYachts AG?

„In den vergangenen zwei Jahren haben wir konsequent aufgeräumt“

Dr. Jens Gerhardt: Diese Begriffe sind alle richtig – sie beziehen sich besonders auf die Jahre 2008 bis 2011. Die schwierige Situation in der Vergangenheit ist in erster Linie auf den kompletten Markteinbruch 2008 im Zuge der Finanz- und Eurokrise zurückzuführen. Davon hat sich der Markt lange nicht erholt und wir litten zusätzlich darunter, dass unsere Kapazitäten auf das Vorkrisenniveau ausgerichtet waren.

In den vergangenen zwei Jahren haben wir konsequent aufgeräumt: Fixkosten wurden runter gefahren, die Prozesse optimiert, das Qualitätsniveau haben wir deutlich angehoben und in der Entwicklungsarbeit sind wir in neue Dimensionen vorgestoßen. Auch die Fertigungs- und Materialkosten haben wir im Zuge einer Lean Production deutlich optimiert. Die Hausaufgaben haben wir also gemacht. Jetzt legen wir den Schwerpunkt wieder mehr auf Wachstum und damit auf zusätzliche Erträge aus Volumeneffekten. Unter geografischen Gesichtspunkten wollen wir unser Händlernetzwerk in erster Linie auf den Märkten in Nord- und Südamerika, Frankreich und Asien auf- bzw. ausbauen.

„Zu Aurelius kann ich Ihnen nur sagen, dass sie auch bei dieser Anleihe wieder zeichnen wird“

Anleihen Finder Redaktion: Die HanseYachts AG ist eine Beteiligung der Aurelius AG. Aurelius hält nach unseren Informationen insgesamt 74,13 Prozent an der HanseYachts AG. Inwieweit wird Aurelius einspringen, wenn der die HanseYachts AG doch noch einmal in Schwierigkeiten kommen sollte?

Dr. Jens Gerhardt: Ich bin Vorstand der HanseYachts AG. Dementsprechend stehe ich dafür, dass unsere Restrukturierung erfolgreich abgeschlossen wurde – mit Unterstützung von Experten der Aurelius AG, aber als völlig eigenständig agierendes, börsennotiertes Unternehmen. Allein im ersten vollen Geschäftsjahr seit unserem Antritt haben wir auf EBITDA-Basis eine Ergebnisverbesserung von sechs Mio. realisieren können. Diesen Weg gehen wir weiter und sehen uns jetzt richtig aufgestellt, um auch wieder gezielt zu wachsen. Ich mache mir also Gedanken um unsere weitere Wachstumsstrategie innerhalb eines täglich spannender werdenden Marktes für Segel- und Motoryachten. Zu Aurelius kann ich Ihnen nur sagen, dass sie auch bei dieser Anleihe wieder zeichnen wird, dass sie erst im Oktober 2013 unsere Eigenkapitalbasis weiter mit gestärkt hat und nach meiner Einschätzung eine sehr langfristige Strategie verfolgt.

Anleihen Finder Redaktion: Kommen wir zur Ausgestaltung Ihrer Anleihe. Warum ist es aus Ihrer Sicht ein gutes Angebot, wenn Sie den Gläubigern Ihrer alten, einjährigen Neun-Prozent-Anleihe anbieten, die alte gegen die neue Acht-Prozent-Anleihe zum Preis von 101 Prozent zu tauschen?

Dr. Jens Gerhardt: Mit acht Prozent bleibt die Verzinsung aus meiner Sicht ja durchaus auf einem attraktiven Niveau. Außerdem erstatten wir die bis zum Vollzugstag, d.h. bis zum 2. Juni 2014, aufgelaufenen Zinsen auf die Schuldverschreibungen 2013/2014.

Darüber hinaus konnten wir unseren Investoren schon in den ersten Monaten sehr gut zeigen, dass die HanseYachts AG eine gute Entwicklung nimmt. Deshalb glaube ich auch, dass viele Investoren die rund siebenmonatige Restlaufzeit in eine neue fünfjährige Laufzeit tauschen werden – bei entsprechender Handelbarkeit im Entry Standard und höherer Liquidität im Wertpapier.

Anleihen Finder Redaktion: Wie viel von den Anleihe-Erlösen planen Sie für das Wachstum des Unternehmens einerseits und andererseits in den Abbau von Verbindlichkeiten ein?

„Für die Refinanzierung bestehender sonstiger Finanzverbindlichkeiten wollen wir ca. 4,8 Mio. Euro nutzen“

Dr. Jens Gerhardt: Ausgehend von einer Vollplatzierung, nach Abzug sämtlicher Emissionskosten und bei vollständiger Annahme des Umtauschangebots fließt uns voraussichtlich ein Nettoemissionserlös von bis zu rund 14,3 Mio. Euro zu, den wir vor allem zur Finanzierung unseres weiteren Wachstums nutzen wollen. Davon dienen ca. 5,9 Mio. Euro der geografischen Vertriebsexpansion sowie der Erneuerung und Erweiterung unserer Modellpalette. Ca. 2,0 Mio. Euro sind für die weitere Vorfinanzierung der Produktion von Yachten der Marke „Sealine“ vorgesehen. Für die Refinanzierung bestehender sonstiger Finanzverbindlichkeiten wollen wir ca. 4,8 Mio. Euro nutzen. Die restlichen 1,6 Mio. Euro sollen als Betrag für die erste Zinszahlung verpfändet werden.

Neuemission: Google findet unter „HanseYachts“ „größte Krise in der Geschichte des Bootsmarktes“, „angeschlagener Segelbootbauer“, „Umstrukturierung“, „Wachstumskurs“, „schwieriges Marktumfeld“ - Herr Dr. Gebhardt, an welcher Stelle befindet sich die HanseYachts AG? – Interview mit dem Vorstandssprecher der Hanseyachts AG

Hinzu kommt, dass wir den Emissionserlös der ersten, einjährigen Schuldverschreibung vom 13. Dezember 2013 im Volumen von 5 Mio. Euro vor allem für Neuentwicklungen und die Integration der Sealine-Motoryacht-Produktion in Greifswald verwendet haben.

Anleihen Finder Redaktion: Bitte wagen Sie eine Blick in die Zukunft. Wo soll die HanseYachts AG in fünf Jahren, am Ende der Laufzeit der Unternehmensanleihe stehen? Was werden Sie mit den Anleihegeldern verwirklicht haben?

Dr. Jens Gerhardt: Unser strategisches Ziel ist es, bei Segelyachten weltweit unsere Position als Nummer zwei ausgebaut zu haben – dank einer vollständigen und modernen Produktpalette und führend bei Qualität, Funktionalität und Performance. Bei Motoryachten wollen wir eine sehr aktiv gestaltete Rolle unter den weltweiten Top-10-Playern einnehmen – mit Potenzial nach oben. In Schiffen bedeutet das, dass wir von derzeit 500 bis 600 Booten auf rund 1.000 Boote jährlich wachsen wollen – wobei Motoryachten gewissermaßen doppelt zählen, weil sie bei vergleichbarerer Bootslänge deutlich mehr Komplexität und damit auch Umsatz und Marge liefern. Dieses Wachstum wollen wir auf einer gesunden und renditestarken Grundlage bewerkstelligen.

Anleihen Finder Redaktion: Herr Dr. Gerhardt, vielen Dank für das Gespräch!

Anleihen Finder Redaktion. Das Interview führte Christoph Morisse.

Fotos: HanseYachts AG

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