Mittelstandsanleihen – Die Verantwortung der Börsen – Kolumne von Marius Hoerner, ARTUS Asset Management AG

Dienstag, 12. November 2013

Grundsätzlich muss man die Börsen, die sich dem Mittelstandsmarkt intensiv widmen, loben. Dabei geht es nicht um eine Reihenfolge oder wer war grundsätzlich oder mit bestimmten Kriterien zuerst. Es geht einfach darum, dass hier ein neues Marktsegment geschaffen wurde und die Börsen sich, wenn auch teilweise noch im Verborgenen, Gedanken darüber machen, wie der Bereich für alle Beteiligten noch attraktiver gestaltet werden kann.

Dabei versteht es sich von selbst, dass Kompromisse notwendig sind und man nicht jedem Wunsch folgen kann.

Schaue ich mir die Webseiten der Börsen in Düsseldorf, Frankfurt und Stuttgart an, ergibt sich ein völlig unterschiedliches Bild. Manches gefällt, manches nicht, aber unter dem Strich ist erkennbar, dass man sich große Mühe gibt speziell dem Privatanleger möglichst viele Informationen zur Verfügung zu stellen.

Und das ist der springende Punkt. Der Privatanleger, der regelmäßig zu lesen bekommt, dass er aus Gier den Verstand ausschaltet und nur deshalb diese hochverzinslichen Mini-Bonds kauft, muss so umfassend und genau wie möglich informiert werden, damit er erkennen kann, welche Chancen und Risiken er seinem Depot zumutet.

Da helfen keine Warnhinweise und Haftungsausschlüsse. Der Privatanleger verlässt sich auf die Börsen und die Informationen, die er dort bekommt. Ansonsten könnte er auch andere Quellen nutzen, die ihm nicht nur ausgewählte Anleihen anbieten.

Einmal kann vorkommen, zweimal ist ärgerlich und dreimal hat Methode. Aktuell sind wir gerade bei ärgerlich. Ärgerlich ist, dass es hier http://www.anleihen-finder.de/ist-mit-rating-ktg-agrar-ag-los-antworten-von-siegfried-hofreiter-vorstandsvorsitzenden-ktg-agrar-ag-00012310.html schon am 22. Oktober stand. Der Schuldner hat aktuell und seit dem 27. September kein Rating. Wie man der Seite von Creditreform entnehmen kann, ist es derzeit in Bearbeitung.

Wie aus dem Artikel (siehe Link) ersichtlich, ist die Verzögerung mit zumindest einer der Börsen abgestimmt. Soweit so gut. Aber hat die Börse dann nicht die Pflicht, die Anleger darüber zu informieren? Oder muss das Unternehmen dies eventuell tun? Ich weiß es ehrlich gesagt nicht.

Aber, wenn die Börsen schon informiert und ins Boot geholt werden, dann ist es definitiv ihre Pflicht, den Privatanleger „defensiv“ aufmerksam zu machen und auf der eigenen Webseite das Rating zu entfernen. So lange, bis die Bearbeitung abgeschlossen ist und das neue Rating feststeht.

Würde ein Kreditinstitut oder ein Finanzdienstleister eine der Anleihen für einen Kunden kaufen, dessen Risikoprofil einen Bond ohne Rating ausschließt und die Sache geht schief, ist jedem klar, wie der Richter urteilen würde.

Die Börsen scheinen sich sehr sicher zu fühlen.

Marius Hoerner

Portfolio Manager
ARTUS Asset Management AG

Foto: ARTUS Asset Management AG

 

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