BioEnergie Taufkirchen GmbH & Co. KG: „Wir haben einen ‚Wildwuchs‘ an Bankkrediten angesammelt, den wir nun bereinigen möchten“ – Heute Start der Zeichungsfrist

Montag, 15. Juli 2013


Heute startet die Zeichnungsfrist der Unternehmensanleihe der BioEnergie Taufkirchen GmbH & Co. KG (ISIN: DE000A1TNHC0, WKN: A1TNHC), Zinssatz: 6,5 Prozent p.a., Rating von Scope: „BBB- (positiver Ausblick)“, Laufzeit: sieben Jahre, Notierung im m:access (Freiverkehr Börse München), Zeichnungsfrist: vom 15.07.2013 bis zum 26. Juli 2013.

Josef Martin Leserer (Foto), der geschäftsführende Gesellschafter der BioEnergie Taufkirchen GmbH & Co. KG, stellte sich den Fragen der Anleihen Finder Redaktion:

Anleihen Finder Redaktion: Sehr geehrter Herr Leserer, seit 1999 betreiben Sie verschiedene Arten von Heiz- und Heizkraftwerke in Taufkirchen im Großraum München. Wie kamen Sie auf die Idee und was waren seinerzeit Ihre unternehmerischen Zielvorstellungen?

„Die besten Ideen hat man manchmal an den ungewöhnlichsten Orten, bei mir war es die Badewanne“

Josef Martin Leserer: Die besten Ideen hat man manchmal an den ungewöhnlichsten Orten, bei mir war es die Badewanne. Als alteingesessener Unternehmer in Taufkirchen hatten wir gute Kontakte zur GEWOFAG, einer kommunalen Immobiliengesellschaft, und haben erfahren, dass die Wärmeversorgung für ein Neubaugebiet in Taufkirchen ausgeschrieben wird. Da wir damals bereits Eigentümer eines Grundstückes mit Genehmigung für eine Hackschnitzelhalle hatten und es damals außerdem attraktive Förderungen aus dem Landwirtschaftsministerium gab, haben wir die Möglichkeiten für die Errichtung und das Betreiben eines Heizkraftwerkes samt Fernwärmetrasse geprüft und uns für die Umsetzung entschieden, wenn wir die Ausschreibung gewinnen sollten. Das war der Grundstein der heutigen BioEnergie.

Anleihen Finder Redaktion: Was genau macht die BioEnergie heute – welche Technologien setzt sie ein, welche Mengen werden produziert und wer sind Ihre Kunden?

Josef Martin Leserer: Wir sind ein mittelständischer Energieversorger mit Aktivitäten im wirtschaftsstarken Süden Münchens. Zu unseren Kunden, die wir über ein eigenes Fernwärmenetz mit Energie versorgen, gehören kommunale, öffentliche und gewerbliche Institutionen, wie die Universität der Bundeswehr, EADS, Obi, Metro, die Gemeinde Taufkirchen, ein großes Freizeitbad oder große Immobiliengesellschaften wie IVG oder GEWOFAG mit ihren Liegenschaften. Außerdem versorgen wir natürlich auch Privathaushalte. Wir verfügen über mehrere Kraftwerke – sowohl für Biomasse als auch für Gas und Öl. Die Versorgung unserer Kunden sichern wir aber zu 95 % über Holz, speziell Waldhackschnitzel, Sträucher und Wurzelschnitt ab. Gas und Öl dienen lediglich zur Abdeckung von Nachfragespitzen. Rechnerisch erzeugen wir heute bereits Wärme für rund 8.000 Einfamilienhäuser. Tatsächlich haben wir aber „nur“ 270 Kunden, mit denen wir direkt abrechnen und die über sehr langfristige Verträge mit Laufzeiten zwischen 12 und 20 Jahren an uns gebunden sind. Wir erzeugen und vermarkten sowohl Wärme als auch Strom.

Anleihen Finder Redaktion: Wo sehen Sie aktuell die größten Risiken für Ihr Unternehmen? Haben die letzten Novellierungen des EEG oder der stetig steigende Preis für Holzpellets für die BioEnergie spürbare Konsequenzen gehabt?

