gamigo wandelt sich zum Dienstleister – Minibond-Emittentin will weg vom Image als Spiele-Entwickler

Donnerstag, 23. April 2015

Theodor Niehues, Co-CEO der gamigo AG, stellte sich den Fragen der Anleihen Finder Redaktion:

Anleihen Finder Redaktion: Der Kurs der gamigo-Anleihe liegt seit der Emission konstant unter pari. Warum bewertet der Markt die gamigo-Anleihe nicht besser?

Theodor Niehues: Da kann natürlich die relativ geringe Liquidität der Anleihe eine Rolle spielen, wobei das reduzierte Anleihevolumen und die somit niedrige Verschuldung eigentlich ein Vorteil für die Anleihegläubiger sind. Vor allem aber denke ich, dass unsere Anleihe mit Abschlag gehandelt wird, weil unsere operative Strategieanpassung vom Kapitalmarkt noch nicht realisiert worden ist. Genau das dürfte sich in den kommenden Monaten ändern.

Anleihen Finder Redaktion: Welche Argumente gibt es dafür, dass der Kurs besser sein müsste?

Nicht von einzelnen Spielen abhängig

Theodor Niehues: Eben jene neue Plattformstrategie, die gamigo erfolgreich aufgesetzt hat und die wir jetzt umsetzen. Wir sind nicht primär der Entwickler von Spielen sondern unabhängige Schnittstelle zwischen Anbietern von Computerspielen und Vertriebskanälen. Dadurch sind wir nicht länger nur vom Erfolg einzelner Spiele abhängig und weisen im Vergleich zu früher ein deutlich besseres Risikoprofil auf. Und das Beste daran: Die Aufwendungen für unsere Plattform sind bereits durch die Vorbesitzer der Firma in der Vergangenheit getragen worden. Wir können uns jetzt voll auf steigende Umsätze und Gewinne fokussieren. Ein Beispiel für unsere neue Strategie ist die Zusammenarbeit mit weltweit führenden Spieleentwicklern wie u.a. Electronic Arts und Ubisoft. Darüber hinaus wachsen wir in Zukunftsmärkten wie Mobile und Online und haben operativ bereits den Break-even erreicht.

Anleihen Finder Redaktion: Warum sollte man in die gamigo-Anleihe investieren?

Theodor Niehues: Weil unsere neue Plattformstrategie auf gute Resonanz stößt, hat sich dadurch unser Unternehmensrisiko klar verringert und sich die Profitabilität von gamigo wesentlich verbessert; Grund sind der geringe Kapitalbedarf der neuen Strategie sowie ein Umsatzschub, weil wir viele neue attraktive Games für unsere Plattform gewinnen konnten. Außerdem bietet unsere Anleihe vor dem Hintergrund, dass wir operativ wieder Geld verdienen und eine steigende Profitabilität erwarten, eine sehr attraktive Rendite.

Anleihen Finder Redaktion: Welche weiteren Maßnahmen am Kapitalmarkt planen Sie? Weitere Unternehmensanleihen?

Theodor Niehues:
Aktuell planen wir keine weitere Unternehmensanleihe aufzulegen. Wenn wir Kapital einwerben würden, dann wäre unsere erste Präferenz eher Eigenkapital. Aber auch dies ist momentan nicht geplant.

Mit Dienstleistungen Geld verdienen

Anleihen Finder Redaktion: Wie verdient gamigo eigentlich Geld? Und wie werden sich Ihre Erlöse nach Ihrem Management-Plan in den nächsten Jahren voraussichtlich entwickeln?

Theodor Niehues: Wir generieren Erlöse durch die Bereitstellung unserer Plattform sowie durch die Übernahme des Payments, des Spiele-Supports und weitere Dienstleistungen. Bei den Freemium-Spielen wird zudem Geld über den Verkauf von so genannten Items im Spiel, welche die Spielfreude und den Erfolg bei Spielen steigern, eingenommen. Zum anderen generieren wir zunehmend Erlöse durch den Verkauf von Werbung. Für die kommenden Jahre erwarten wir deutlich steigende Erlöse. Einerseits weil wir unsere Plattform zunehmend mehr auslasten und zum anderen weil Online-Spiele insgesamt ein Wachstumsmarkt sind.

Anleihen Finder Redaktion: Wie gestaltet sich die Finanzsituation von gamigo? Wie viele Schulden müssen noch abgebaut werden?

Theodor Niehues
: Unsere Finanzsituation ist ausgesprochen gut. Wir verfügen über eine komfortable Eigenkapitalquote von rund 35 Prozent und haben kaum Bankschulden. Wir sind also sehr solide finanziert und müssen nicht schnell Schulden abbauen. Operativ schreiben wir ein positives EBITA.

