Laurèl-Chef Dirk Reichert im Interview: „Restrukturierung der Anleihe zwingend erforderlich“ – „Zinszahlung über 1,425 Millionen Euro würde jeglichen Spielraum nehmen“

Mittwoch, 12. August 2015


Die Laurèl GmbH steckt in finanziellen Schwierigkeiten und kämpft ums Überleben. Das Unternehmen hat für den 31.08.2015 eine Gläubigerversammlung einberufen, bei der über die Restrukturierung der Unternehmensanleihe des Modekonzerns abgestimmt werden soll.

Die Anleihen Finder Redaktion hat mit dem Geschäftsführer der Laurèl GmbH, Dirk Reichert, über die aktuelle Situation und über Details der Anleihe-Restrukturierung gesprochen.

„Restrukturierung der Anleihe zwingend erforderlich“

„Wir sind schon seit 2014 in umfassenden Restrukturierungen. Für das laufende Jahr erwarten wir bereits eine spürbare Ergebnisverbesserung – allerdings bewegen wir uns noch immer auf einem Niveau, das die Restrukturierung der Anleihe zwingend macht. Wir werden noch stärker die Kosten reduzieren, unsere Standorte permanent auf den Prüfstand stellen und defizitäre Standorte schließen. Wir beabsichtigen, unsere Abhängigkeit von Russland und Osteuropa weiter zu verringern und uns auf für uns bestehende Wachstumsmärkte zu fokussieren, beispielsweise durch eine Optimierung der Vertriebsstruktur“, so Dirk Reichert im Gespräch mit der Anleihen Finder Redaktion.

Zinsreduzierung auf 1,5 bis 4,0 Prozent

Primäres Ziel sei zunächst einmal die Aussetzung der nächsten Zinszahlung im November über 1,425 Millionen Euro. Laut Reichert soll für die laufende Zinsperiode die Verzinsung entfallen und in den darauf folgenden drei Zinsperioden soll der Zinssatz auf 1,5 Prozent, 2,0 Prozent bzw. 4,0 Prozent reduziert werden, bevor in der Zinsperiode 2018/2019 wieder zum normalen Zinssatz zurückkehrt werde.

„Zinszahlung würde jeglichen Spielraum nehmen“

Auf die Frage was ein „Nicht-Aussetzen“ der Zinszahlung zur Folge hätte, sagte Reichert: „Die Auswirkungen der Russland-Krise auf unser Geschäft haben seit dem Beginn Anfang 2014 ein Ausmaß angenommen, dass wir gezwungen waren, weitreichende Gegenmaßnahmen zu ergreifen. Dazu gehören eine umfassende operative Restrukturierung, die bereits seit einiger Zeit im Gange ist, und eine aktive Suche nach einem strategischen Investor. Beides ist für uns von elementarer Bedeutung und eine Restrukturierung des Unternehmens würde aufs Spiel gesetzt werden, wenn uns durch die Zinszahlung jeglicher Raum für eine Umsetzung genommen würde.“

Strategischer Investor gesucht

Ergänzend fügte Reichert an, dass die Restrukturierung eine zwingende Voraussetzung dafür sei, damit auch andere Szenarien für eine erfolgreiche Umsetzung in Frage kämen.

„Beispielsweise suchen wir einen strategischen Investor, um die für Laurél bestehenden Wachstumspotenziale schneller realisieren zu können. Seit Juni 2015 sind wir hier aktiv“, so Reichert zur Anleihen Finder Redaktion.

Der niedrige Anleihe-Kurs habe indes keine direkten Auswirkungen auf die gegenwärtige Situation gehabt, da die Laurèl GmbH als Wachstumsunternehmen für die Rückführung der Anleihe primär auf selbst generierte Cash Flows gesetzt habe, die jetzt aber insbesondere durch die Russland-Krise nur mit zeitlicher Verzögerung möglich seien.

DIU e.V. lehnt Restrukturierungsvorschläge ab

Unterdessen teilte die Deutsche Investoren Union DIU e.V. heute mit, die auf der Gläubigerversammlung zur Abstimmung stehenden Punkte wie Laufzeitverlängerung der Anleihe um drei Jahre, Aussetzung der Zinszahlung für die laufende Zinsperiode, Verringerung der Verzinsung für die drei folgenden Zinsperioden sowie die Bestellung eines gemeinsamen Vertreters für alle Anleihegläubiger, abzulehnen.

Die Begründung der DIU kann hier nachgelesen werden. Darüber hinaus rät die DIU allen betroffenen Anleiheinhabern, die ihnen aus der Anleihe zustehenden Rechte wahrzunehmen.

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Anleihen Finder Redaktion. Timm Henecker.

Foto: Laurèl GmbH / Dirk Reichert

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Unternehmensanleihe der Laurèl GmbH 2012/2017

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