Josef Martin Leserer: Vom EEG sind wir vollkommen unabhängig und nutzen es mittlerweile gar nicht mehr. Wir erzielen 70 % unserer Umsätze mit Wärme, die wir direkt über das eigene Netz an unsere Kunden liefern. 30 % der Umsätze erlösen wir durch Strom, den wir direkt an den Schweizer Energiekonzern Axpo AG verkaufen. Wirtschaftlich ist es für uns derzeit von Vorteil, das außerhalb des EEG zu tun. Sollten sich die Rahmenbedingungen ändern, könnten wir beim Strom aber binnen eines Monats wieder auf EEG-Vergütung umstellen. Was die Preise der Holzpellets betrifft, ist wichtig zu wissen, dass wir nicht mit Pellets an sich feuern, sondern im Grunde mit Holz als Abfallprodukt. Unsere Lieferanten bedienen uns mit Wurzelschnitt und Baumwipfeln, die keine Verwendung in der Holzindustrie finden. Wir verarbeiten das Holz nach der Lagerung bei uns eigenständig zu verbrennbaren Hackschnitzeln – lediglich 2 % des Holzes kaufen wir aus ganzen Baumstämmen hinzu. Zusätzlich muss man wissen, dass Holz in der langfristigen Betrachtung stabile bis sinkende Preise aufweist, kurzfristig aber durchaus schwanken kann. Bei einem Anstieg der Holzpreise kommt uns daher unser großes Lager zugute, da wir Holz, das wir in Zeiten in denen die Preise entsprechend günstig sind, auch vorrätig kaufen können. Sollten doch einmal Preisänderungsrisiken auftauchen, haben wir uns durch ein Finanzinstrument abgesichert und zusätzlich verfügen unsere Absatzpreise über eine Gleitklausel, die sich zwar nicht am Holz aber am Ölpreis ausrichtet.

Anleihen Finder Redaktion: Die aktuelle Anleiheemission der BioEnergie über EUR 15 Mio. mit einer Laufzeit von sieben Jahren und einem Kupon von 6,5% können interessierte Anleger ab dem 15.07.2013 über die Börse München oder direkt bei Ihnen zeichnen. Wie fügt sich die Anleiheemission in Ihre Finanzierungsstrategie ein und was werden Sie mit den eingeworbenen Mitteln machen?

BioEnergie Taufkirchen GmbH & Co. KG: Wir bereinigen mit 10,7 Mio. Euro unsere Fremdkapitalseite.

Josef Martin Leserer: In unserer Auf- und Ausbauphase des Geschäfts seit 1999 haben wir einen historisch gewachsenen „Wildwuchs“ an Bankkrediten angesammelt, den wir nun bereinigen möchten. Hierdurch bekommen wir zahlreiche Sicherheiten frei, die bisher für die etwa 20 Darlehen hinterlegt waren. Dadurch können wir weiterlaufende Bankdarlehen in Höhe von 10 Mio. Euro einer deutschen Großbank und die Anleihe gleichermaßen werthaltig besichern, z.B. mit jeweils einem Teil unseres Fernwärmenetzes, Kraftwerken sowie Immobilien und Grundstücken. Wir haben ein langfristiges Geschäftsmodell und Kundenverträge, die üblicherweise 12 Jahre oder länger laufen. Auch die Rechte der Trassen, die wir erworben haben, sind teilweise unkündbar und haben unbeschränkte Laufzeiten. Deshalb passt eine 7-jährige Laufzeit der Anleihe sehr gut zu unserem Geschäftsmodell und ist jetzt auch Grundlage unserer Liquiditäts- beziehungsweise Tilgungsplanung.

Alles in allem also, bereinigen wir mit 10,7 Mio. Euro unsere Fremdkapitalseite, gewinnen neue Freiheit und können uns schlussendlich wieder stärker auf das operative Geschäft konzentrieren. 3,0 Mio. Euro investieren wir in Anlagen und die Netzverdichtung entlang der bestehenden Trassen, um so zusätzliche Kunden zu gewinnen. Knapp 1 Mio. Euro – das ist die Höhe einer jährlichen Zinszahlung – hinterlegen wir direkt als Barsicherheit auf einem Treuhänderkonto.

„Nur eine eingeschränkt positive Fortführungsprognose“

Anleihen Finder Redaktion: Im Jahresabschluss 2012 der Emittentin attestiert Ihnen der Wirtschaftsprüfer nur eine eingeschränkt positive Fortführungsprognose, insbesondere wegen des formal vorliegenden Überschuldungstatbestands. 2012 wurden verschiedene Restrukturierungsvereinbarungen mit Kreditgebern getroffen und ein Sanierungsgutachter empfahl die Zuführung von EUR 5 Mio. Eigenkapital – haben Sie das umgesetzt oder planen Sie das zu tun?

Josef Martin Leserer: Wir haben 2012 einen Umsatz von 10,1 Mio. Euro und ein EBITDA von 4,0 Mio. Euro, also eine EBITDA-Marge von 40 % erzielt. Auch unter dem Strich erwirtschafteten wir einen Gewinn. Dass wir in unserer Bilanz noch nicht die gleiche Solidität und Stabilität ausweisen können, hängt damit zusammen, dass wir in der Auf- und Ausbauphase stetig investiert haben und zugleich als Personengesellschaft geführt wurden. Das heißt, wir agierten steueroptimiert und nicht gewinnoptimiert. Davon profitierten wir heute zwar in Form von stillen Reserven, haben dafür allerdings Nachteile wie z. B. bei der Eigenkapitalausstattung. Um hier entsprechend Abhilfe zu schaffen, haben wir Gesellschafterdarlehen in Eigenkapital gewandelt.

