Mittelstandsanleihen-Musterknabe: Herr Gutschlag, die Wirtschaftspresse ist voll des Lobes, aber was passiert wenn der Asset-Deal platzt oder der Ölpreis sinkt? – Interview mit Thomas Gutschlag, Vorstand und CFO der Deutsche Rohstoff AG

Dienstag, 15. April 2014


Die Wirtschaftspresse berichtet anerkennend über den voraussichtlich erfolgreichen Asset-Deal der Deutsche Rohstoff AG, der über die Tekton, genauer die Tekton Windsor LLCm, läuft: Die Tekton, 72-Prozent-US-Beteiligung der Deutsche Rohstoff AG, verkauft die wesentlichen Vermögenswerte seines Erdöl-Projekts in und um Windsor/Colorado für 200 Millionen US-Dollar. Anleihe-Kurs und Aktien-Kurs der Deutsche Rohstoff AG entwickeln sich sehr gut.

Die Anleihen Finder Redaktion fragt bei Dr. Thomas Gutschlag, Vorstand und CFO der Deutsche Rohstoff AG nach.

Anleihen Finder Redaktion: Herr Dr. Gutschlag, können Sie bitte kurz ausführen, wie hoch ihre Erlöse voraussichtlich sein werden und was genau verkauft wurde?

Thomas Gutschlag: Wir haben die sogenannten mineral leases verkauft, d.h. die Rechte, die Öl- und Gasvorkommen erkunden und fördern zu dürfen. Unsere US-Beteiligung Tekton Energy, an der wir 72 Prozent halten, erhält dafür 200 Millionen USD in bar. Außerdem behalten wir einige Flächen, die sehr interessant sind. Der Käufer kann diese Flächen später für weitere 60 Millionen USD von Tekton kaufen.

Bei der Deutsche Rohstoff AG werden im ersten Schritt 160 bis 180 Millionen Dollar ankommen. Der Betrag setzt sich aus der Rückzahlung der Darlehen, die wir gewährt haben, unserem Anteil am Gewinn und der Erstattung der Ausgaben seit 1. Januar zusammen. Der letzte Teil kann erst mit Abschluss des Verkaufs endgültig bestimmt werden.

Sollte der Käufer die Option nutzen, die Restflächen zu kaufen, werden uns zu einem späteren Zeitpunkt weitere Mittel zufließen. Falls nicht, werden wir diese Fläche selbst entwickeln.

„Das macht man nur, wenn man sich sehr sicher ist“

Anleihen Finder Redaktion: Was passiert, wenn der Deal platzt, also die Prüfung des Käufers negativ ausfallen sollte?

Thomas Gutschlag: Das halten wir für sehr unwahrscheinlich. Schließlich hat der Käufer bereits 18 Millionen USD bezahlt, die wir auf jeden Fall behalten können. Das macht man nur, wenn man sich sehr sicher ist. Sollte der unwahrscheinliche Fall dennoch eintreten, freuen wir uns über 18 Millionen zusätzliche Einnahmen und entwickeln das Feld selbst weiter.

Anleihen Finder Redaktion: Wie begegnen Sie dem Argument, dass Sie mit dem Verkauf von Fördergebieten und der dazugehörigen Explorations-Ausstattung des Erdöl-Projekts in Wind-sor/Colorado, USA, Ihr Tafelsilber aus der Hand geben?

Thomas Gutschlag: Das sehen wir nicht so. Es ist unsere Geschäftsmodell, gute Rohstoffprojekte zu identifizieren, mit Hilfe unserer Expertise zu entwickeln und dann auch den richtigen Zeitpunkt zu finden, den geschaffenen Wert zu realisieren. Im Falle Tekton ist das jetzt früher geschehen, als wir gedacht hatten. Der Käufer ist aber bereit, einen wesentlichen Teil des künftigen Wertes zu bezahlen. Für uns bedeutet das, dass wir keine weiteren Investitionen tätigen müssen und nicht die Risiken tragen müssen, die mit einem solchen Projekt verbunden sind. Und nicht zuletzt trauen wir uns zu, mit unserem Team in den USA diesen Erfolg zu wiederholen. Finanziell sind wir auf jeden Fall bestens gerüstet.

