Die Kosten einer Mittelstandsanleihe – Kolumne von Peter Thilo Hasler

Dienstag, 16. Juli 2013


Die mit einer Anleiheemission verbundenen Einmal- und Folgekosten lassen sich in fixe und variable Kosten untergliedern.

Die bedeutendsten Fixkosten entstehen aus der Erstellung des Wertpapierprospekts und des Ratings. Bei einer erfahrenen deutschen Anwaltskanzlei liegen die Kosten für die Erstellung des Prospekts in Abhängigkeit von der Unternehmensgröße, der Komplexität des Geschäftsmodells, der Anzahl der Tochtergesellschaften und des Internationalisierungsgrades zwischen 30.000 und 100.000 Euro. In diesem Betrag sind auch die Kosten der Legal Due Diligence und der Legal Opinion bzw. Disclosure Opinion enthalten.

Die Kosten für das Rating liegen zwischen 30.000 und 50.000 Euro. Wie bei den Kanzleien gilt auch hier, dass deutsche Ratingagenturen wie Creditreform Rating, Euler Hermes Rating oder Scope Rating tendenziell günstiger sind als die drei global tätigen, angelsächsischen Ratingagenturen Standard & Poor‘s, Moody‘s oder Fitch. Da deutsche Ratingagenturen stärker auf die spezifische Situation des (nicht selten familiengeführten) Unternehmens und seine langfristigen und auf Vertrauen basierenden Kundenbeziehungen eingehen als ihre angelsächsischen Wettbewerber, haben die Big 3 im deutschen Mittelstand bislang nicht reüssieren können.

Deutlicher ins Gewicht fallen die variablen Kosten der Anleiheemission

Regelmäßig bietet es sich an, ein spezialisiertes Research-Haus zu mandatieren und einen bankenunabhängigen Research-Report zu beauftragen. Ein externes Research unterstützt den Verkaufs- und Platzierungsprozess und beschleunigt meist die Entscheidung einer Emission. Die für diese Dienstleistungen aufgerufenen Preise liegen zwischen 10.000 und 25.000 Euro und sind damit ebenso breit gestreut wie die angebotene Research-Qualität.

Abschließend fallen Kosten der Management Roadshow, aus der Billigung des Prospekts und Kosten aus der Zulassung sowie für die Einführung der Anleihen zum Börsenhandel an, die sich auf etwa 10.000 bis 15.000 Euro summieren.

Deutlicher ins Gewicht fallen die variablen Kosten der Anleiheemission. Ihr Löwenanteil entfällt auf die von der Bank geforderten Platzierungsprovisionen. Bei einer erfolgreichen Durchführung einer Anleiheemission ist die Bank mit 2,5 % bis 5,0 % des Emissionsvolumens zu vergüten. Dabei fällt die prozentuale Platzierungsprovision umso geringer aus, je höher das zu erwartende Emissionsvolumen ist, da der Aufwand der Bank bei einer Anleiheemission unterproportional mit der Höhe des Emissionsvolumens steigt.

Ein weiterer, meist variabler Kostenfaktor ist die Zahlstelle, die die Emittentin in Fragen der wertpapiertechnischen Abwicklung der Emission betreut. Für diese vergleichsweise homogene Dienstleistung werden von einzelnen Zahlstellen Beträge von bis über 1,0 % des Emissionsvolumens (inklusive Zusatzdienstleistungen wie bestimmte Zeichnungssoftware) aufgerufen; inzwischen wird diese Dienstleistung jedoch von einigen Emissionsbanken mit übernommen bzw. in deren Leistungsangebot eingepreist, so dass für die Emittentin keine Zusatzkosten anfallen.

Im Idealfall trägt sich der Emissionsberater selbst

Ebenfalls zu den variablen Komponenten zählen die Kosten des Emissionsberaters. Der Berater bereitet die Emittentin aktiv, unabhängig und effizient auf die Anleiheemission vor, unterstützt sie bei den Verhandlungen mit den beteiligten Parteien und entwickelt meist auch die Bond Story. Hierfür fallen Kosten von bis zu 1 % des Emissionsvolumens an. Im Idealfall trägt sich der Emissionsberater jedoch selbst, indem er für Transparenz sorgt, die Entscheidungsprozesse neutral und zeitoptimiert steuert und bestehende Informationsasymmetrien beseitigt.

Je nach Emissionskonzept können schließlich Kommunikations- und Marketingkosten in Höhe von 30.000 bis 100.000 Euro anfallen. Sehr sinnvoll sind nicht-transaktionsbezogene Hintergrundgespräche mit ausgewählten Journalisten zum relevanten Branchensegment der Emittentin, deren Marktstellung und dem aktuellen Geschäftsverlauf. Überdies sollte eine Emission von Anzeigenkampagnen begleitet werden, deren Einsatz man aufgrund der Kosten und Streuverluste jedoch sorgfältig ins Gesamtverhältnis der Emission setzen sollte.

In Abhängigkeit vom Anleihevolumen, der Ausgangssituation der Emittentin und dem gewählten Anleihekonzept können die Gesamtkosten einer Anleiheemission stark streuen. Auf Kosten zwischen 3 % bis 5 % des Emissionsvolumens sollte sich die Emittentin jedoch einstellen.

Peter Thilo Hasler

Peter Thilo Hasler ist Vorstand der BLÄTTCHEN & PARTNER AG und Gründer und Analyst der Sphene Capital.

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