“Mit der Wandelanleihe wollen wir Investoren als Aktionäre gewinnen“ – Interview mit Dr. Jochen Ahn, ABO Wind AG

Montag, 14. Mai 2018


Die ABO Wind AG begibt aktuell eine Wandelanleihe (WKN A2G8UZ) mit einem Gesamtvolumen von bis zu 15 Millionen Euro. Die Wandelanleihe bietet dabei 3,00% Jahreszins bei einer kurzen Laufzeit von zwei Jahren. Während dieser Laufzeit (1. Mai 2018 bis 30. April 2020) haben Anleger jeweils im Oktober 2018 und Oktober 2019 die Möglichkeit ihre Anleihen in Aktien der ABO Wind AG zu tauschen. Wir haben mit dem ABO Wind-Vorstand und Gründer Dr. Jochen Ahn über die Hintergründe der Emission gesprochen.

Anleihen Finder: Hallo Herr Dr. Ahn, können Sie unseren Lesern kurz die Geschäftstätigkeit der ABO Wind AG vorstellen und uns sagen, wie das Unternehmen sein Geld verdient?

Dr. Jochen Ahn: Unser Kerngeschäft ist es, Wind- und Solarparks zu projektieren. Im ersten Schritt finden und pachten wir geeignete Standorte, an denen sich aus Wind- oder Sonnenenergie möglichst viel Strom erzeugen lässt. Bis zur Inbetriebnahme benötigen wir bei Windparks im Schnitt drei und bei Solarparks ein bis zwei Jahre. Um einen Windpark zu errichten, sind zunächst zahlreiche und aufwendige Gutachten zu erstellen – unter anderem zu Schall, Schattenwurf, Artenschutz, Stromertrag, Landschaftsbild. Wir wählen die geeigneten Anlagen, planen den Anschluss ans Stromnetz und sichern eine Vergütung für den eingespeisten Strom (mittlerweile meistens über Ausschreibungsverfahren). Ferner bauen wir Zuwegung und Kabeltrasse, finanzieren die Wind- und Solarparks über Bankkredite und errichten sie schlüsselfertig. Schließlich veräußern wir sie an einen Betreiber/Investor und kümmern uns während der Betriebsphase um die kaufmännische und technische Betriebsführung.

Neben dem Kerngeschäft der Projektierung bieten wir zahlreiche Produkte und Dienstleistungen, die den Betrieb von Wind- und Solarparks sowie von Biogasanlagen optimieren wie Wartung und Instandhaltung. Ferner haben wir zum Beispiel ein System entwickelt, das Windparkbetreibern die Fledermausüberwachung erleichtert. Auch eine moderne, digitale Zugangskontrolle zählt zu unseren Produkten. Ferner arbeiten wir seit mehreren Jahren an Konzepten, um Speichertechnologien zu erproben. Mit sogenannten Hybridkraftwerken, also einer Kombination aus Wind- und Solarenergieanlagen sowie Speichern, versorgen wir Großverbraucher oder Regionen ohne Stromnetzanschluss – zum Beispiel in Afrika – preiswert und zuverlässig mit umweltfreundlichem Strom.

„Lange war Photovoltaik vergleichsweise teuer“

Anleihen Finder: Warum haben Sie sich dazu entschieden, die Geschäftstätigkeit auch auf Photovoltaik auszuweiten?

Dr. Jochen Ahn: Lange war Photovoltaik vergleichsweise teuer. Dank der enormen Kostendegression der jüngsten Jahre sind nun weltweit Wind- und Solarkraftwerke die günstigste Option, um mit neuen Kraftwerkskapazitäten Strombedarf zu decken. Indem wir als Projektentwickler nun beide Technologien anbieten, arbeiten wir noch effizienter und erfolgreicher. Im Vergleich zur Windkraft ist die Projektierung von Solarkraftwerken weniger komplex und aufwendig. Daher ist die Erweiterung der Geschäftstätigkeit eine naheliegende Ergänzung. Für die zentrale Steuerung unserer weltweiten Solaraktivitäten haben wir ein Team aus Solarspezialisten aufgebaut.

Anleihen Finder: ABO Wind hat den Hauptsitz in Wiesbaden, ist aber international tätig. In welchen Ländern haben Sie aktuell Projekte laufen, wo sind Ihre Hauptmärkte und in welchen Regionen möchten Sie weiter expandieren?