Anleihen Finder Redaktion: Im Prospekt wird darauf hingewiesen, dass bei der Mittelverwendung des Anleihekapitals auch ein Darlehen an Sie persönlich zurückgeführt werden soll. Wie vereinbart sich das mit den Erkenntnissen aus dem Sanierungsgutachten?

Josef Martin Leserer: Es handelt sich hier um einen Betrag von lediglich 0,4 Mio. Euro, der nicht an mich persönlich, sondern an die Josef Leserer Erdbewegungs-GmbH zurückgeführt wird. Insgesamt wollen wir Bankkredite im Volumen von 10,7 Mio. Euro zurückführen.  Die Gesellschaftereinlagen aus dem letzten Jahr bleiben dem Unternehmen selbstverständlich erhalten.

Anleihen Finder Redaktion: Anders als die meisten anderen Unternehmensanleihen bieten Sie den Anleihegläubigern umfangreiche dingliche Sicherheiten an, und zwar in Form substanzieller erstrangiger Grundpfandrechte, Sicherungsübereignungen und Barsicherheiten. Vermutlich haben nicht zuletzt diese Sicherheiten zu dem guten „BBB-„ Rating von Scope geführt. Könnten Sie bitte das Besicherungskonzept kurz darlegen und den Wert der Sicherheiten beziffern?

BioEnergie Taufkirchen GmbH & Co. KG: Für die Anleihe-Investoren haben wir einen Treuhänder beauftragt

Josef Martin Leserer: Die Besicherung orientiert sich extrem nah an den Sicherheiten, die auch unsere Hausbank für die Weiterführung ihrer Darlehen hat: nämlich im Wesentlichen den Ost-Strang unseres Fernwärmenetzes. Für die Anleihe-Investoren haben wir einen Treuhänder beauftragt, der ihre Interessen vertritt und wir haben den Sicherheitenumfang nochmals erhöht. Die Gläubiger erhalten eine Sicherungsübereignung eines Teils des Fernwärmenetzes (West-Strang), erstrangige Buchgrundschuldeintragungen auf die Grundstücke des Kraftwerkes sowie die Sicherungsübereignung eines Spitzen- und Reserveheizwerks. Der Substanzwert dieser Sicherheiten liegt laut unabhängigem Gutachten bei über 30 Mio. Euro. Zusätzlich hinterlegen wir noch eine jährliche Zinszahlung auf einem Treuhänderkonto, füllen dieses aus dem Cash Flow direkt auf zwei jährliche Zahlungen auf und lassen den Treuhänder neben der Mittelverwendung auch alle wesentlichen Investitionen prüfen und freigeben.

Anleihen Finder Redaktion: Im Jahr 2012 hat die BioEnergie mit einem operativen Ergebnis (EBIT) von EUR 1,7 Mio. einen großen Sprung nach vorne gemacht, denn im Vorjahr lag das EBIT noch bei EUR 0,35 Mio. Damit stand am Ende des Jahres 2012 ein positives Jahresergebnis von EUR 0,6 Mio. Was war der Grund für die positive Entwicklung und was wird am Ende des Jahres 2013 stehen? Dürfen sich die Anleger auf eine Verfestigung des positiven Trends freuen?

Josef Martin Leserer: Genau um diese „Verfestigung“ geht es. Unsere Umsatzseite ist extrem gut planbar. Wir kennen z.B. schon heute über 80 % unserer Umsätze im Jahr 2019 bei Rückzahlung unserer Anleihe – weil die Kundenverträge so lange laufen. Für eine stabile Ertragsentwicklung haben wir jetzt die richtige Balance in den Kostenstrukturen – nach den Jahren des Aufbaus und der starken Investitionen.

Anleihen Finder Redaktion: Sehr geehrter Herr Leserer, in sieben Jahren werden Sie den Anlegern EUR 15 Mio. zurücküberweisen müssen. Welche Strategien werden Sie verfolgen, damit das Unternehmen diese Zahlung leisten kann?

Josef Martin Leserer: Die Investitionen in unsere Kraftwerke und in die Haupttrassen unseres Fernwärmenetzes sind abgeschlossen. Wir werden zwar noch weiter investieren, aber in geringerem Umfang. Hier geht es um die Verdichtung unseres Netzes. In unserem Kerngebiet haben wir bereits eine Marktabdeckung von über 70 %. Es gibt aber auch Städte und Gemeinden mit deutlichem Potenzial. Es geht also um den Ausbau unserer Marktposition und darum, mit einem Anschluss an ein Geothermie-Kraftwerk weitere grundlastfähige Energie anzubieten. Diese moderate Wachstumsstrategie und die Stabilität durch unsere langfristigen Kundenverträge geben uns eine große Planungssicherheit für die nächsten Jahre. Unsere Liquiditätsplanung ist klar auf Tilgung in 7 Jahren ausgelegt – und nicht auf Refinanzierung.

Anleihen Finder Redaktion: Vielen Dank für das sehr offene Gespräch.

Fotos: BioEnergie Taufkirchen GmbH & Co. KG

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