Carsten Scholz, German Pellets GmbH: „Der Holzpelletmarkt ist robust und wächst zweistellig“

Freitag, 5. April 2013
German Pellets GmbH: Herr Scholz, warum stagniert der Überschuss? – Interview mit dem Chef der Investorenbetreuung


In Kürze zahlt German Pellets zum dritten Mal in Folge acht Prozent Zinsen an seine Genussrechtszeichner aus. Der Erzeuger regenerativer Energie hat bislang 20 Millionen Euro von seinem Genussrechten  platziert. Das Unternehmen möchte maximal 44,3 Millionen Euro einsammeln. Die Anleihen Finder Redaktion sprach mit  Carsten Scholz, dem Leiter der Abteilung Investorenbetreuung und Kapitalakquisitionen der German Pellets GmbH, über das Unternehmen und die Emission.

Anleihen Finder: Sehr geehrter Herr Scholz, können Sie uns bitte eine kurze Einführung geben, zu welchen Ertragsquellen die German Pellets-Gruppe Zugang hat und auf welchem Geschäftsmodell diese fußen?

Carsten Scholz: Die Herstellung von Holzpellets und der Handel mit diesem erneuerbaren Energieträger – das ist unser Kerngeschäft. Dazu betreiben wir 14 Produktionsstandorte in Deutschland und Österreich. In den nächsten Wochen nehmen wir ein erstes Werk in Texas, USA, in Betrieb. Mit einer Produktionskapazität von 1,9 Millionen Tonnen jährlich sind wir der größte Holzpelletproduzent in Europa. Wir verfügen über Absatzstrukturen in sieben europäischen Ländern. Wichtige Märkte neben Deutschland sind Österreich, Italien, Dänemark und Großbritannien. Der Vertrieb erfolgt über ein leistungsstarkes Händlernetz. Großkunden werden von German Pellets direkt beliefert. Weitere Standbeine der German Pellets-Gruppe sind die Herstellung und der Vertrieb von holzbasierter Tiereinstreu sowie die Produktion von grünem Strom und grüner Wärme aus Biomasse.

Der Holzpelletmarkt gilt als besonders robust. Die Wachstumsraten sind zweistellig. Getrieben wird diese positive Entwicklung von steigenden Preisen für fossile Energieträger wie Öl und Gas und günstigen politischen Rahmenbedingungen.

Anleihen Finder: Aktuell sind die Meinungen zu regenerativen Energien gemischt, vor allem durch die jüngsten Pleiten – Beispiele sind SiC Processing, Solarwatt und Solar Millennium. Was halten Sie solchen Äußerungen entgegen?

Carsten Scholz: Auch bei grünen und nachhaltigen Investments gelten die Regeln der Finanzmärkte. Wir empfehlen unseren Anlegern deshalb immer eine breite Streuung des Kapitals und weisen stets auf die Risiken einer Geldanlage hin. Grundsätzlich gilt auch bei grünen Investments – wie bei allen konventionellen Anlagemöglichkeiten – sich die Performance des Emittenten gut anzuschauen, z.B. zu bisher erfolgten Zinszahlungen, Marktchancen und Marktpräsenz. Unsere Erfahrung ist, dass der Anleger sich sehr gut informiert, kritisch prüft und zwischen Rendite und Risiko besonnen abwägt. Der Anleger erkennt dabei auch, dass wir uns von anderen Emittenten der Energiebranche abheben, z.B. weniger subventionsabhängig sind.

Wer in Erneuerbare Energien investieren und sein Kapital breit streuen möchte, findet in diesem Segment heute bereits eine Vielzahl von Anlagemöglichkeiten. Neben Investments in Windenergie- und Solarprojekte haben sich auch andere Energiesegmente etabliert. Die Zahl der Emissionen in diesem Branchenfokus wird tendenziell weiter steigen.

Anleihen Finder: Es kann sein, dass bei potenziellen Neukunden die Frage aufkommt, warum das Verbrennen von Holzstückchen zugleich wirtschaftlich effektiv, umweltschonend und sparsam sein soll. Wie erklären Sie Ihr Produkt Nichtexperten und zeigen gleichzeitig Wachstumsmöglichkeiten Ihrer Unternehmung auf?