„Ganz sicher werden wir im Bereich Öl und Gas in den USA weiterhin einen Schwerpunkt setzen“

Anleihen Finder Redaktion: Welche Projekte werden Sie in der näheren Zeit wieder soweit bringen, dass sie mit Rendite verkauft werden können? Und wie sind diese Projekte finanziert?

Thomas Gutschlag: Wir haben noch ein ganzes Portfolio von Projekten in USA, Australien und Deutschland, die wir alle kurz- bis mittelfristig soweit bringen wollen, dass wir sie entweder mit Gewinn veräußern können oder profitabel selbst betreiben. Beides ist möglich. Ganz sicher werden wir im Bereich Öl und Gas in den USA weiterhin einen Schwerpunkt setzen.

Alle Projekte sind derzeit mit Eigenkapital finanziert. Teilweise haben wir Partner aufgenom-men, die einen Beitrag zur Finanzierung leisten. Engpässe oder größeren Finanzierungsbedarf haben wir aber in keinem Projekt.

Anleihen Finder Redaktion: Die Vorlaufkosten der Ölförderung sind verhältnismäßig hoch. Verraten Sie uns bitte Ihr Geheimnis, wie Sie es schaffen, die Kosten bei Ihren Ölfeld-Entwicklungs-Projekten so zu kalkulieren, dass sich die Deutsche Rohstoff nicht übernimmt?

Thomas Gutschlag: Unser US-Team ist sehr erfahren und auch sehr konservativ. Wir hatten von Anfang an klare Vorstellungen über die Erschließungskosten. De facto sind die Bohrkosten durchweg unter den angenommenen Kosten geblieben. Wir hätten aber auch jederzeit die Bohrkampagne stoppen können, wenn die Kosten aus dem Ruder gelaufen wären oder der Ölpreis deutlich nachgegeben hätte.

„Bei erfolgreichem Abschluss des Verkaufs werden wir tatsächlich in der komfortablen Situation sein, genügend Mittel zur Verfügung zu haben, um die Anleihe zurückzuzahlen“

Anleihen Finder Redaktion: Kommen wir zur Unternehmensanleihe der Deutsche Rohstoff AG. Sie haben gesagt, dass der Verkauf von Assets der Tekton bereits frühzeitig die Rückzahlung der Anleihe sichere. Welche Szenarien sind hier für Sie realistisch?

Thomas Gutschlag: Bei erfolgreichem Abschluss des Verkaufs werden wir tatsächlich in der komfortablen Situation sein, genügend Mittel zur Verfügung zu haben, um die Anleihe zurückzuzahlen. Natürlich wollen wir aber auch in neue Projekte investieren. Welcher Finanzierungsmix für die nächsten Jahre optimal ist, werden wir in der nächsten Zeit diskutieren.

Anleihen Finder Redaktion: Die Deutsche Rohstoff profitiert vom Öl und Gas-Boom in den USA. Jeder Boom hat ein Ende und die anderen Risiken wie zum Beispiel ein Fall des Ölpreises müssen ebenfalls im Blick gehalten werden. Auf was könnte die Deutsche Rohstoff AG ausweichen, wenn ÖL und Gas aus den USA nicht mehr die geplante Rendite erwirtschaften?

Thomas Gutschlag: Natürlich denken wir ständig darüber nach, welche Risiken es bei den bestehenden Projekten gibt und wo Chancen bestehen. Wir haben schon immer versucht, unser Portfolio zu diversifizieren, d.h. nicht alles auf ein Pferd zu setzen. Ein Beispiel: Im Herbst 2008 haben wir eine Goldmine in Australien gekauft, 2010 und 2011 produziert, und dann im Herbst 2012 mit schönem Gewinn wieder verkauft. Nur wenige Leute haben das damals verstanden, alle Welt ging von weiter steigenden Goldpreisen aus.

Derzeit sind wir bei den Spezialmetallen Zinn, Wolfram und Seltene Erden stark engagiert. Bei diesen Metallen erwarten wir steigende Preise und starkes Investoreninteresse. Wir sind also keineswegs nur von Öl und Gas abhängig.

Anleihen Finder Redaktion: Herr Gutschlag, vielen Dank für das Interview!

Anleihen Finder Redaktion

Fotos: Deutsche Rohstoff AG

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Unternehmensanleihe der Deutsche Rohstoff AG 2013/2018

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