Andreas Wegerich, youmex Invest AG, zum Erfolg von Modeanleihen: „Emotional gibt es Unterschiede!“

Mittwoch, 20. März 2013


Zwischen März 2012 und heute haben 7 deutsche Modeunternehmen Schuldverschreibungen begeben und in einem Qualitätssegment listen lassen. (Rudolf Wöhrl AG, Steilmann-Boecker, René Lezard, Golfino AG, Laurèl GmbH, eterna Mode Holding GmbH, Textilkontor Walter Seidensticker). Zuletzt platzierte auch die Strenesse AG EUR 12 Mio. bei institutionellen Investoren. Anleihen Finder befragte Andreas Wegerich, Vorstand der youmex Invest AG, zu dem neuen „Mode-Trend“.

Anleihen Finder: Es sieht so aus, als hätte die Fashion-Industrie Unternehmensanleihen für sich entdeckt. Was liegt dem zu Grunde?

Andreas Wegerich: Vollkommen unabhängig von der Branche haben mittelständische Unternehmen den Wert der bankenunabhängigen Finanzierung entdeckt. Durch die Begebung einer Anleihe kann der Liquiditätsbedarf der kommenden fünf Jahre und mehr abgedeckt werden. Teilweise sind inzwischen die Kriterien des Kapitalmarktes leichter zu erfüllen als die Anforderungen von Banken an die Kreditvergabe im zwei- und dreistelligen Millionenbereich. Die Gründe liegen also auf der Hand. Ferner kommen die Segmente der Börsen für Unternehmensanleihen im Angesicht von Basel III und den damit verbundenen Finanzierungs- und Eigenkapitalschwächen gerade zur rechten Zeit.

Anleihen Finder: Welche Besonderheiten gibt es nach Ihrer Erfahrung bei Anleihen aus dem Modesektor zu beachten?

Andreas Wegerich: Wir können aus Anlegersicht rational betrachtet keine Unterschiede zu anderen Branchen feststellen. Emotional gibt es sicher Unterschiede. Bestimmt sind die privaten Anleger in Modetiteln auch Käufer der Waren. Wenn die Qualität der Produkte und der Service im Einzelhandel überzeugt, ist man auch eher geneigt, dem Unternehmen zu vertrauen und in eine Anleihe zu investieren. Von Emittentenseite kann die Anleihe durchaus als Kundenbindungsinstrument betrachtet werden.

Anleihen Finder: Fast alle Schuldverschreibungen wurden im Blitztempo vollplatziert. Woran lag dies? Wie groß ist die Rolle, die bekannte Markennamen dabei gespielt haben?

Andreas Wegerich: Auch Kapitalmarktprodukte müssen vermarktet werden. Ein respektabler Markenname erleichtert die breite Ansprache von Investoren und vor allem die der privaten Anleger. Die institutionellen Investoren haben schnell erkannt, dass bei Brands in der Regel mit Überzeichnungen zu rechnen ist und somit ein Kursanstieg vorausgesetzt werden kann.

Anleihen Finder: Sieben der acht gelisteten Mode-Anleihen stehen auf einem Kurs, der deutlich über 100 Prozent liegt. Die einzige Ausnahme bildet Renè Lezard (93,4 Prozent). Was ist bei dieser Anleihe anders?

Andreas Wegerich: Innerhalb der Peer Group sehe ich keine fundamentalen Gründe. Das Unternehmen hat seine Forecasts erfüllt und es gab zuletzt eine Reihe von Empfehlungen, die Renè Lezard im Branchenvergleich eher als zu günstig bewertet einschätzen. Bei den vergleichsweise geringen Umsätzen im Segment dauert es manchmal einfach länger, bis Titel ihren fairen Wert finden.

Anleihen Finder: Eine Einschätzung: Werden wir noch weitere Modehaus-Emissionen erleben? Gibt es hier noch entsprechende Kandidaten? Welcher andere Wirtschaftszweig hat ein vergleichbares Potential?

Andreas Wegerich: Auf jeden Fall werden wir weitere Emissionen aus dem Modebereich sehen, in der Gerüchteküche des Kapitalmarktes werden sogar schon Namen geflüstert. Vergleichbares Potential hat auf jeden Fall die Nahrungs- und Genussmittelbranche. Die Nachfrage dürfte hier ähnlich stark sein.

Anleihen Finder: Vielen Dank!

Foto Titel: Q.pictures_pixelio.de

Foto Andreas Wegerich: youmex Invest AG

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