Carsten Scholz: Das ist ganz einfach. Jeder Verbraucher, der mit Heizöl- oder Erdgas heizt, bekommt die Preissteigerungen bei den fossilen Energien in seiner Heizkostenabrechnung zu spüren. Der Winter 2012/13 ist laut Verbraucherschützern der teuerste Heizwinter aller Zeiten. Die Heizölpreise haben sich in den vergangenen Jahren verdoppelt. Betroffen davon sind rund zwölf Millionen Haushalte in Deutschland. Ähnlich, wenngleich nicht ganz so drastisch, ist die Entwicklung beim Erdgas. Dass bei knapper werdenden Ressourcen – fossile Energien sind nun einmal endlich – die Preise weiter steigen werden, ist auch jedem klar. Unser Rohstoff dagegen wächst nach und ist aktuell rund 40 Prozent preiswerter als Heizöl und etwa ein Drittel günstiger als Gas. Wir haben aktuell einmal die Kostenersparnis für ein Einfamilienhaus (Altbau) berechnet. Je nach Energiebedarf können Heizungsmodernisierer jährlich EUR 1.000 (Verbrauch 20.000 kWh) und bis zu EUR 2.700 (40.000 kWh) im Jahr sparen. Kein Wunder also, dass die Nachfrage nach preiswerten und umweltfreundlichen Holzpellets als Energieträger weiter steigt. Gegenwärtig gibt es in Deutschland rund 280.000 Pelletfeuerungen. Die Branche rechnet 2013 mit einem Zuwachs von mehr als 40.000 Kesseln.

Anleihen Finder: Was waren Ihre Motive, Genussrechte als Investmentform zu wählen und zu begeben?

Carsten Scholz: Die Genussrechte sind ein Baustein in unserem Finanzierungsmix. Damit sprechen wir vor allem Privatanleger an. Da Genussrechte in der von uns gewählten Ausstattung als wirtschaftliches Eigenkapital in der Bilanz die Eigenkapitalsituation des Unternehmens stärken, sind sie für uns ein wichtiger Erfolgsfaktor und unser Genussrechtsprogramm deshalb auch auf langfristigen Zuwachs ausgerichtet.

Anleihen Finder: Warum haben Sie kein IPO gewählt?

Carsten Scholz: Das wurde im Rahmen unserer Unternehmensstrategie so entschieden. Neben den Genussrechten sind wir ja seit April 2011 mit einer Unternehmensanleihe im Bondm-Segment der Börse Stuttgart gelistet. Damit verfügen wir auch über ein Fremdkapital-Produkt am Kapitalmarkt und eine Börsennotierung.

Anleihen Finder: Welchen Investorenkreis versuchen Sie mit Ihren Genussrechten in erster Linie zu erreichen? Und aus welchen Gründen?

Carsten Scholz: Genussrechte werden gerne von Privatanlegern als Baustein für die Vermögensbildung und Renditeoptimierung genutzt. Diesen Anlegerkreis sprechen auch wir in erster Linie an. Anlegern bieten sich derzeit nicht viele Alternativen, um attraktive Renditen zu erzielen. Unsere Anleihe ist aufgrund des Investment-Grade-Ratings der Creditreform für Privatanleger und institutionelle Anleger interessant.

Anleihen Finder: Wie werden Sie das Kapital, das aus der Genussrechte-Emission erlöst wird, konkret verwenden? Gibt es bereits ein Investitionsobjekt? Wenn ja, mit welchen Renditeerwartungen ist es verknüpft?

Carsten Scholz: Genussrechtskapital wird seit 2010 generiert und dient z.B. zur Co-Finanzierung von diversen Investitionsprojekten der German Pellets-Gruppe. Durch Akquisitionen konnte der Marktanteil in Deutschland auf über 50 Prozent ausgebaut werden. Mit Investitionen in unsere Pelletwerke wurde deren Produktivität gesteigert. Dies hat für den Anleger den Vorteil, dass sein Kapital nicht in ein einzelnes Investitionsobjekt fließt, von dessen Erfolg die Rendite abhängt, sondern in ein profitabel wirtschaftendes Unternehmen im erneuerbaren Energiesektor. German Pellets zahlt in Kürze zum dritten Mal in Folge 8 Prozent Zinsen an seine Genussrechtszeichner aus.

