Mittelstandsanleihen sind besser als ihr Ruf – Kolumne von Hans-Jürgen Friedrich, KFM Deutsche Mittelstand AG

Dienstag, 24. Dezember 2013
Hans-Jürgen Friedrich Vorstand KFM Deutsche Mittelstand AG Kolumne Anleihen Finder Redaktion anleihen-finder.de


Die Diskussionen zu Mittelstandsanleihen in den vergangenen Wochen belegen einmal mehr, das sich schlechte Nachrichten schneller verbreiten als gute. Die pauschale Abwertung mittelständischer Unternehmen, die sich über den Kapitalmarkt finanzieren, ist ein Bärendienst. Sie birgt die Gefahr, dass den erfolgreichen und bonitätsstarken mittelständischen Unternehmen der Zugang zu einer Finanzierungsmöglichkeit unnötig erschwert wird und den Anlegern eine attraktive Anlagemöglichkeit genommen wird.

Der Vergleich mit Neuen Markt-Zeiten hinkt!

Insolvenzen und Ratingabstufungen von mehreren Mittelständlern, die mit einer Mittelstandsanleihe als ein Baustein der Gesamtfinanzierung das Geschäftsmodell finanzieren, sind Wasser auf die Mühlen der Kritiker dieser Finanzierungsalternative. Sie proklamieren eine weitere negative Entwicklung und ziehen Vergleiche mit dem Neuen Markt, der nach einem fulminanten Aufstieg platzte und am 05. Juni 2003 geschlossen wurde.

Doch dieser Vergleich hinkt. Über den neuen Markt haben sich Unternehmen der New Economy über die Ausgabe von Aktien finanziert. Es handelte sich meist um neue oder junge Unternehmen, die den Aufbau des Geschäftsmodells mit Eigenkapital finanzierten. Der Vergleich mit den Unternehmen, die ihr Geschäftsmodell bereits seit mehren Jahrzehnten erfolgreich im Markt etabliert haben und in vielen Fällen der Old Economy zuzuordnen sind und sich mit Anleihen finanzieren, ist da schon recht gewagt.

Deutscher Mittelstand ist der Erfolgsfaktor der deutschen Wirtschaft…

Die Experten sind sich einig. Deutschland ist besser als viele andere Länder durch die Krisenjahre gekommen, und der konjunkturelle Aufschwung hierzulande erweist sich als vergleichsweise stabil. Zu verdanken ist dies insbesondere der Innovationskraft und dem besonnenen Wirtschaften der mittelständischen Unternehmen, deren nachhaltiger Erfolg in Deutschland und auf den Weltmärkten für sich spricht. Der Mittelstand ist und bleibt der Motor der Wirtschaft.

… und muss sich notgedrungener Weise alternativen Finanzierungsmöglichkeiten erschließen

Die Finanzierung des Geschäftsmodells wird aber zunehmend schwieriger. Den Banken wurde durch mehrere Anpassungen der rechtlichen Rahmenbedingungen die Kreditvergabe erschwert. Die Einführung von Basel III wird die Kreditvergabe tendenziell weiter erschweren. Davon sind besonders Millionenkredite und Großkredite betroffen. Basel III und die damit verbundenen Mindestanforderungen im Risikomanagement der Banken betreffen auch bankübliche Kreditsicherheiten in ihrer Bewertung. Unternehmen stellen fest, dass die Diskrepanz zwischen Anschaffungskosten und Sicherungswert sehr deutlich ist und einige Vermögenswerte überhaupt keinen Ansatz erfahren. Noch schwieriger wird es für die mittelständischen Unternehmen, wenn das Wachstum durch Expansionen in anderen Ländern wie China oder Südamerika finanziert werden muss.

Laut KfW werden die gesetzlichen Rahmenbedingungen künftig hauptsächlich langfristige Finanzierungen erschweren. Aktuelle Zahlen von Standard & Poor’s zufolge wird sich dies bei mittelgroßen Unternehmen ab einem Investitionsvolumen von 25 Millionen Euro besonders bemerkbar machen. Zukunftsorientierte mittelständische Unternehmen müssen daher alternative Finanzierungsmöglichkeiten in Betracht ziehen, um die Finanzierungsseite des Unternehmens wetterfest zu machen. Ein ökonomisch sinnvoller Finanzierungsmix sichert das Unternehmen und die eingerichteten Arbeitsplätze. Und die Anleihe ist durchaus ein sinnvoller Finanzierungsbaustein.

Unternehmens- und Mittelstandsanleihen sind geeignete Finanzierungsformen…

Große börsennotierte Industrieunternehmen nutzen seit vielen Jahren die Anleihe zur Finanzierung des Geschäftsbetriebes. Die immer stärker werdende Internationalisierung des Geschäftsbetriebes des deutschen Mittelstandes führt dazu, dass Anleihen von mittelständischen Unternehmern als Finanzierungsmöglichkeit geprüft und genutzt werden. In einer Umfrage der Deutschen Vereinigung für Finanzanalyse und Asset Management urteilten fast 75% der befragten Teilnehmer, dass es richtig ist, den Mittelstand an den Kapitalmarkt heran zu führen. Allerdings muss darauf geachtet werden, dass die Finanzmarktreife vorhanden ist. Und ein großer Teil kann nicht erkennen, warum um mittelständische Anleihen so viel Aufhebens gemacht wird.

…und attraktive Anlagemöglichkeiten zugleich

Mittelstandsanleihen bereichern das Angebot für Anleger mit einer Festzinsorientierung. Die Zinssätze oberhalb von 6,00% bei Laufzeiten, die in der Regel 5 Jahre betragen, sind sehr attraktiv. Diese erhöhte Risikoprämie muss das Unternehmen aus dem Geschäftsmodell nachhaltig bezahlen können. Dies lässt sich nur durch eine gewissenhafte Analyse erkennen. Unternehmen wie SAF Holland oder KUKA klingen exotisch und sind eher unbekannt, betreiben aber ihr Geschäftsmodell erfolgreich. Unternehmen wie die DÜRR AG oder Nabaltec sogar so erfolgreich, dass sie die begebenen Anleihen vorzeitig zurückzahlen können. Die vorzeitige Rückzahlung wird dem Anleger durch den vergleichsweise erhöhten Zinssatz und in einigen Fällen auch mit einer „Vorfälligkeitsentschädigung“ ausgeglichen.

Lasst dem Mittelstand die Mittel, dann hat er einen sicheren Stand. Davon profitieren Anleger und Unternehmen gleichermaßen.

Ich wünsche allen Lesern und Fürsprechern des Mittelstandes besinnliche und erholsame Weihnachtstage und ein gesundes, erfolgreiches und glückliches 2014!

Herzlichst Ihr

Hans-Jürgen Friedrich

Vorstand KFM Deutsche Mittelstand AG

Foto: Hans-Jürgen Friedrich, Vorstand KFM Deutsche Mittelstand AG

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