„Manchmal lohnt sich antizyklisches Verhalten“

Dr. Jochen Ahn: International arbeiten wir aktuell in Frankreich, Finnland, Spanien, Irland, Großbritannien, Griechenland, Ungarn, Polen, Argentinien, Kolumbien, Kanada, Iran, Südafrika, Tunesien, Tansania und den Niederlanden an Solar- und/oder Windkraftprojekten. Unsere Hauptmärkte sind Deutschland, Frankreich, Finnland, Irland, Argentinien und Spanien. Eine Abteilung für internationale Geschäftsentwicklung untersucht kontinuierlich, in welche weiteren Ländern ABO Wind einen Beitrag zur Energiewende leisten kann. Prinzipiell kommen alle Kontinente für uns in Frage. Wir streben eine Mischung aus Ländern an, in denen eine erneuerbare Energiewirtschaft bereits etabliert ist und solchen, in denen noch Pionierarbeit zu leisten ist. Wir betrachten jeweils den mit einem Markteintritt verbundenen Aufwand, das Potenzial sowie die zeitliche Dimension. Manchmal lohnt sich antizyklisches Verhalten. In Argentinien zum Beispiel haben wir über viele Jahre beharrlich Windparks geplant. Da es lange keine Möglichkeit gab, die Umsetzung der Projekte zu finanzieren, haben unsere Wettbewerber dem Land nach und nach den Rücken gekehrt. Wir haben ausgeharrt. Als Ende 2015 mit Mauricio Macri ein neuer Präsident gewählt wurde, der das zuvor regierende Ehepaar Kirchner ablöste und deren verfehlte Energiepolitik korrigierte, waren wir zur Stelle. Nun wirken wir daran mit, der Windkraft in Argentinien zum Durchbruch zu verhelfen und profitieren von unserem langen Atem.

Anleihen Finder: Was zeichnet die ABO Wind AG im Vergleich zu anderen Windpark-/Energie-Projektierern aus? Was ist das Herausstellungsmerkmal?

„Die flexible Anpassung des Geschäftsmodells auf das jeweilige Land zählt zu unseren Stärken“

Dr. Jochen Ahn: Wir sind ein global agierender und zentral gesteuerter Mittelständler mit 500 Kollegen. Zugleich ist Projektentwicklung ein sehr persönliches Geschäft. Wir haben eine Unternehmenskultur entwickelt, die diesen Spagat ermöglicht. Wir arbeiten in den Regionen eng mit Landwirten, Grundstückseigentümern, Kommunen und Behörden zusammen. Wer mit uns Geschäfte macht, kann sich auf unser Wort verlassen.

Wir haben uns einen guten Ruf als zuverlässiger und seriöser Partner erarbeitet. Mit leeren Versprechungen mag man kurzfristig erfolgreich sein. Doch wir denken langfristig. In unseren Kernmärkten haben wir uns über viele Jahre eine Vertrauensbasis geschaffen, von der wir nun profitieren. In Ländern, in denen wir uns neu engagieren, kooperieren wir mit regionalen Projektentwicklern, die vor Ort verwurzelt sind. Dort bringen wir die technische und kaufmännische Expertise ein und nutzen die Kontakte und länderspezifischen Kenntnisse unserer Partner.

Die flexible Anpassung des Geschäftsmodells auf das jeweilige Land zählt zu unseren Stärken. Auf dem Weg dahin haben wir allerdings Lehrgeld bezahlt. Als wir vor 18 Jahren begonnen haben, im Ausland Projekte zu entwickeln, versuchten wir das zunächst mit den gleichen Methoden, die sich in Deutschland bewährt hatten. Das aber funktioniert nicht. In jedem Land gelten andere Regeln und Bedingungen, die auch kulturell geprägt sind. Darauf sind wir mittlerweile gut eingestellt.

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Anleihen Finder: Können Sie uns Auskunft zu Umsatz, EBIT, Cashflow und der Verschuldung der ABO Wind AG geben?

Dr. Jochen Ahn: Der Umsatz des ABO Wind-Konzerns ist in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen. Der Geschäftsabschluss für 2017 wird Ende Mai veröffentlicht. 2016 haben wir erstmals mehr als 100 Millionen Euro erlöst. Die Gesamtleistung aus Umsatz und Bestandsveränderung betrug 2016 rund 145 Millionen Euro. Der Wert der von uns realisierten Projekte ist etwa dreimal so hoch. Im Gegensatz zu Wettbewerbern läuft bei uns der Einkauf der Windkraft- und Solaranlagen nicht über die Konzernbilanz.

