Bei MIFA Mitteldeutsche Fahrradwerke AG droht Bruch von Schutzklauseln, den Financial Covenants – Verluste steigen um das Fünfzehnfache – zu wenig Umsatz und grober buchhalterischer Fehler – Kurssturz um mehr als 30 Prozent

Donnerstag, 20. März 2014


Was ist bei der MIFA Mitteldeutsche Fahrradwerke AG los? Anleihe-Investoren und Marktbeobachter sind von der neuesten Unternehmensmeldung überrascht. Angeblich führe ein großer, buchhalterische Fehler zu einem Anstieg des Jahresfehlbetrages um das Fünfzehnfache und schließlich eventuell zum Bruch mit den Schutzklauseln für Anleihegläubiger der MIFA Mitteldeutsche Fahrradwerke AG. Der Kurs der MIFA-Unternehmensanleihe stürzte heute zeitweise um mehr als 30 Prozent ab.

Was ist passiert? Die MIFA Mitteldeutsche Fahrradwerke AG hat nach vorläufigen Schätzungen beim Jahresabschluss  einen voraussichtlichen Jahresfehlbetrag nach HGB von etwa 15 Millionen Euro ausgerechnet. Das gab die MIFA heute bekannt. Das entspricht etwa dem Fünfzehnfachen des im Wertpapierprospekt für die MIFA-Unternehmensanleihe ausgewiesenen Jahresfehlbetrags von 2012.

Als Gründe für den starken Anstieg des Jahresfehlbetrags 2013 nannte die MIFA „im Wesentlichen nicht eingetroffene Umsatzerwartungen im Geschäftsjahr 2013.“ Außerdem sei im Zusammenhang mit der Einführung eines neuen Buchungssystems im zweiten Quartal 2013 das Vorratsvermögen „buchhalterisch falsch erfasst“ worden. Dadurch sei der Materialaufwand bereits in den Quartalsabschlüssen für das zweite und dritte Quartal 2013 zu niedrig ausgewiesen worden.

MIFA Mitteldeutsche Fahrradwerke AG: Fehlbuchungen im Zuge der Jahresabschlusserstellung

Die MIFA ergänzt den Versuch einer Erklärung, dass die MIFA-Manager unterjährig keine Inventur durchführen würden. So habe die MIFA Mitteldeutsche Fahrradwerke AG die Fehlbuchungen erst im Zuge der Jahresabschlusserstellung erkannt.

Wahrscheinlich als Reaktion auf die groben, buchhalterischen Fehler hat der MIFA-Aufsichtsrat Wirtschaftsprüfer Hans-Peter Barth, am Donnerstag, den 20.03.2014, bis zum Jahresende zum Vorstand für Finanzen und Verwaltung bestellt. Hans-Peter Bahrt übernehme die Funktionen des bisherigen Alleinvorstands Peter Wicht. Dieser stehe der MIFA derzeit krankheitsbedingt nicht zur Verfügung, informiert das Unternehmen.

Der Aufsichtsrat hat sich jetzt vorgenommen, die Arbeiten am Konzernabschluss intensiver zu prüfen. Dabei könnten auch „externe Sachverständige“ beauftragt werden. Auf jeden Fall würde sich aber der Jahresabschluss 2013 verzögern. Neuer Zieltermin sei Juni 2014.

Sonderkündigungsrechte für Anleihe-Gläubiger der MIFA Mitteldeutsche Fahrradwerke AG

Es könne jetzt nicht mehr ausgeschlossen werden, dass eine oder mehrere in den Anleihe- und Kreditbedingungen festgehaltenen Schutzklauseln für Anleger, die Financial Covenants, im Geschäftsjahr 2013 gebrochen würden, berichtet die MIFA. Daraus entstehen dann für Anleihe-Gläubiger der MIFA Sonderkündigungsrechte. Dafür kündigt die MIFA bereits an, „eine Versammlung der Anleihegläubiger einzuberufen, um über eine entsprechende Änderung der Anleihebedingungen abzustimmen.“ Zudem wollen die MIFA-Manager „weitere Refinanzierungsmöglichkeiten prüfen.“ Untern Strich: keine guten Nachrichten für die Anleihe-Gläubiger der MIFA.

Damit die Unternehmensmeldung nicht ganz so negativ ausfällt, berichtet die MIFA heute auch über Fortschritte bei der „geplanten strategischen Partnerschaft mit der indischen HERO Cycles Ltd. („HERO“)“: So habe die MIFA heute eine Absichtserklärung mit HERO unterzeichnet, die eine Eigenkapitalbeteiligung von HERO in Höhe von 15 Millionen Euro vorsehe – unter dem Vorbehalt einer abschließenden Due Diligence und Verträgen, bei denen die beiden Firmen „in fortgeschrittenen Verhandlungen“ stehen sollen.

Die strategische Partnerschaft zwischen MIFA und HERO soll auch die Bereiche Beschaffung und Produktentwicklung, insbesondere bei Elektrofahrrädern und –antrieben, betreffen.

Beim Ausblick auf 2014 halten sich die Fahrradwerk-Manager zurück: Für das erste Quartal 2014 erwarte die MIFA ein ausgeglichenes Ergebnis. Eine belastbare Aussage für das Gesamtjahr 2014 könne die MIFA Mitteldeutsche Fahrradwerke AG aber erst „nach Aufarbeitung des Jahresfehlbetrags“ geben. Immerhin: Die MIFA verfüge über ausreichende Liquidität für das laufende Geschäft.

Anleihen Finder Redaktion

Foto: MIFA Mitteldeutsche Fahrradwerke AG

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