Florian Weber, Vorstand der Schnigge Wertpapierhandelsbank AG: Darum werden Modeanleihen so schnell platziert

Mittwoch, 20. März 2013


Florian Weber, Vorstand der SCHNIGGE Wertpapierhandelsbank AG, erläutert im Gespräch mit der Anleihen Finder Redaktion, warum Anleihen von mittelständischen Modehäusern in Deutschland derzeit so erfolgreich sind.

Florian Weber: Verbrauchsgüter, die einen hohen Bekanntheitsgrad haben, profitieren vom Thema Unternehmensanleihe, weil Anleger meist gleichzeitig auch die Marke kennen und kaufen. Dies betrifft auch Modeunternehmen, die in der Regel auch schon eine längere Unternehmensexistenz besitzen. Offenbar haben Anleger hier Vertrauen in diese Emittenten. Daher ist es nur folgerichtig, dass diese Emittenten auch den Gang an die Börse wagen – zumal in der Vergangenheit ja auch viele Aktienemissionen von Erfolg gekrönt waren ( Gerry Weber, Ahlers etc.). Allerdings sind nicht alle der genannten Unternehmen klassische Mode-Unternehmen sondern auch „einfache“ Textilunternehmen. Der Bereich „Hemd“ von eterna oder Seidensticker ist ja eher ein Textilhersteller, der mit klassischer Mode weniger zu tun hat.

Anleihen Finder: Welche Besonderheiten gibt es nach Ihrer Erfahrung bei Anleihen aus dem Modesektor zu beachten?

Florian Weber: Es gibt aus unserer Sicht keine Besonderheiten zu beachten, die Emittenten sind von den Anlegern genauso einer Kreditprüfung zu unterziehen wie andere Emittenten. Man darf sich auch hier nicht einfach nur von bekannten Namen locken lassen, sondern muss Bilanzrelationen, Rückzahlungspläne, Managementbewertung und andere Dinge in seine Entscheidungsgrundlage einbeziehen.  Die Emittenten haben aber verstanden, dass es mit einem Markennamen einfacher ist, am Kapitalmarkt Geld einzusammeln. Da haben natürlich die Unternehmen die Nase vorn, die ohnehin schon hohe Marketingaufwendungen haben.

Anleihen Finder: Fast alle Schuldverschreibungen wurden im Blitztempo vollplatziert. Woran lag dies? Wie groß ist die Rolle, die bekannte Markennamen dabei gespielt haben?

Florian Weber: Unternehmen, die eine lange Firmenhistorie haben, familiengeführt sind und darüber hinaus einen Markennamen haben, sind derzeit im Markt am einfachsten zu platzieren. Offensichtlich zieht der Markenname gerade bei Privatanlegern mehr als der Blick in Bilanzen oder Prospekt, denn sonst hätte auch der ein oder andere Emittent ohne Markennamen bessere Chancen gehabt, platziert zu werden. Ein weiterer Umstand für eine schnelle Platzierung war die Tatsache, dass viele professionelle  Investoren in der Hoffnung auf Überzeichnung Orders aus Tradinggründen erteilt haben. Ziel dieser Orders war nicht die langfristige Geldanlage, sondern das Erzielen kurzfristiger Zeichnungsgewinne. Es bleibt aber dabei – Marken haben es in der Platzierung wesentlich einfacher.

Anleihen Finder: Sieben der acht Mode-Anleihen stehen auf einem Kurs, der deutlich über 100 Prozent liegt. Die einzige Ausnahme bildet Renè Lezard (93,8 Prozent). Was ist bei dieser Anleihe anders?

Florian Weber: Zunächst ist anzumerken, dass auch der Kurs einer anderen Anleihe vor nicht allzu langer Zeit noch deutlich unter 100 Prozent lag, es ist zu vermuten, dass der Kursanstieg im Rahmen von Kurspflege im Vorfeld einer soeben veröffentlichten Anleihen-Aufstockung zu verstehen ist. Aus unserer Sicht gibt es keine fundamentalen Gründe für die schlechte Notierung der RENÉ LEZARD Anleihe. Die im Dezember veröffentlichten Zahlen waren zumindest nicht schlechter als avisiert. Der Hintergrund für die schlechte Notierung ist aus unserer Sicht ein anderer: Das Unternehmen plante eine hälftige Zuteilung zwischen institutionellen Anlegern und Zeichnern über die Börse. Aufgrund der kurzfristigen Emission wussten vor allem professionelle Anleger von der Zeichnung und füllten das Orderbuch an der Börse. Während die institutionelle Tranche deutlich überzeichnet war, wurden aber die Zeichnungen über die Börse zu 100 Prozent zugeteilt. Zeichner, die sich Hoffnungen auf Zeichnungsgewinne gemacht haben und mehr Anteile erwarben, als ihnen finanzielle Mittel zur Verfügung standen, mussten mit Notierungsaufnahme diese Mehrpositionen verkaufen, was vom ersten Tag an auf die Kurse gedrückt hat. Fallende Kurse ziehen aber weitere Verkäufe nach sich von Anlegern, die mit der Kursentwicklung nicht zufrieden sind. Da es fundamental aus unserer Sicht aber keinen Grund für den starken Kursverlust gibt, bietet die aktuelle Situation für aktive Anleger eine Chance – man kann Emittenten mit hohem Kurs verkaufen und sich stattdessen bei gleichem Risiko und gleichen Kupon fast 20Prozent Kursunterschied zu Gunsten des Anlegers realisieren.

Anleihen Finder: Eine Einschätzung: Werden wir noch weitere Modehaus-Emissionen erleben? Gibt es hier noch entsprechende Kandidaten? Welcher andere Wirtschaftszweig hat ein vergleichbares Potential?

Florian Weber: Der Markt ist noch offen für weitere Mode- und Textilunternehmen, wir denken, dass wir noch einige Emittenten sehen werden. Generell sehen wir gute Chancen für Emittenten von Waren und Produkten, die den Nutzern sehr bekannt sind. Dies können alle Hersteller von Verbrauchsgütern sein – unabhängig von der genauen Branche (z.B. Lebensmittel, Handel u.a.).

Anleihen Finder: Vielen Dank!

Titelfoto: henryjose_flickr.com

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