Beim Projektentwicklungsgeschäft ist die Betrachtung eines einzelnen Geschäftsjahres weniger aussagekräftig. Kumuliert haben wir in den Jahren 2015 bis 2017 ein EBIT in Höhe von gut 60 Millionen Euro erreicht – mit klar steigender Tendenz. Im bislang erfolgreichsten Geschäftsjahr 2016 betrug der Jahresüberschuss 16,5 Millionen Euro. Für das Geschäftsjahr 2017 haben wir einen mindestens ebenso hohen Jahresüberschuss prognostiziert.

2015 und 2016 hat ABO Wind besonders stark in den Auf- und Ausbau der Projektpipeline aus in Entwicklung befindlichen Windparks finanziert und in großem Umfang Anzahlungen an Turbinenlieferanten geleistet. Daher fiel der operative Cashflow 2015/2016 leicht negativ aus. Im Geschäftsjahr 2017 hatten wir dagegen einen außerordentlich hohen positiven operativen Cashflow, weil wir große Windparks in Finnland realisiert und in Frankreich ein Portfolio aus zehn Windparks in Entwicklung mit einer Nennleistung von 100 Megawatt verkauft haben.

Trotz der stark und kontinuierlich wachsenden Geschäftstätigkeit, die sich in der Bilanzsumme widerspiegelt, ist es gelungen, die Eigenkapitalquote im Geschäftsjahr 2017 stabil bei rund 45 Prozent zu halten. Das ist den guten Ergebnissen zu verdanken, die sich in wachsenden Gewinnrücklagen niederschlagen.

Anleihen Finder: Zur Finanzierung: Sie haben eine breite Eigenkapitalbasis (72 Mio. Euro Ende 2017), dennoch möchten Sie den Kapitalmarkt um bis zu 15 Millionen Euro anzapfen. Wofür benötigen Sie dieses Geld konkret?

„Emissionserlöse dienen dazu, Photovoltaikmodule vorzufinanzieren“

Dr. Jochen Ahn: Unser Unternehmen wächst seit Jahren kräftig. Wir gehen davon aus, dass sich diese positive Entwicklung fortsetzt. Wegen unserer guten Bilanzzahlen und der Perspektiven sind Banken derzeit gerne bereit, uns Geld zu leihen. Auf diesem Weg könnten wir unseren Liquiditätsbedarf gut decken. Allerdings legen wir auch langfristig Wert auf eine hohe Eigenkapitalquote. Konkret einsetzen werden wir den Emissionserlös, um bei der Projektierung von Solarparks Photovoltaikmodule vorzufinanzieren. So können wir Projekte vorantreiben, ohne auf die Mittel der projektfinanzierenden Bank warten zu müssen. Das beschleunigt die Projektentwicklung und verschafft uns Wettbewerbsvorteile.

Anleihen Finder: Warum haben Sie sich ausgerechnet für die Begebung einer Wandelanleihe, einem zugegebenermaßen derzeit sehr beliebten Finanzierungsinstrument, entschieden und dabei eine kurze Laufzeit von lediglich zwei Jahren gewählt?

„Wollen die gute Eigenkapitalbasis weiter stärken“ 

Dr. Jochen Ahn: Wir möchten uns am Kapitalmarkt kein Geld für zwei Jahre leihen. Vielmehr ist die Wandelanleihe ein Weg für uns, Investoren auf unser Unternehmen aufmerksam zu machen und in einem zweiten Schritt als Aktionäre zu gewinnen. So wollen wir unsere ohnehin gute Eigenkapitalbasis weiter stärken. Auch bei einem beschleunigten Unternehmenswachstum soll die Eigenkapitalquote hoch bleiben. Neben den dank der guten Jahresergebnisse beständig steigenden Gewinnrücklagen soll dazu auch eine Kapitalerhöhung beitragen.

Anleihen Finder:  Was spricht gegen eine herkömmliche Anleihe und eine höhere Fremdkapitalseite?

Dr. Jochen Ahn: Eine herkömmliche Anleihe wäre für uns unattraktiv. Um unser Unternehmen mit Fremdkapital zu finanzieren, bieten uns Banken derzeit bessere Konditionen. Da das Geschäft der Projektentwicklung mit Risiken und Schwankungen verbunden ist, bedarf es einer hohen Eigenkapitalquote, um langfristig erfolgreich zu sein.