Anleihen Finder: Wie hoch ist der derzeitige Platzierungsstand Ihrer Genussrechte Emission?

Carsten Scholz: Wir haben bislang ca. EUR 20 Mio. eingeworben, und die Zeichnungsnachfrage steigt stetig an. Wir haben deshalb in diesem Jahr auch unsere Anlageberatung weiter ausgebaut und unser Beraterteam verstärkt. Wir bieten persönliche Beratungstermine, Beratertage an ausgewählten Standorten sowie Erlebnisveranstaltungen zu Holzpellets als Geldanlage an. Darüber hinaus sind wir auf allen wichtigen Anlegermessen vertreten.

Anleihen Finder: Wie kann man sich als Nichtvertriebler das konkrete Werben bei Privatanlegern vorstellen?  Wie und wen laden Sie in nächster Zeit ein und was erfahre ich, was nicht schon im Wertpapierprospekt steht? Mit anderen Worten: Aus welchen Gründen lohnt es sich, eine abendliche German Pellets-Informationsveranstaltung zu besuchen?

Carsten Scholz: Wir kommen mit unseren Beratertagen und Info-Veranstaltungen zusätzlich dem Wunsch vieler Anleger nach, die umfassend, verständlich und passend zu ihren Bedürfnissen informiert werden wollen und auch den persönlichen Kontakt wünschen. Im Rahmen dieser Events erfahren Interessenten natürlich noch viel mehr über die Renditechancen des Wärmemarktes und unsere Unternehmensphilosophie. Wir können hier einfach detailliertere Informationen über unser Unternehmen und den Markt vermitteln. Das kann kein noch so ausführliches  Wertpapierprospekt leisten. Ferner sind diese direkten Kontakte zu unseren Investoren ein Bestandteil unserer Finanzkommunikation. Letztlich sorgen unsere Beratungen und Veranstaltungen auch dafür, die Menschen noch mehr für die Energiewende im Wärmemarkt zu sensibilisieren. Nicht selten nehmen Besucher unserer Veranstaltung anschließend die eigene Heizungssanierung in Angriff.

Anleihen Finder: Wie viel von Ihrem Genussrecht-Volumen wollen Sie am Ende Ihrer Vertriebsoffensive platziert haben? Was ist Ihr Plan B, falls die Platzierung unterhalb Ihrer Erwartungen liegt?

Carsten Scholz: Wir bewerben unsere Genussrechte permanent. Das Programm ist zur Stärkung des Eigenkapitals auf langfristigen Zuwachs ausgerichtet. Wir haben den Vorteil, dass wir nicht kurzfristig limitiert sind, weil wir zu einem bestimmten Projekt und Zeitpunkt Kapital aus den Genussrechten benötigen. Dies unterscheidet uns maßgeblich z.B. von Emittenten von Solar- und Windparkbeteiligungen. Unsere Vertriebsaktivitäten sind auch eher informativ ausgerichtet. Die eingeworbenen Mittel dienen zur Co-Finanzierung laufender Projekte bzw. Aktivitäten der German Pellets-Gruppe und sollen damit auch in Zukunft fortlaufend unseren Finanzierungsmix ergänzen. Als Ziel möchten wir innerhalb der kommenden Jahre bis zu EUR 50 Mio. einwerben.

Anleihen Finder: Genussrechte sind durch ihre Ausgestaltung risikoreicher als Anleihen. Weshalb sollten Anleger bei Ihrem Produkt zugreifen?

Carsten Scholz: Weil unsere Anleger einen attraktiven Zinssatz erhalten, und weil German Pellets mit unternehmerischen Erfolg und bereits geleisteten Zinszahlungen bewiesen hat, dass solche Renditen nachhaltig zu erzielen sind. Die theoretisch bessere Gläubigerposition einer Anleihe im Vergleich zum Genussrecht ist in der Praxis zu vernachlässigen. Dies zeigen Studien für die Fälle, bei denen es zu Ausfällen von Anleiherückzahlungen gekommen ist.

