“Wir fühlen uns auf dem deutschen Kapitalmarkt sehr wohl“ – Emissions-Interview mit Ricardo Phielix, CFO der Metalcorp Group B.V.

Mittwoch, 6. September 2017


Die Metalcorp Group B.V. begibt eine neue fünfjährige Anleihe (ISIN: DE000A19MDV0) im Volumen von bis zu 50 Millionen Euro mit einer jährlichen Verzinsung von 7,00 Prozent. Die Anleihe-Offerte umfasst ein Umtauschangebot an Alt-Anleger (seit dem 30. August 2017), eine Privatplatzierung bei institutionellen Investoren sowie ein öffentliches Angebot für Neuinteressierte (11. bis 28. September 2017).
Die Anleihen Finder Redaktion hat mit Ricardo Phielix, CFO der Metalcorp Group B.V., über die erneute Anleihe-Emission gesprochen.

Anleihen Finder Redaktion: Sehr geehrter Herr Phielix, nun bietet Metalcorp also doch nochmal öffentlich eine Anleihe für 50 Mio. € an. Nach der Privatplatzierung eines 70-Mio.-€-Bonds im Juni kommt das doch etwas überraschend. Warum haben Sie sich erneut für eine Anleihe-Begebung (und dieses Mal öffentlich) entschieden?

Ricardo Phielix: Mit dem im Juni international platzierten Bond ist die Refinanzierung unserer ersten Anleihe, die im Juni 2018 fällig wird, schon frühzeitig gesichert. Mit der aktuellen Anleihe-Emission verfolgen wir mehrere Zielrichtungen: Wir stellen unseren Finanzierungsmix insgesamt neu auf mit einer Perspektive bis 2022. Darin wird die Anleihefinanzierung auch weiterhin einen wichtigen Platz haben mit einem perspektivisch ausstehenden Volumen von bis zu 120 Mio. Euro nach erfolgter Tilgung der Anleihe 2013/2018. Das ist eine passende Größenordnung angesichts unseres stabilen Wachstums.

Wir fühlen uns auf dem deutschen Kapitalmarkt sehr wohl. Die Investoren verstehen unser Business-Modell sehr gut und unsere risikoaverse Grundausrichtung wird gut angenommen. Deshalb wollen wir mit der dritten Anleihe ein wichtiges Instrument weiterhin langfristig im deutschen Kapitalmarkt platziert wissen und dadurch diesen Investorenzugang weiter pflegen. Gleichzeitig sind wir als weltweit aufgestelltes Unternehmen mit 21 Niederlassungen in 18 Ländern und auf 5 Kontinenten einfach prädestiniert für einen internationalen Kapitalmarktzugang. Dass das wunderbar funktioniert, hat die Bond-Platzierung bei internationalen institutionellen Investoren im Juni gezeigt, die ein voller Erfolg war. Jetzt haben wir zwei Standbeine am Kapitalmarkt, die uns entsprechende Optionen eröffnen und die wir pflegen und weiterentwickeln werden.

„Der Schuldschein ist ein schönes Instrument“

Anleihen Finder Redaktion: Wurden hinter den Kulissen weitere Finanzierungsformen diskutiert – etwa die Begebung eines Schuldscheindarlehens?

Ricardo Phielix: Selbstverständlich prüfen wir ständig sämtliche Optionen. Finanzierungsfragen gehören für uns im Rahmen unserer Handelsaktivitäten zum Kerngeschäft – sowohl für die konkreten Back-to-Back-Geschäfte als auch in der allgemeinen Unternehmensfinanzierung. Der Schuldschein ist ein schönes Instrument, allerdings auch eher auf Deutschland ausgerichtet. Wir haben der strategischen Ausrichtung den Vorzug gegeben, einen international platzierten Bond und eine eher auf den deutschen Kapitalmarkt ausgerichtete Anleihe zu begeben.

Anleihen Finder Redaktion: Wofür sollen die Anleihemittel explizit genutzt werden? Stehen Akquisitionen weiterer Assets (nach Stockach) auf der Agenda?

Ricardo Phielix: Wie bereits erwähnt, ist durch den internationalen Bond die Refinanzierung der Alt-Anleihe bereits gesichert. Formal wollen wir die Mittel aus der aktuellen Emission zur anteiligen Tilgung verwenden beziehungsweise möglichst viele Investoren der Altanleihe davon überzeugen, in die neue Anleihe zu tauschen. Und ich denke, wir haben da gute Argumente mit einem weiterhin attraktiven Zinskupon von 7 % p.a. und 25 Euro Umtauschprämie pro getauschte Schuldverschreibung.

„Barhinterlegungen und Akquisitionen“

Die nach den Transaktionen insgesamt höhere Kapitalausstattung wollen wir einerseits im normalen Handelsgeschäft als Barhinterlegungen einsetzen – so wie wir das vorrangig mit der Anleihe 2013/2018 gemacht haben. Andererseits halten wir aber auch die Augen nach Opportunitäten offen, die sich durch Akquisitionen ergeben könnten. Wir haben hier bereits bewiesen, dass wir schnell und wirkungsvoll integrieren können. Es muss aber in der Größe und Ausrichtung zu uns passen.

Strangguss beim Berliner Aluminiumwerk BAGR

Anleihen Finder Redaktion: Das Geschäftsmodell der Metalcorp ist durchaus speziell. Erklären Sie möglichen Neu-Investoren doch bitte, wie die Metalcorp ihr Geld verdient und wie die beiden in 2017 begeben Anleihen refinanziert werden sollen?