Anleihen Finder Redaktion: Welche Firmen sind Ihre Hauptkonkurrenten?

Theodor Niehues: Als Plattformanbieter, der in 30 Ländern tätig ist und mehr als 35 Millionen registrierte Gamer hat, besitzen wir wenig Konkurrenten. Das ist anders als wenn man reiner Entwickler oder Publisher ist. Das macht unsere Marktposition ja auch perspektivisch so komfortabel. Am ehesten kann man uns noch mit der Plattform „Steam“ aus den USA vergleichen, jedoch bieten wir zusätzlich noch Marketing und Hosting as a Service an.

Zukäufe?

 

Anleihen Finder Redaktion: Sie hatten angekündigt, auch durch Akquisitionen zu wachsen. Was gibt es in diesem Bereich Neues? Welche Firmen haben sie übernommen oder verkauft?

Theodor Niehues: Durch den Erwerb der ebenfalls in Hamburg ansässigen INTENIUM GmbH haben wir unsere Position im Mobile- und Online-Bereich sowie unser Plattformangebot erheblich gestärkt. Auch unsere Marktposition in der weiblichen Zielgruppe haben wir durch die INTENIUM-Akquisition klar ausgebaut. Wie bereits bei der Übernahme veröffentlicht, wird INTENIUM gamigo im Gesamtjahr 2015 einen Umsatzbeitrag von mehr als vier Mio. Euro und ein zusätzliches positives EBITDA von rund einer Mio. Euro liefern. Weitere wertschaffende Akquisitionen befinden sich in der Prüfung. Hier kann ich erst etwas dazu sagen, wenn alles in trockenen Tüchern ist.

Anleihen Finder Redaktion: Sie haben Strategiewechsel ihres Geschäftsmodells vorgenommen – hin zu mehr Dienstleistung. Was verbirgt sich dahinter und – salopp formuliert – wie viel kommt dabei herum?

Theodor Niehues: Das habe ich ja in Teilen schon erläutert. Letztlich haben wir gamigo in den vergangenen Monaten umfassend neu positioniert. Mit unserer Plattform für Online-Spiele sind wir nicht mehr mit dem Entwickler vergleichbar, der vom Erfolg eines einzelnen Spieles abhängt und der bei Misserfolg ein Problem hat. Wir sind unabhängige Schnittstelle mit modularem Leistungsangebot. Dadurch reduzieren wir unser Risiko wesentlich. Zudem führt die neue Strategie durch höhere Umsätze und einen geringeren Kapitalbedarf zu einer auf Dauer deutlich verbesserten Profitabilität.

Sicherheit und Transparenz

Anleihen Finder Redaktion: Noch zwei Fragen zum Schluss zu den Themen Online-Sicherheit und Transparenz: Wie sorgen Sie für die Sicherheit Ihrer Online-Angebote? Wie sorgen Sie für sichere Online-Transaktionen?

Theodor Niehues: Die Sicherheit aller Online-Angebote steht an oberster Stelle. All unsere Systeme und Schnittstellen sind durch ein Hochsicherheits-Enterprise-Class-Hardware-Firewall-Cluster geschützt. Die komplette Kommunikation ist SSL-verschlüsselt. Parallel dazu wird die Anwendungssoftware durch einen speziellen internen (IP-) Filter zusätzlich geschützt. Insbesondere alle Payment-Vorgänge sind durch autorisierte Zertifikate gesichert.

Anleihen Finder Redaktion: Sie setzen sich für Transparenz in der Kommunikation mit den Anleihe-Gläubigern ein. Inwiefern kommunizieren Sie transparent?

Theodor Niehues: Wir informieren den Kapitalmarkt zeitnah und umfassend über unsere Unternehmensentwicklung. Dies geschieht über Pressemitteilungen, unsere Jahres- und Halbjahresberichte sowie Informationen zum Quartalsverlauf und zahlreiche weitere Informationen auf unserer Website. Außerdem führen wir regelmäßig persönliche Gespräche mit der Finanzpresse und Investoren. Darüber hinaus stehen wir über eine erfahrene und etablierte Kommunikationsagentur jederzeit für Fragen von Anleihegläubigern zur Verfügung.

Anleihen Finder Redaktion: Herr Niehues, vielen Dank für das Interview!

Tipp: Sie lesen gerade ein Interview aus unserem aktuellen Newsletter. Unser nächster Newsletter erscheint am Mittwoch, den 29. April 2015. Melden Sie sich jetzt gleich auf unserer Homepage (rechts oben unter “Newsletter”) für unseren Newsletter an!

Anleihen Finder Redaktion.

Foto: Paul J. Rush / flickr P.J. Rush

Anleihen Finder Datenbank

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