Anleihen Finder: Welche Effekte wird die Emission Ihrer Genussrechte auf den Kurs Ihre Mittelstandsanleihe haben?

Carsten Scholz: Mit unserem Genussrechtsprogramm sind wir 2010 erstmals am Kapitalmarkt aktiv geworden. 2011 haben wir unsere Mittelstandsanleihe im Bondm-Segment der Börse Stuttgart emittiert. Wir sprechen damit zwei unterschiedliche Investorenkreise an. Im Renditevergleich schneidet das Genussrecht, auch aufgrund des seit Monaten stabilen Anleihe-Kurses von über 105 Prozent, besser ab. Das hat zur Folge, dass Anleihezeichner als Zusatzinvestment auch mehr und mehr in unsere Genussrechte investieren. Hier profitieren derzeit eher die Genussrechte von der guten Kursentwicklung.

Anleihen Finder: Können Sie uns bitte einen Blick in Ihre Mehrjahresplanung gewähren? Warum können Ihre Anleger darauf vertrauen, dass das Jahresergebnis immer so ausfällt, dass die Genussrechte voll verzinst werden.

Carsten Scholz: Der Holz- bzw. Pelletmarkt ist ein stark wachsender Markt und nahezu frei von Subventionen. 80 Prozent der bestehenden Heizungsanlagen in Deutschland sind älter als zehn Jahre und damit nicht mehr Stand der Technik. Vor dem Hintergrund der immer knapper werdenden fossilen Brennstoffe und der damit verbundenen Preisanstiege schauen sich Verbraucher nach alternativen Heizmethoden um. Hierin sehen wir weiterhin enormes Potenzial für die Zukunft. Hinzu kommen steigende Nachfragen auf dem Kraftwerksmarkt. In Großbritannien zum Beispiel werden verstärkt Kraftwerke von Kohle auf Biomasse umgestellt. In den vergangenen Jahren ist German Pellets stets stärker gewachsen als der Gesamtmarkt. So werden wir voraussichtlich spätestens im Jahr 2014 mehr als eine halbe Milliarde Euro Umsatz generieren.

Anleihen Finder: Ist Ihre Genussrechte-Emission mit der Folge verbesserter EK Quoten eventuell die Vorbereitung für eine weitere Anleihe oder andere Aufnahmen von Fremdkapital?

Carsten Scholz: Unser Genussrechtsprogramm ist seit 2010 ein fester Baustein unseres Finanzierungsmixes. Wir erreichen mit diesen Mitteln natürlich auch zusätzliche Flexibilität für weitere Investitionen, weil wir uns langwierige Entscheidungsprozesse bei Banken ersparen können. Ferner stellen wir uns damit aktiv den Anforderungen des Ratingprozesses bei Banken und Ratingagenturen.

Anleihen Finder: Nutzen Sie die Genussrechte zur Incentivierung ihrer Mitarbeiter? Anders ausgedrückt, erhalten Ihre Mitarbeiter Sonderkonditionen bezüglich der Zeichnung der Genussrechte?

Carsten Scholz: Wir fördern die Genussrechtezeichnung aktiv für unsere Mitarbeiter und beteiligen diese damit auch am Unternehmenserfolg.

Anleihen Finder: Vielen Dank für das sehr offene Gespräch.

Anleihen Finder Redaktion

Fotos: German Pellets GmbH

Kurzvita von Carsten Scholz

Carsten Scholz

Dipl.-Bankbetriebswirt

•  2011 – heute

Leiter Investorenbetreuung und Kapitalakquisitionen

German Pellets GmbH,

•  2007 – 2010

Gebietsleiter

SüdLeasingGmbH

•  2001 – 2007

Teamleiter

OstseeSparkasse Rostock

•  1999 – 2001

Sparkassen- und Firmenkundenbetreuer

Nord/LB

•  1988 – 1999

Firmenkundenberater

Deutsche Bank AG

Anleihen Finder Datenbank

German Pellets Genussrechte 2010/2015

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