Ricardo Phielix: Ich fange von hinten an: Wir sprechen hier über Anleihen, die 2022 fällig werden. Wir haben bewiesen, dass wir einen funktionierenden Kapitalmarktzugang haben und dass unsere Marge und unser Gewinn stabil wachsen – weitgehend unabhängig von Umfeld-Faktoren. Damit stehen uns verschiedene Möglichkeiten offen: von der Refinanzierung bis zur Rückzahlung. Welche Optionen wir 2022 letztlich nutzen werden, werden wir 2020/2021 prüfen und entscheiden.

Unser Geschäftsmodell im Handel ist eigentlich ganz einfach: Wir bieten regionalen Stahlproduzenten, Metallherstellern und Minenbetreibern den fehlenden internationalen Marktzugang, kostengünstige Logistik sowie Handelsfinanzierungen über unsere Gruppe, indem wir ihnen als Handelshaus unsere weltweite Struktur zur Verfügung stellen. Wir führen Anbieter und Kunde in Back-to-Back-Geschäften zusammen, erbringen unsere Dienstleistung und erhalten dafür eine feste Marge. In unserem Produktionsgeschäft ist es gar nicht viel anders: Wir produzieren Aluminiumwalzbarren aus wiederaufbereitetem Aluminium im Auftrag unserer Kunden oder Kupfergranulat aus Kupferschrott. Ohne konkreten Kundenauftrag beschaffen wir gar keine Vormaterialien. Wir können also auch hier mit gut kalkulierbaren Margen arbeiten.

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Anleihen Finder Redaktion: Inwieweit ist der Preisrückgang auf den Metall- und Rohstoffmärkten problematisch? Mit welcher Strategie soll dem entgegengewirkt werden?

„Preisschwankungen sind für unser Geschäftsmodell zweitrangig“

Ricardo Phielix: Wir verzichten ganz bewusst auf spekulative Gewinne in Bullmärkten, erhalten aber dank unseres Geschäftsmodells dafür auch in Bearmärkten unsere stabile Marge. Preisschwankungen sind für unser Geschäftsmodell zweitrangig. Sie wirken sich vor allem auf den Umsatz aus. Aber unser Geschäftserfolg bemisst sich nicht an der Umsatzentwicklung, sondern an der Entwicklung der Rohertragsmarge, weil wir pro Tonne vergütet werden. Die Gegenstrategie zu volatilen Preisen in den Metall- und Rohstoffpreisen ist also schon gewissermaßen in unserer Unternehmens-DNA verankert. Deshalb arbeiten wir seit Unternehmensgründung 2006 profitabel und deshalb haben wir seit 2011 jedes Jahr unser EBITDA signifikant gesteigert – unabhängig von den Schwankungen der Rohstoffpreise.

Anleihen Finder Redaktion: Können Sie uns die aktuelle Finanzsituation der Metalcorp Group (EBITDA, Cashflow, Verschuldung, Eigenkapital) kurz erläutern?

Ricardo Phielix: Im ersten Halbjahr 2017 haben wir den Umsatz von 209,0 Mio. Euro auf 312,9 Mio. Euro gesteigert – und für uns viel entscheidender: Den Rohertrag konnten wir in den ersten sechs Monaten von 13,0 Mio. Euro auf 20,4 Mio. Euro heben. Vor Steuern verblieb uns ein Gewinn von 9,5 Mio. Euro nach 2,3 Mio. Euro im Jahr zuvor. Unsere Verschuldung kann man nicht mit nur einer Zahl analysieren. Aufgrund unseres Business-Modells muss man die kurzfristigen Verbindlichkeiten immer im Zusammenspiel mit den Vorräten und Forderungen betrachten. Unser Eigenkapital in Höhe von 135,4 Mio. Euro führt zu einer EK-Quote von 31,5 %. Das ist rechnerisch etwas weniger als zum 31. Dezember 2016 mit 34,8 %. Der Grund ist die erfolgreiche Bondplatzierung im Juni.

Keine großen Unterschiede in der Anleihen-Struktur

Anleihen Finder Redaktion: Was hat sich im Vergleich zur Begebung des ersten Bonds im Jahr 2013 aus Emittenten-Sicht geändert? Welche Anleihen-Strukturen sind neu?

Ricardo Phielix: In der Grundstruktur der Anleihen gibt es keine großen Unterschiede. Das Unternehmen hat sich seit 2013 aber verändert, indem es nachhaltig und renditestark gewachsen und heute deutlich breiter aufgestellt ist als vor vier Jahren. So haben wir nunmehr vier produzierende Werke und gehören zu den führenden unabhängigen Stahlhändlern in Europa.

Anleihen Finder Redaktion: Thema Sicherheiten – was können Sie Ihren Anleihegläubigern diesbezüglich bieten?

Ricardo Phielix: Vorrangig ein Unternehmen, das bewiesen hat, dass es stabil steigende Gewinne erwirtschaftet und in von der Natur her volatilen Märkten wie den Rohstoffen mit einem risikoaversen Geschäftsmodell reüssiert. Die neue Anleihe ist wie die beiden vorherigen Anleihen nicht dinglich besichert.

Anleihen Finder Redaktion: Ihr Schlussplädoyer: Wieso ist die Metalcorp-Anleihe ein „Muss“ für Investoren?

Ricardo Phielix: Welches andere Unternehmen mit diesem Track-Record, diesen soliden Finanzkennzahlen und dieser in allen Bereichen intakten Geschäftsentwicklung bietet Ihnen bis 2022 jährlich 7 % Zinsen?

Anleihen Finder Redaktion: Besten Dank für das Gespräch, Herr Phielix.

Anleihen Finder Redaktion. Das Interview führte Timm Henecker.

Titelbild: pixabay.com

Fotos im Text: Metalcorp Group B.V.

Anleihen Finder Datenbank

Unternehmensanleihe der Metalcorp Group B.V. 2013/2018

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