KTG – Kanz Tief Gefallen – Kolumne von Marius Hoerner

Dienstag, 28. Juni 2016


Kursziel für KTG Agrar Aktien und Anleihen: Null

Siegfried Hofreiter (* 1962 in Regensburg) ist seit 2007 Vorstandsvorsitzender der KTG Agrar AG. Das Unternehmen ist der flächenstärkste Erzeuger von Agrarprodukten in Westeuropa. Die Familie Hofreiter bewirtschaftete ein Unternehmen im Agrarbereich mit gepachteten Ackerflächen und Geflügelhaltung. Dieses musste 1989 Insolvenz anmelden mit 30 Mio. DM Schaden für die Gläubiger. In diesem Rahmen wurde Siegfried Hofreiter 2002 wegen Insolvenzverschleppung rechtskräftig verurteilt und er durfte in den folgenden fünf Jahren keine leitende Tätigkeit in einer Kapitalgesellschaft einnehmen. Während dieser Zeit war seine Lebensgefährtin Beatrice Ams Geschäftsführerin der KTG Agrar GmbH. Von Insidern wurde sie allerdings als „gut funktionierender Unterschriftsautomat“ bezeichnet. Die GmbH wurde 2005 in eine AG überführt und mit dem Ende der Strafe 2007 wurde Hofreiter Vorstandsvorsitzender und Finanzvorstand der KTG Agrar AG, die 2013 in eine SE umgewandelt wurde. …“*

*Zitat Wikipedia

Fehler sollte man nur einmal machen

Fehler kann jeder machen, keine Frage! Und abgegoltene Strafen sind abgegolten und somit „Schnee von gestern“. Auch das ist grundsätzlich keine Frage! Aber es gibt halt Fehler, die sollte man nur einmal machen.

Zugegeben, Ende 2011 habe ich KTG gekauft. Die Aufstockungen waren zu dem Zeitpunkt bekannt.

ktg

Was nicht bekannt war, waren die permanenten Nachplatzierungen aus den Aufstockungen. Das ist zwar mehr Annahme als beweisbare Tatsache aber Fakt ist, dass kaum eine Woche verging in der nicht größere Bestände angeboten wurden. Hinzu kommt, dass im Jahr 2012 jede KMU Anleihe mit einem halbwegs aussprechbaren Namen Performance zeigte. Nur die Anleihen des börsennotierten Unternehmens KTG Agrar nicht. Aber wen wundert’s wenn da € 250 Mio. in den Markt gepumpt worden sind?

Endgültig verabschiedet haben wir uns im Herbst 2012. Zu dem Zeitpunkt haben wir festgestellt, dass still und heimlich, eine weitere Anleihe an den Markt gebracht werden sollte. Dies ist kaum bekannt, aber die WKN A1PG09 findet man bei den gängigen Suchmaschinen und den dazugehörigen Prospekt nebst 3 Nachträgen hier.

Erstaunlich aber wahr, im Herbst 2014 hat es dann doch nochmal geklappt. Insgesamt konnten weitere € 92 Mio. an die Anleger verteilt werden. Was nicht mehr durchzusetzen war, war die Platzierung der 5,50% Wandelanleihe mit dem Prospektdatum 16.12.2015. Neben dem Prospekt bei der BaFin findet man Hinweise auf die Anleihe wenn man im World Wide Web nach der WKN A161Y3 sucht.

Nun ist das Kind in den Brunnen gefallen, aber leider noch tiefer als befürchtet

Die von Herrn Hofreiter selbst gesteckte Frist von der Nachzahlung der Zinsen innerhalb von 14 Tagen ist verstrichen. Am 19. Juni wurde auf der Internetseite ein Update veröffentlicht. Der Tenor: Leider konnten wir die Zinsen bisher nicht aufbringen. Wir bitten um Entschuldigung. Bitte unterstützen Sie uns im Rahmen Ihrer Möglichkeiten.

Für die betroffenen Anleger und Aktionäre muss es wie Hohn klingen, denn auf der Startseite prangt immer noch in frischegrünen Buchstaben: „Erfolgreiche Entwicklung seit 20 Jahren“.

Kleine Anekdote am Rande: Es gibt zwei Analysen einer Bank vom 30. Mai 2016 (kaufen; Kursziel € 18,00) und vom 06. Juni 2016 (halten; Kursziel € 7,00). Vielleicht lässt die Bank ihren Worten ja Taten folgen… aber eher nicht.

Aber es kommt noch schlimmer

Erst war es nur ein Munkeln, mittlerweile ist es ein deutliches Rauschen. Anleihe II, der € 250 Mio.-Brummer, hat schlampige Anleihebedingungen. Wie es aussieht kann diese Anleihe nicht nach dem Schuldverschreibungsgesetz restrukturiert werden.  Also keine Gläubigerversammlung, keine Stundung der Zinsen, keine Restrukturierung der Anleihe. Das wird ein Fest für die Anwälte, aber die Party zahlen die Gläubiger und Aktionäre.

Die Anleihebedingungen sind ein Teil der uns zu dem in der Überschrift genannten Kursziel führt und wir behalten uns vor, auch dann recht gehabt zu haben, wenn die Kurse am Ende leicht darüber notieren. Der zweite Punkt sind die Organigramme in den Prospekten. Nach unserem Dafürhalten ist das Organigramm, das man bei German Pellets sehen konnte, im Vergleich dazu, gut strukturiert.

Dementsprechend sehen wir als Kombination dieser Faktoren kaum eine Möglichkeit das Thema KTG Agrar in einem überschaubaren Zeitraum zu bewältigen. Bei Restrukturierungen gilt mehr denn je: Zeit ist Geld. Zeit wird man vermutlich jede Menge brauchen und Geld ist knapp.

Eigentlich wollte ich mich noch zur „guten Seite“ des Marktes äußern. Ich vermute allerdings, dass den meisten Lesern und Anlegern danach aktuell nicht der Sinn steht. Für diejenigen die unerschrocken bleiben hier die Hinweise: Karlsberg, Schalke und Ferratum. Selbstverständlich ist das unsere Einschätzung per heute. Wie bei allen Anlagen, egal ob Aktien, Anleihen oder Derivate, gilt es aufmerksam zu sein. Was heute Hui ist, kann morgen …

Marius Hoerner
Hinkel & Cie. Vermögensverwaltung AG, Portfolio Manager

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