Mittelstandsanleihen – Totgesagte leben länger…….? – Kolumne von Florian Weber, SCHNIGGE Wertpapierhandelsbank

Dienstag, 7. Januar 2014


Vielerorts war zum Ende des letzten Jahres bereits der Abgesang auf den Mittelstandsmarkt zu hören, nachdem es zuletzt unerfreuliche Nachrichten von Emittenten bis hin zu Insolvenzen zu verzeichnen gab. „Neuer Markt, Teil 2“, wurde mehrfach konstatiert, auch von „Ramschläden“ wurde im Zusammenhang mit Emittenten gesprochen. Viele Anleger hat das aufgeschreckt, sie haben gerade zum Jahresende hin ihre Portfolien bereinigt und Positionen auf den Markt geworden, was zu fallenden Kursen und weiteren „Vorsicht“-Rufen geführt hat. Aber sind dies Kassandra-Rufe, denen man dringend Beachtung schenken sollte oder handelt es sich um ungerechtfertigte Panikmache, die man getrost ignorieren kann?

Schauen wir auf die derzeitige Ausgangslage: Im Jahr 2013 hat es mit fast 10 Ausfällen die höchste Zahl an Problemen in der noch jungen Geschichte des Marktes gegeben. Weiteren Emittenten werden wirtschaftliche Schwierigkeiten nachgesagt. Und dennoch hat es gleichzeitig wieder eine Vielzahl von Emittenten geschafft, ihre Emissionen platzieren zu können. Wie passt dies zusammen?

Auf der einen Seite haben wir die „Großwetterlage“, die trotz kleinerer Zinssteigerungen weiter substantiell niedrige Zinsen erwarten lässt. Dies führt weiter zu Performancedruck auf Anleger, die versuchen müssen, eine ordentliche Verzinsung zu erreichen. Mit Staatsanleihen ist da derzeit „kein Staat“ zu machen – also werden händeringend Alternativen benötigt. Dafür sind Anleger dann auch bereit, höhere Risiken in Kauf zu nehmen – denn es ist unstrittig, dass Mittelstandsanleihen höhere Ausfallrisiken bergen als Staatsanleihen.

Vorbei sind die Zeiten, in denen ein bekannter Emittentenname ausreichte

Auf der anderen Seite gibt es durchaus Emittenten, die mit ihrer Story, mit ihrer Unternehmenshistorie aber auch ihrem Sicherheitenkonstrukt bei Anlegern und Investoren gleichermaßen gut ankommen. Vorbei sind glücklicherweise jene Zeiten, in denen alleine ein bekannter Emittentenname ausreichte, um eine Anleihe binnen Minuten zu platzieren. Ausgelöst durch die jüngsten Ausfälle haben bisher unkritische Anleger erkannt, dass sie ihre Anlageentscheidungen fundamental besser hinterfragen müssen. Der Markt ist also lernfähig – was dazu führen wird, dass auch zukünftig Emissionen von guter Qualität und ansprechendem Zinsaufschlag bei Anlegern Absatz finden werden.

Schwer werden es dagegen diejenigen Emittenten haben, die der Meinung sind, unter dem Deckmäntelchen des positiv besetzten Begriffs „Mittelstand“ den Kapitalmarkt abgrasen zu können. Hier wird sich in diesem Jahr sicherlich so manch Emittent eine blutige Nase holen und sich die Spreu vom Weizen trennen.

Bei Immobilien heißt es seit jeher:„Lage, Lage, Lage“…bei Mittelstandsbonds muss es analog heißen: „Qualität, Qualität, Qualität“! Wie sind Verschuldungsgrad, wie kann der Emittent die Zinszahlungen aus dem laufenden Erträgen zahlen oder wie realistisch kann der Emittent die Anleihe am Laufzeitende aus dem Cash flow bedienen? Losgelöst von manch wohlklingendem Emittentennamen werden Anleger zukünftig diese und weitere Fragen vermehrt stellen. Und wer darauf als Emittent keine plausible Antwort weiß, der hat am Kapitalmarkt auch nichts verloren.

Wer als Anleger also nüchtern rechnet, Chancen und Risiken ordentlich abwägt, Emittenten und deren Fähigkeit beurteilt, Zins und Tilgung leisten zu können, der wird auch zukünftig mit dem Mittelstandsmarkt zufrieden sein! Allein ein Zinsvorsprung von meist gut 5% bei Emission und im Sekundärmarkt von teilweise 10 und mehr Prozent lässt selbst bei höheren Risiken und guter Selektion attraktive Renditen erwarten – da kann dann auch einmal ein Ausfall verkraftet werden.

Daher sind wir sehr gespannt, was in den nächsten Wochen und Monaten den Weg an die Märkte finden wird – eine Vielzahl von Emittenten steht in den Startlöchern, ob diese aber auch den Qualitätswünschen der Investoren entsprechen, müssen die Emissionen erst noch beweisen. Mehr Fokus auf Qualität tut aber allen Marktteilnehmern gut – den Anlegern, die dem Markt mehr vertrauen können, den Emissionsbegleitern, die bessere Vertriebschancen haben sowie den Emittenten, die sich bei guter Qualität auch sicherer sein können, den oftmals ungewohnten, zeit- und kostenintensiven Weg zum Kapitalmarkt nicht umsonst eingeschlagen zu haben. Da ist es nicht schade um jene Emittenten, die keine Qualität liefern und mit kritischen Emissionen höchstens ein Marktsegment in Verruf bringen.

In dem Sinne wünschen wir Ihnen, dass Sie nicht nur im Jahr 2014 ein glückliches Händchen mit „Qualitätspicking“ haben.

Florian Weber

Vorstand der SCHNIGGE Wertpapierhandelsbank AG

Foto: Florian Weber/SCHNIGGE Wertpapierhandelsbank

Kurzvita von Florian Weber

Florian Weber ist Handelsvorstand bei der SCHNIGGE Wertpapierhandelsbank AG und für die Emission und Marktseite für Mittelstandsanleihen und alle andere Wertpapierklassen zuständig.

Nach seiner Ausbildung und anschließender Handelstätigkeit im Aktienhandel für die Deutsche Bank wechselte er 1996 zur SCHNIGGE AG, deren Handelsvorstand er seit 2003 ist.

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