Andrea Horbelt vom Fachverband Biogas e. V.: „Momentan geht es eigentlich allen Biogas-Firmen schlecht“

Mittwoch, 17. April 2013


Biogas-Unternehmen müssen sich flexibel auf die derzeit schwierigen Marktgegebenheiten und die sich ändernde Gesetzeslage einstellen. Da viele deutsche Biogas-Unternehmen auch Anleihen-Emittenten sind, fragte die Anleihen Finder Redaktion bei Andrea Horbelt vom Fachverband Biogas e. V. nach, wie es um die Branche bestellt ist.

Anleihen Finder: Viele Biogas-Unternehmen kämpfen mit schlechteren Zahlen und einem Rückgang der Nachfrage nach Biogas-Anlagen. Warum ist die Nachfrage zurückgegangen und wie genau hat das novellierte Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) dazu beigetragen?

Andrea Horbelt: Momentan geht es eigentlich allen Biogas-Firmen schlecht. Aus Deutschland kommen keine neuen Aufträge rein; wer im Ausland aktiv ist (und das sind die meisten größeren Unternehmen) kann die fehlenden Inlandsaufträge durch den Export etwas kompensieren. Schuld daran ist neben dem EEG 2012 – das u.a. niedrigere Vergütungen für Biogas-Strom festschreibt, eine Wärmenutzung von mindestens 60% und eine Deckelung von Mais im Fermenter bei ebenfalls 60% – auch die gestiegenen Substratpreise und v.a. die große Verunsicherung, die die aktuelle Debatte um das EEG aus dem Umwelt- und Wirtschaftsministerium ausgelöst hat.

Anleihen Finder: Worauf muss man Ihrer Meinung nach grundsätzlich bei Investitionen in Biogas achten?

Andrea Horbelt: Biogas ist unabhängig von der aktuellen Wetterlage und daher verlässlich in der Stromproduktion. Dafür aber auch abhängig von den Getreide/Mais-Weltmarktpreisen, die aktuelle wieder mal gestiegen sind. Biogas kann die fluktuierenden Erneuerbaren Energien Wind und Sonne ausgleichen, benötigt dafür aber auch Biomasse, die erst erzeugt werden muss. Diese Aspekte sollte man bei der Planung einer Biogasanlage beachten und nicht mit spitzem Bleistift von optimalen Rahmenbedingungen ausgehen. Wenn die Rechnung unterm Strich dann noch stimmt ist eine Biogasanlage eine sichere Geldanlage.

Anleihen Finder: Zum Preis von Rohstoffen für die Vergärung: Sind hier Abfallstoffe (Holzabfall oder Rest aus der Landwirtschaft) nicht deutlich billiger als bsp. eigens angebaute Pflanzen und daher die bessere Strategie?

Andrea Horbelt: Biogene Abfälle sind in der Tat billiger. Sie werden bereits in Biogasanlagen eingesetzt. Der Markt der Bioabfälle ist bereits weitgehend ausgereizt, da ist nicht mehr viel offenes Potenzial. Um Biogas als wichtige Säule der Energiewende einsetzen zu können, müssen auch Energiepflanzen vergoren werden.

Anleihen Finder: Könnten Sie in einigen kurzen Stichworten beschreiben, wo der Unterschied zwischen einer Biogasanlage und einem Biomassenheizkraftwerk liegt?

Andrea Horbelt: In Biogasanlagen wird das Substrat vergoren und es entsteht ein Gas, das anschließend in einem Blockheizkraftwerk in Strom und Wärme umgewandelt wird oder auch direkt ins Erdgasnetz eingespeist werden kann. Bei Biomassekraftwerken wird das Substrat in der Regel direkt verbrannt (bei Holzkraftwerken). Soweit ich weiß, dienen Biomassekraftwerke in der Regel der Wärmeerzeugung, .

Anleihen Finder: Von vielen Marktteilnehmern hört man, dass Biogasunternehmen sich zunehmend dem Ausland zuwenden. Sind dort die Marktbedingungen günstiger?

Andrea Horbelt: Der Auslandmarkt entwickelt sich erst noch. Daher gehen viele Unternehmen dort hin. In Deutschland gibt es über 7.500 Biogasanlagen – und damit etwa so viele wie in ganz Europa. Daher ist der Export eine gute Option und Ergänzung zum heimischen Markt.

Anleihen Finder: Wie glauben Sie, wird sich der Markt in Deutschland weiterentwickeln? Was müsste geschehen, damit das Wachstum auch hier weiter voranschreitet?

Andrea Horbelt: Wir brauchen sichere und langfristig verlässliche Rahmenbedingungen. Die ständige Debatte um das EEG bringt Verunsicherung. Für die Firmen wäre eine kontinuierliche Nachfrage am besten – auch wenn diese sicher nicht auf dem Niveau von 2011 ablaufen wird, dem absoluten Boom-Jahr der Branche. Biogas ist die Schlüsselstelle in der Energiewende, eben weil sie speicherbar ist und bedarfsgerecht eingesetzt werden kann – wenn kein Wind weht und keine Sonne scheint. Diesen Vorteilmuss man stärker fördern. Biogas hat eine andere Qualität. Dies muss auch finanziell berücksichtigt werden.

Und Biogas kann neben Strom auch Wärme und Kraftstoff. Das wird oft vergessen. Hier gilt es, die Weichen so zu stellen und die Anreize so zu setz,en dass diese Vorteile in Zukunft stärker genutzt werden. Die Branchenteilnehmer sind bereit, den neuen Weg zu gehen – wenn der Rahmen stimmt. Den muss die Bundesregierung jetzt setzen!

Anleihen Finder: Vielen Dank!

Anleihen Finder Redaktion

Fotos: MT-Energie

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