Anleihen Finder:  Wenn eine Wandelanleihe begeben wird, muss zwangsläufig auch die Aktie angesprochen werden. Diese notiert derzeit bei etwa 12,40€ – wie sind Sie mit der Entwicklung der Aktie zufrieden und welches Kursziel sehen Sie derzeit als realistisch an?

„Unsere Aktie ist sehr günstig bewertet“

Dr. Jochen Ahn: Im Vergleich mit Wettbewerbern ist unsere Aktie sehr günstig bewertet. Bezogen auf das Geschäftsjahr 2016 und das für 2017 prognostizierte Ergebnis liegt das Kurs-Gewinn-Verhältnis bei unter 7. Wettbewerber sind mit einem drei- bis vierfachen KGV bewertet. Für das Potenzial unserer Aktie spricht auch, dass wir die Internationalisierung unseres Geschäfts frühzeitig vorangetrieben haben und mittlerweile gut diversifiziert sind. Das jüngst veröffentliche Kursziel des Analysten Dr. Karsten von Blumenthal (First Berlin), der die Aktie bei 20 Euro fair bewertet sieht, scheint mir keineswegs überzogen.

Anleihen Finder: Anleger haben jeweils im Oktober 2018 und 2019 die Möglichkeit, ihre Anleihen in Aktien zu tauschen – wie sehen die Rahmenbedingungen dafür aus?

Dr. Jochen Ahn: Jede Anleihe im Wert von 15 Euro gibt dem Eigentümer das Recht auf eine Aktie. Sofern der Aktienkurs also die Schwelle von 15 Euro überschritten hat, lohnt sich für Anleger die Wandlung.

INFO:  Eine Wandelanleihe kostet 15 Euro. Die Mindestzeichnung beträgt 300 Stück, also 4.500 Euro. Für Zeichnungen ab dem 1. Mai 2018 sind für jeden angefangenen Monat zusätzlich Stückzinsen in Höhe von 1/12 von 3 % zu zahlen, d.h. für Zeichnungen ab dem 1. Mai 2018 ist ein Aufschlag von 0,25 % zu zahlen, ab dem 1. Juni 2018 von 0,5 %, ab dem 1. Juli 2018 von 0,75 % etc.. Eine Wandelanleihe kostet mithin ab 1. Mai 15,0375 Euro. Zeichnungsscheine stehen auf der Internetseite (www.abo-wind.com/wandelanleihe) zur Verfügung.

Anleihen Finder: Warum ist der Markt für Erneuerbare Energien mehr denn je ein Zukunftsmarkt?

Dr. Jochen Ahn: Dank des technologischen Fortschritts produzieren Solar- und Windkraftwerke Strom mittlerweile zu günstigeren Preisen als neu errichtete Kohle-, Gas- oder Atomkraftwerke. Bis vor kurzem war es „nur“ aus Gründen des Klimaschutzes notwendig, erneuerbare Energien zu nutzen. Nun spricht auch finanziell nichts mehr für fossile Kraftwerke. Schon in den vergangenen Jahren floss ein Großteil der globalen Kraftwerksinvestitionen in erneuerbare Technologien. Dieser Trend wird sich noch deutlich verstärken. Der weltweite Aufbau einer erneuerbaren Energieversorgung hat gerade erst begonnen, das Potenzial ist immens.

Anleihen Finder: Ihr Schlussplädoyer: Warum sollten Investoren der ABO Wind AG ihr Geld anvertrauen?

Dr. Jochen Ahn: Mit einer 22-jährigen Unternehmensgeschichte zählt ABO Wind zu den erfahrenen und renommierten Projektentwicklern für erneuerbare Energien. Als eigentümergeführter Mittelständler sind wir zugleich global ausgerichtet und regional verwurzelt. ABO Wind erwirtschaftet seit vielen Jahren kontinuierlich gute Jahresergebnisse. Unseren Aktionären bieten wir stetige und solide Ausschüttungen, so dass sich bislang eine Dividendenrendite von zwei bis drei Prozent ergeben hat. Das Unternehmen wächst organisch und ist mit aktuell rund 500 qualifizierten Mitarbeitern bestens gerüstet, um weiter erfolgreich weltweit an der Energiewende mitzuwirken.

Anleihen Finder: Besten Dank für das ausführliche Gespräch, Herr Dr. Ahn.

Anleihen Finder Redaktion.

Fotos: ABO Wind AG

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